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Baukulturelles und gartenkünstlerisches Erbe

„Historisches Fünfeck“, Villengürtel und „Kleine-Leute-Viertel“ bilden zusammen mit dem umfangreichen historischen Grünbestand und durch die Kontinuität ihrer Nutzung und Sozialstruktur ein einzigartiges Stadtdenkmal. In ihm kann man bis heute der Inszenierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert nachspüren.

Das baukulturelle und gartenkünstlerische Erbe Wiesbadens im 20. und 21. Jahrhundert

Wiesbaden gehört zu den wenigen Großstädten in Deutschland, die von den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nicht so stark betroffen wurden. Auch im internationalen Vergleich gehört Wiesbaden hinsichtlich des Umfanges, der Qualität und des Pflegezustands erhaltener historischer Strukturen und Bauwerke zu den herausragenden Flächendenkmalen.

Das „Historische Fünfeck" um den Altstadtkern, die Villengürtel um das Kurhaus herum und die nordwestlich gelegenen „Kleine-Leute-Viertel" bilden zusammen mit dem umfangreichen historischen Grünbestand und durch die Kontinuität ihrer Nutzung und Sozialstruktur ein einzigartiges Stadtdenkmal. In ihm kann man bis heute der Inszenierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert nachspüren.

Das Streben nach einer modernen, autogerechten Stadt, das nicht nur in Wiesbaden die Stadtplanung um die Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte, gefährdete dieses historische Erbe massiv. Die Stadtplanung unter Professor Ernst May in den 1960er Jahren sah den flächendeckenden Abriss der Altstadt und die Niederlegung weiter Teile der Villengebiete vor. Letztlich wurde dies durch den entschiedenen Widerstand breiter Kreise der – vor allem jüngeren - Wiesbadener Bürgerschaft verhindert. Dieser Bewusstseinswandel vollzog sich zeitgleich in ganz Deutschland und markierte einen Paradigmenwechsel im Städtebau zugunsten des Erhalts des baukulturellen Erbes. Er hatte in allen deutschen Bundesländern die Verabschiedung eigener Denkmalschutzgesetze zur Folge. Wiesbaden kann im Bereich der städtebaulichen Denkmalpflege und hinsichtlich der Neubewertung des baukulturellen Erbes des 19. Jahrhunderts als Vorreiterin bezeichnet werden. Die Stadt wurde dafür 1978 im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau" ausgezeichnet.

Die Stadtplanung der 1960er Jahre verkannte die ästhetischen Werte und die Möglichkeit, den historischen Baubestandes an die sich wandelnden Bedürfnisse anzupassen. Seitdem wurde – auch unter Begleitung durch den damaligen Landeskonservator Gottfried Kiesow – der historische Baubestand Wiesbadens weitgehend instand gesetzt. Denkmalschutz, städtebauliche Denkmalpflege und die Gartendenkmalpflege sind seit Jahrzehnten bedeutende integrale Bestandteile der Stadtentwicklung in Wiesbaden.

Martin Horsten
Stadtkonservator
Untere Denkmalschutzbehörde
der Landeshauptstadt Wiesbaden