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Aktives Museum: Die Wahrheit ist, man hat mir nichts getan

Im Aktiven Museum für Deutsch-Jüdische Geschichte ist bis zum 9. Juni 2018 die Ausstellung "Die Wahrheit ist, man hat mir nichts getan".

Im Ausstellungshaus in der Spiegelgasse 11 des Aktiven Museums für Deutsch-Jüdische Geschichte e. V. (AMS) ist bis zum 9. Juni die Ausstellung "Die Wahrheit ist, man hat mir nichts getan" zu sehen. Geöffnet ist sie donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung.

Doris Tofall – Malerei & Theodor Kramer – Gedichte aus der Heimat und dem Exil

Gezeigt wird ein Werkzyklus der Wiesbadener Malerin Doris Tofall, der von Gedichten des Schriftstellers Theodor Kramer inspiriert wurde. Welche Bedeutung der Verschränkung von aktueller Bildkunst mit dem literarischen Schaffen eines in der NS-Zeit verfemten österreichischen Schriftstellers zukommt, führt Bernd Brach anlässlich der Ausstellungseröffnung aus.

Den Titel der Ausstellung bildet eine Textzeile aus einem Gedicht von Theodor Kramer. In ihm schildert der jüdische Schriftsteller und Wiener Sozialdemokrat 1938, was ihm die nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich zumutete: Berufsverbot, Arbeitslosigkeit, Verlust der Wohnung. Der knappen Beschreibung seiner fast ausweglosen Lage stellt er entgegen, wie unverändert und ungerührt sich der Alltag nicht Verfolgter neben ihm abspult. Sein Fazit "Man hat mir nichts getan", ist eine Provokation, eine Aufforderung "Nein" zu solchem Unrecht zu sagen.

1939 gelang es Theodor Kramer unter großen Schwierigkeiten und letztlich nur dank der Hilfe von Thomas Mann nach London zu entkommen. Erst nach langem Zögern kehrte er 1957 nach Wien zurück, wo er bereits ein Jahr später verstarb. Das literarische Werk Theodor Kramers geriet im deutschsprachigen Raum fast vollständig in Vergessenheit, bis sich eine nach ihm benannte Gesellschaft für Literatur des Exils und des Widerstandes aufmachte, dies zu ändern.

Eine eindrucksvolle Form der Rückbesinnung auf das Wirken von Theodor Kramer führt den Besucherinnen und Besuchern die Wiesbadener Malerin Doris Tofall vor Augen. Ihre weitgehend abstrakten Arbeiten fangen ein, welche Bedeutungsebenen sie in seinen Gedichten entdeckt hat. Ihre produktive Auseinandersetzung mit seinen Versen voller Verzweiflung und Lebensmut verdeutlichen, dass dem Vergessen entrissen werden kann, was man als Stachel im Fleisch und als Tröstung ernst nimmt.

Der Nazi-Propagandist Alfred Rosenberg beschimpfte Theodor Kramer in den 1930-er Jahren als "Hofpoeten der Demokratie." Theodor Kramer war nie und nimmer ein "Hofpoet", aber er war ohne Frage ein Poet der Demokratie – ein wortgewandter, kluger und unerschütterlicher Verteidiger der Menschenwürde.

Programm

  • Am Sonntag, 29. April, findet in der Bibliothek der AMS-Geschäftsstelle in der Spiegelgasse 9 ab 17 Uhr die Lesung "Der Blick zurück auf Wien 1938" mit Lyrik von Theodor Kramer und Prosa von Georg Stefan Troller statt.
  • Am Sonntag, 27. Mai, hält Dorothee Lottmann-Kaeseler ebenfalls in der AMS- Bibliothek ab 11.30 Uhr den Vortrag "Die Biographie des Wiener Dichters Theodor Kramer und das Wirken einer nach ihm benannten Gesellschaft für Literatur des Exils und des Widerstandes."
  • Im Anschluss an die beiden Veranstaltungen stehen jeweils Führungen durch die Ausstellung auf dem Programm.

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