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Kultur

Synagoge am Michelsberg

1869 wurde am Michelsberg die von dem Architekten Philipp Hoffmann entworfene Synagoge fertiggestellt. Das weithin sichtbare jüdische Gotteshaus war mit seinen 35 Metern Höhe und seiner mit goldenen Sternen überzogenen Hauptkuppel eines der schönsten und repräsentativsten Gebäude der Stadt. Es war Ausdruck der gesellschaftlichen Integration der reformierten jüdischen Gemeinde Wiesbadens und zeugte von deren Stolz und Selbstbewusstsein.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch die Synagoge am Michelsberg mehrfach in Brand gesetzt und dadurch zerstört. Das bis auf die Außenmauern ausgebrannte Gotteshaus wurde 1939 abgebrochen. Der mächtige Sockel diente während des Krieges als Löschwasserreservoir. Danach war er für eine Weile Parkplatz für städtische Bedienstete. In den 1950-er Jahren musste dieser Platz der Erweiterung der Coulinstraße weichen. Von 1969 bis 2001 überspannte eine Hochstraße aus Beton den Platz. Eine Stele mit der Aufschrift „Der Welt Gewissen ist die Liebe" zur Erinnerung an die frühere Synagoge stand der Hochbrücke im Wege und wurde ein paar Meter höher versetzt. Damit war - zumindest eine Zeitlang - das alte jüdische Gotteshaus gänzlich aus dem historischen Bewusstsein der Stadt entschwunden. Proteste der Öffentlichkeit richteten sich ausschließlich gegen das monströse Bauwerk der inzwischen wieder abgerissenen Hochbrücke; die Entweihung des Platzes der früheren Synagoge spielte dabei keine Rolle.

Seit dem 9. November 1995 bis zum Abbruch der Hochbrücke 2001 legten die "Fragmente am Michelsberg" wieder Zeugnis von der früheren Synagoge ab. Drei hölzerne Wände, aus Kanthölzern hergestellt, gaben die einstige Fundamenthöhe an. Zwei Wände am Schulberg umrahmten das frühere Portal, die dritte Wand deutete den hinteren Abschluss der Synagoge mit dem Thoraschrein an. Ein Teil des Gebäudegrundrisses war in blauer Farbe detailgenau auf der Coulinstraße markiert.

Im Frühjahr 2010 wurden die Bauarbeiten für die "Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden" am Standort der ehemaligen Synagoge am Michelsberg begonnen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden erinnert dort fortan namentlich an alle von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Die Gedenkstätte wurde am 27. Januar 2011 durch Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel an die Wiesbadener Bürgerschaft übergeben.


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