Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche einblenden
Kultur

Historie - Gedenken NS-Opfer

Nachdem auch in Wiesbaden in den ersten vier Nachkriegsjahrzehnten nur einige wenige Gedenkstätten, -steine und -tafeln zur Erinnerung an Verfolgung und Widerstand während der NS-Zeit errichtet worden sind, konnten zunehmend seit Anfang der 1990-er Jahre vergleichsweise viele Gedenkorte im öffentlichen Raum neu markiert sowie mit entsprechenden Hinweisen versehen werden.

Die Straßen und Plätze, Schulen und anderen Gebäude, die nach Verfolgten der NS-Gewaltherrschaft sowie nach Aktivisten des antinazistischen Widerstandes benannt wurden beziehungsweise an denen diesbezügliche Gedenktafeln angebracht sind, lassen sich wegen ihrer großen Zahl an dieser Stelle nicht aufführen. Gleiches gilt für die vielen kleinen Messingtafeln mit den Namen und Lebens-, Deportations- beziehungsweise Ermordungsdaten von zumeist jüdischen NS-Opfern, die vor deren letzten von ihnen selbst gewählten Wohnsitzen im Rahmen des "Stolpersteine"-Erinnerungsprojektes des Kölner Künstlers Gunter Demnig seit 2005 auch in Wiesbaden verlegt werden; diese europaweit größte dezentrale Gedenkaktion wird hierorts vom Aktiven Museum Spiegelgasse (AMS) betreut.

In der Heinrich-Heine-Anlage am Michelsberg und in der Bernhard-Schwarz-Straße 17 in Wiesbaden-Schierstein wurden schon 1953 beziehungsweise 1968 Gedenkstätten zur Erinnerung an die 1938 der Zerstörungswut der faschistischen Rassisten zum Opfer gefallenen Synagogen errichtet. In der Poststraße 5 bis 7 in Wiesbaden-Bierstadt erinnert eine Gedenktafel an die einst dort befindliche Synagoge. Gleiches gilt für die ebenfalls zerstörte Synagoge in der Rathausstraße 37 in Wiesbaden-Biebrich, wo zudem seit 2010 eine sechs Meter hohe rote Stele des Wiesbadener Künstlers Karl-Martin Hartmann das jüdische Verfolgungsschicksal in Erinnerung ruft.

1992 wurde auf Anregung des AMS vor dem Haus Alexandrastraße 6–8 eine Gedenktafel für die deportierten und ums Leben gebrachten Bewohner jenes früheren "Judenhauses" angebracht. 1994 gestaltete der damals noch in Wiesbaden lebende Künstler Marc van den Broek eine ebenfalls namentliche Form des Gedenkens an die Nordenstadter Opfer des Holocaust an der Ecke Stolberger Straße/Heerstraße.

Seit 2006 stehen Informationsstelen an mehreren weiteren authentischen Orten, so vor der Außenmauer des früheren Gerichtsgefängnisses in der Albrechtstraße 29, ferner gegenüber der Paulinenstraße 9 als einstigem Gestapo-Hauptquartier und am Geschwister-Stock-Platz, Ecke Kronprinzenstraße/Bahnhofstraße, dort zur Erinnerung vor allem an die während des "Dritten Reiches" verfolgten und ermordeten jüdischen Kinder. Ein weiterer Informationsträger wurde 2010 vor der vom Frankfurter Multimediakünstler Vollrad Kutscher konzipierten Kastanienallee des Deportationsmahnmals Schlachthoframpe am Rande des neuen Freizeit- und Kulturparks östlich der Gleisanlagen des Hauptbahnhofs errichtet. Schon seit 2007 ruft dort eine großformatige fotorealistische Darstellung des Wiesbadener Sprühkünstlers Yorkar7 die Judendeportation des 1. September 1942 in Erinnerung.

Im Frühjahr 2010 wurden die Bauarbeiten für die Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden am Standort der ehemaligen Synagoge am Michelsberg begonnen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden erinnert dort fortan namentlich an die mehr als 1.500 von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Die Gedenkstätte wurde am 27. Januar 2011 durch Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel an die Wiesbadener Bürgerschaft übergeben.

Im Foyer des Rathauses wurde 2002 ein Gedenkraum eingerichtet, in dem vielfältige Informationen zum jüdischen Verfolgungsschicksal bereitgehalten werden, darunter ein Video mit der virtuellen Rekonstruktion der früheren Synagoge am Michelsberg. Auch können auf einem Monitor Hinweise zu verschiedenen weiteren Orten des Gedenkens an NS-Opfer abgerufen werden. Ein Touchscreen bietet biographische Hinweise zu den aus Wiesbaden deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden.

1991 wurde die KZ-Gedenkstätte "Unter den Eichen" im Carl-von-Ibell-Weg eröffnet. Eine Dauerausstellung thematisiert das 1944/45 dort bestehende Außenkommando des SS-Sonderlagers Hinzert, den antinazistischen Widerstand in Luxemburg, das Leid der hiesigen KZ-Häftlinge sowie die ihnen von einigen Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern gewährte Hilfeleistung. Informationsmaterial hierzu ist in der Gedenkstätte selbst wie auch im Stadtarchiv erhältlich, wo auch Termine für qualifizierte Gruppenführungen vereinbart werden können.

Gegenüber der Bahnhofstraße 63 wurde 1992 ein von der Sinti-Werkstatt in Albersweiler in der Pfalz geschaffenes großes Mahnmal eingeweiht, das an den von den NS-Rassisten an dieser Minderheit verübten Völkermord und an deren Wiesbadener Opfer erinnert.

Auf dem Südfriedhof befinden sich ein Ehrenfeld u. a. für zivile Opfer der NS-Gewaltherrschaft (Abteil C 1) sowie ein solches für 171 namentlich aufgeführte Opfer aus "Euthanasie"-Anstalten und aus Konzentrationslagern (Abteil U 11).

Weitere Informationen zu den Wiesbadener Gedenkstätten gibt es im Stadtarchiv  sowie beim AMS. Beide Einrichtungen führen regelmäßig Vortrags- und andere Veranstaltungen zum Thema durch; das AMS bietet außerdem themenspezifische Stadtrundgänge an, unter anderem auch Führungen über jüdische Friedhöfe.

Anzeigen