Kunstsommer 2010 - Michael von Brentano
Ein weißes Reh steht auf der Wasseroberfläche des kleinen Teiches. Es scheint wie auf einer Lichtung zu äsen – oder betrachtet es sein Spiegelbild? Von weithin sichtbar, steht es regungslos, die Schnauze zum Wasserspiegel hin geneigt.
Steht da wirklich ein Reh? Im Wasser? Das Wasser ist an dieser Stelle zu tief. Außerdem gehen Rehe nicht ins Wasser. Und schon gar nicht zum Fressen.
Es ist die Skulptur eines scheuen Waldtieres, das sich in Wirklichkeit wohl kaum in einen Stadtpark wagen würde. Beim Näherkommen bemerkt man, dass das Reh drei statt zwei Vorderbeine hat. Es ist eine Skulptur, die an eine klassische Gartenskulptur erinnert. Sie unterstreicht die idyllisch modellierte, "echte" Natur nachahmende Gartenanlage. In poetischer Weise fügt sie sich ein und irritiert gleichzeitig durch ihren Standort und ihre überrealistische Gestaltung. Sie wirft die Frage auf, welchen Zweck ein Garten haben soll. Schaffen wir uns damit eine ideale Landschaft, in der nur eine Vorstellung von Natur existiert?
Michael von Brentano wurde 1960 in Augsburg geboren und lebt und arbeitet in Seeshaupt.







