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Stadtbaukunst und Landschaftsgestaltung

Mit dem Bau des historischen Fünfecks legte der nassauische Baumeister Christian Zais zu Beginn des 19. Jahrhunderts die planerische Grundlage für die weitere Entwicklung zur exklusiven Kurstadt. Die Stadtlandschaft Wiesbaden wurde zu einem inszenierten Teil der romantischen Rheinlandschaft, deren Grünanlagen und Parks bis heute die Stadt prägen.

„Wasser - Villen - Grüne Paradiese": Dieser Dreiklang nennt die zentralen Themen der Stadt. Der Kur- und Badeort war im 19. Jahrhundert von Internationalität, Luxus und Amüsement geprägt und wirkt bis heute in großen Teilen wie ein überdimensionaler Landschaftspark. Die harmonische Verbindung von Städtebau und Gartenkunst und die Einbettung in die Landschaft des Taunusrandes machen zusammen mit einer erstaunlichen Nutzungskontinuität Wiesbaden heute zu einem einzigartigen Stadtdenkmal.

Mit dem Bau des historischen Fünfecks um den mittelalterlichen Kern der Stadt legte der nassauische Baumeister Christian Zais zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Auftrag des nassauischen Herzogs die planerische Grundlage für die weitere Entwicklung zur exklusiven Kurstadt. Der mit der Spitze zum Taunusrand ausgerichtete fünfeckige Stadtgrundriss war eine geschickte Antwort auf die spezielle topografische Lage der Stadt. Diese Planung ermöglichte im Süden und Westen des Stadtgebiets die kontinuierliche Stadterweiterung mit einer rasterförmigen Blockbebauung und im Osten die Anlage exklusiver Villengebiete, die sich auf das Kurhaus als gesellschaftlichen Mittelpunkt beziehen.

Die malerische und romantische Umgestaltung und der Ausbau der Parks um 1860 gehen im Wesentlichen auf den herzoglich-nassauischen Hofgartendirektor Carl Friedrich Thelemann zurück. Seine Planungen für die Villengebiete mit den fließenden Übergängen zwischen den öffentlichen und privaten Grünanlagen prägen den Charakter der Stadt bis heute und machen die Stadt zu einem bevorzugten Wohnort.

Die Stadtlandschaft Wiesbaden wurde zu einem inszenierten Teil der romantischen Rheinlandschaft, wie zeitgenössische Berichte belegen. Straße und Wege wurde vor allem auch unter touristischen Aspekten angelegt, Aussichtpunkte und Blickachsen wurden geschaffen. Zahlreiche Attraktionen in der Umgebung – insbesondere die Burg Sonnenberg – ergaben einen Kanon für Ausflüge, die fast zur Pflicht für jeden Kurgast wurden.

Die erfolgreiche Vermarktung der Kurstadt, getragen von einem breiten Konsens zwischen städtischer und staatlicher Verwaltung und der städtischen Elite, führte zu einem rasanten Anstieg der Einwohner- und Gästezahlen. Mit dem Bau einer Ringstraße südwestlich um die Stadtanlage herum gelang Alexander Fach, dem ersten Wiesbadener Stadtbaumeister, unter der zwischenzeitlich preußischen Regierung eine prägnante und funktionale städtebauliche Weiterentwicklung des Stadtgrundrisses. Auch Felix Genzmer, der für das bis heute erhaltene städtebauliche Gesamtkunstwerk wohl bedeutendste Stadtbaumeister von Wiesbaden, verstand es unter dem Druck der zügig wachsenden Stadt, Gestalt und Funktion zu vereinen. Durch gekurvte und begrünte Straßen, attraktive Plätze und aufwendig gestaltete Grünanlagen prägte er das Stadtbild der „Kur-Großstadt" der Zeit um 1900. Die Identität als Kurstadt ging bei dem systematischen Ausbau zur Großstadt nicht verloren. Unter allen Kurstädten Europas ist dieses Phänomen einzigartig.

Martin Horsten
Stadtkonservator
Untere Denkmalschutzbehörde
der Landeshauptstadt Wiesbaden