Gedenkstunde Reichspogromnacht
Die Landeshauptstadt Wiesbaden und die Jüdische Gemeinde Wiesbaden luden gemeinsam am Mittwoch, 9. November 2011, 19 Uhr, zu einer Gedenkstunde anlässlich des 73. Jahrestages der Reichspogromnacht ein. Treffpunkt war in der Coulinstraße, Höhe Eingang Parkhaus, oberhalb der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge am Michelsberg.
Die Gedenkfeier wurde von Schülern der Carl-von-Ossietzky-Schule mitgestaltet. Die Ansprache hielt Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel. Gebete sprachen Dr. Jacob Gutmark von der Jüdischen Gemeinde und Rabbiner Avraham Nussbaum.
Gedenkstunde zur Reichspogromnacht - Judenverfolgung in Wiesbaden
Um an die Reichspogromnacht und an die Zerstörung der Synagoge am Michelsberg durch die Nationalsozialisten zu erinnern, laden die Landeshauptstadt Wiesbaden und die Jüdische Gemeinde jedes Jahr alle Bürgerinnen und Bürger zu einer Gedenkstunde an der ehemaligen Synagoge am Michelsberg ein. Den Opfern der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wird in Ansprachen und Reden, durch Lesungen, das gemeinsame Gebet und Kranzniederlegungen am Mahnmal gedacht.
Auch Wiesbaden wurde von den schrecklichen Ereignissen der Reichspogromnacht nicht verschont. Zwischen dem 7. und 10. November 1938 haben in ganz Deutschland Synagogen gebrannt. Auch jene in der Wiesbadener Innenstadt und in den Vororten wurden von NS-Verbrechern heimgesucht, geplündert und zerstört. Gleiches ist etlichen jüdischen Einrichtungen, Häusern und Geschäften widerfahren. Reichsweit sind über 30.000 jüdische Männer verhaftet und zumeist wochen- und monatelang in den Konzentrationslagern Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald inhaftiert worden.
Bereits Ende Oktober 1938 waren nachweislich etwa 80 Wiesbadener Juden nach Polen abgeschoben worden. Weitere Verfolgungen, Deportationen, Folter und Ermordung folgten in den Monaten und Jahren danach. Im Jahr 1933 waren in Wiesbaden 3.000 Menschen jüdischen Glaubens beziehungsweise jüdischer Herkunft registriert. Kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner lebten hier nur noch etwa 20 Menschen jüdischer Herkunft.
Während der zentral gesteuerten, dann schönfärberisch "Reichskristallnacht" genannten, antisemitischen NS-Gewaltaktion sind viele jüdische Bürger brutal misshandelt und einige ermordet worden. Wieder einmal zeigte das Nazi-Regime sein brutales Gesicht - in ganz Deutschland.
Heute wird die Zahl der noch lebenden Zeitzeugen, die durch ihre Person authentische Auskünfte über das Leid und die Verfolgung geben können, immer kleiner.
Umso wichtiger wird, die Erinnerung an die Verbrechen der Nazi-Diktatur mahnend wach zu halten und dafür Sorge zu tragen, dass die Erinnerung an diese dunkle Zeit in der Geschichte nicht zwischen den Seiten dicker Geschichtsbücher verschwindet, sondern für alle Zeiten als Mahnung gegen Menschenverachtung, gegen Antisemitismus - von wem und aus welchem Grund auch immer - und gegen Gewalt gegen Menschen wach gehalten wird.







