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Residenzstadt und Kur-Großstadt

Bereits im 15. Jahrhundert erlebte Wiesbaden eine erste Blütezeit. Als Hauptstadt des Herzogtums Nassau setzte seit 1806 ein ungeahnter, von staatlicher Seite geförderter Aufschwung als Modebad ein. Die Prosperität der Stadt und ihre Anziehungskraft für gehobene gesellschaftliche Schichten wuchsen auch nach dem Übergang an Preußen 1866 weiter. Wiesbaden schaffte als einzige europäische Kurstadt den Spagat zwischen Kurstadt und Großstadt.

Wiesbaden - Residenz, Hauptstadt und Kur-Großstadt

Wiesbaden ist eine Stadt mit vielen Facetten: Kur- und Badeort, Residenz, nassauische Hauptstadt, Großstadt, schließlich hessische Landeshauptstadt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelangte Wiesbaden in den Besitz der Grafen von Nassau. Schon im 15. und 16. Jahrhundert erlebte die kleine Landstadt eine erste Blütezeit. Die Heilkraft der heißen Quellen zog Könige und Kaiser sowie Angehörige des Hochadels an. Allein Kaiser Friedrich III. von Habsburg war sechsmal hier, um sein Beinleiden zu kurieren.

Nach dem Niedergang des Kur- und Badewesens in Folge des 30jährigen Krieges setzte um 1700 ein neuer Aufschwung ein. Als die Fürsten von Nassau 1744 ihre Residenz nach Biebrich verlegten und die Übersiedelung ihrer Zentralbehörden von Usingen nach Wiesbaden beschlossen, wurde die Grundlage für die spätere Funktion Wiesbadens als Hauptstadt gelegt.

Mit der Gründung des Rheinbundes 1806 wurde aus den beiden Beitrittsstaaten Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg ein Herzogtum mit der Hauptstadt Wiesbaden. Der weitere Ausbau der Stadt geriet damit zur Staatsaufgabe: Regierungsgebäude für Staatsministerium, Geheimes Ratskollegium und weitere Fachbehörden sowie für die Unterbringung der Garnison wurden erbaut, die neu gebildete Ständekammer und das Oberappellationsgericht wurden in der Hauptstadt ansässig. Herausragende Belege für die staatliche Förderung sind der Bau des Gesellschaftshauses von 1808 bis 1810 und die Ausgestaltung der gärtnerischen Anlagen und Promenaden.

1866 wurde Nassau nach seiner Niederlage an der Seite Österreichs im Deutschen Krieg von Preußen annektiert. Die Stadt verlor ihren Status als Residenz und Landeshauptstadt, blieb aber als Sitz des neuen preußischen Regierungspräsidiums ein wichtiger Verwaltungsstandort. Als wahrer Publikumsmagnet erwiesen sich die Aufenthalte der neuen Herrscher, die stets mit kunstvoll inszenierten öffentlichen Auftritten einhergingen. „Frühjahrs-Luftkur", Zusammenkünfte mit anderen gekrönten Häuptern sowie seit 1896 der Besuch der Maifestspiele führten die Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. viele Male in die Stadt. Die Preußenkaiser nahmen Einfluss auf den Neubau des Theaters, des Kurhauses und des Hauptbahnhofs und griffen auf vielerlei Weise in das Leben der Kurstadt ein

Die historisch gewachsene Funktion Wiesbadens als Residenz und Verwaltungsstandort trug maßgeblich dazu bei, dass dieser Stadt als einziger europäischer Kurstadt der Spagat zwischen Kurstadt und Großstadt gelang.

Dr. Brigitte Streich
Stadtarchiv Wiesbaden

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