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Kultur

Elvis Presley und seine Wiesbadener Zeit

Er war das Rock-Idol ganzer Generationen, denen er das Tor zu einer neuen musikalischen Welt aufstieß. Eine Jahrhundertlegende, die in den Herzen der Menschen unverändert fortlebt. Auch dreißig Jahre nach dem traurigen Ende von Elvis Presley, der am 16. August 1977 starb, ist die Verehrung für den King des Rock'n' Roll ungebrochen. Viele Wiesbadener, die sich noch heute lebhaft daran erinnern, wie der junge Elvis während seiner Militärzeit in Deutschland oft und gern "die Stadt seiner Jugendliebe" besucht hat. Eine auf Wiesbaden bezogene Formulierung, die von ihm selbst stammt.

Elvis Presley und seine Wiesbadener Zeit - Mondscheinspaziergänge im Kurpark mit Priscilla

Als der junge GI 1958 nach Hessen beordert wurde und in die 3. US-Panzerdivision einrückte, löste das Ereignis bei den Fans eine Welle der Hysterie aus. Kein US-Soldat vor ihm, der jemals mehr Aufsehen erregt hätte, als er. "Elvis war bei seiner Einheit in Friedberg" zunächst als Offiziersfahrer eingesetzt", erinnern sich Armee-Veteranen. Der Militär-Jeep, den er im Dienst chauffierte, war allerdings nicht sein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Privat fuhr der "King" vielmehr einen teuren Mercedes. Auch BMW wusste um die Werbewirksamkeit des berühmten Musikers und sponserte ihm für die Dauer des Deutschland-Aufenthalts einen Wagen. Keine Frage also, dass auch die Unterkunft des Rock-Stars ganz und gar nicht dem sonst üblichen Militärstandard entsprach. Statt mit einer nüchternen Kasernenstube vorlieb nehmen zu müssen, residierte Elvis im Kurort Bad Nauheim äußerst nobel und genoss das Privileg, eine feudale Acht-Zimmer-Wohnung in der Goethestraße zu bewohnen. Auch der Vater und die Großmutter des "King" lebten zeitweise dort.

Elvis konnte sich das alles leisten, weil ihm neben dem vergleichsweise bescheidenen Sold von 124 Dollar und 24 Cent bereits Millioneneinnahmen aus dem Verkauf seiner Platten zur Verfügung standen. Allein die englische Version des italienischen Herz-Schmerz-Songs "O Sole Mio" unter dem Titel "It's Now Or Never" wurde weltweit neun Millionen Mal verkauft. So etwas hatte es bis dahin noch nie gegeben.

Singen beim Stiefelputzen

Für seine Fans waren die drei Jahre der hessischen Militärzeit in einem Punkt allerdings schmerzlich, denn öffentliche Auftritte lehnte der Rockstar kategorisch ab. Nur die engsten Kameraden und unmittelbaren Nachbarn kamen ab und an in den Genuss einer privaten Show. Etwa wenn Elvis beim Stiefelputzen, das er mit Leidenschaft und Ausdauer betrieb, sein "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus" schmetterte. Ein deutsches Volkslied, das der "King" ins Herz geschlossen hatte und auf Platte sang, darunter eine Strophe in Deutsch. Die Single wurde im Offizierscasino der Erbenheimer US-Airbase vorgestellt und avancierte auf Anhieb zum Renner. Elvis, obwohl er damals nur einige Worte Deutsch sprach, besorgte sich gleichwohl den Text der Tagblatt-Kritik, den er sich sofort übersetzen ließ. "Er war eben ein begeisterungsfähiger junger Mann und von einem sehr offenen, freundlichen Naturell", erinnerte sich der frühere deutsch-amerikanische Verbindungsmann Klaus F. Müller, der mit dem "King" in Wiesbaden oft und viel zu tun hatte.

Ärger dagegen gab es hin und wieder mit der Pünktlichkeit des prominenten GI, der immer wieder zu spät zum Dienst erschien. Immerhin hatte der junge Sergeant dafür eine plausible Entschuldigung parat: Er musste sich fast jeden Morgen durch eine dichte Traube überwiegend weiblicher, verzückt kreischender Fans vor seiner Villa kämpfen, vor der zeiweise die reinsten Belagerungszustände herrschten.
Das hinderte ihn freilich nicht daran, sich in Priscilla Beaulie, seine spätere Ehefrau, zu verlieben. Priscilla, damals vierzehn Jahre alt, war die Tochter eines in Wiesbaden stationierten Offiziers der US-Luftwaffe. Elvis und sie hatten sich im "Eagle-Club" des Hotels General von Steuben (heute Dorint) kennengelernt und waren fortan unzertrennlich. "Sie ist wirklich süß und sehr erwachsen für ihr Alter", schwärmte der junge Mann von seiner Eroberung, die er in Wiesbaden fast täglich besuchte. Noch heute erinnert sich Priscilla gern an die romantischen Mondscheinspaziergänge im Wiesbadener Kurpark, die sie mit dem King des Rock'n'Roll unternahm.

"E + P in Love"

Bei einem jener nächtlichen Kurparkausflüge mit Priscilla griff Elvis plötzlich zum Taschenmesser und ritzte ein "E + P in Love" in die Rinde eines Baumes. Elvis und Priscilla in Liebe. "Die beiden jungen Leute waren eben nicht viel anders als ihre Altersgenossen auch", sagte Klaus F. Müller, der deutsch-amerikanische Vertbindungsmann, noch Jahre später. "Es war ganz einfach die große Liebe, die sie entdeckt hatten." Die Initialen in der Baumrinde sollen noch Jahre später zu sehen gewesen sein. Elvis war zu dieser Zeit längst tot. Die kleine anrührende Schnitzerei an einem Baumstamm im Wiesbadener Kurpark, inzwischen längst verwittert - sie hatte ihn überdauert.

Nur im Wiesbadener Kurhaus-Spielcasino blieb der legendäre Rockstar vom Pech verfolgt. Zweimal versuchte Elvis Presley sein Glück beim Roulette, blieb aber erfolglos. Pech im Spiel, dafür Glück in der Liebe. Priscilla war ja da, die ihm über den Verlust lachend hinweghalf. Ältere Wiesbadener erinnern sich noch heute daran, wie Elvis und Priscilla plötzlich im "Cafe Europa" des Walhalla erschienen oder gemeinsam eine Kinovorstellung besuchten. Elvis mit Brille und ganz zivil, um möglichst nicht erkannt zu werden. "Natürlich wurde er trotzdem erkannt und musste Autogramme geben, was er auch bereitwillig tat."
Was den Biografen des Rock-Stars bis heute verborgen geblieben ist: Dass Elvis viel lieber Luftwaffen-GI auf dem US-Flugplatz Erbenheim geworden wäre, als bei der 3. US-Panzerdivision in Friedberg Dienst zu schieben. Im Hauptgebäude der Wiesbadener Airbase waren es vor allem die Abbildungen der Fliegerasse, die dort an den Wänden hingen und ihn während eines Besuchs  brennend interessierten. Der junge GI studierte jeden einzelnen Namen, las mit Begeisterung die Kurzbiografien der Piloten und konnte sich kaum trennen von der Airbase. "Ich würde lieber hier bleiben, wenn man mich ließe", gestand Elvis den Umstehenden. Doch daraus wurde nichts.

Heirat und Trennung

Schon bald, nachdem Presley Hessen verlassen und nach Amerika zurückgekehrt war, schrieb Priscilla Beaulie den ersten Brief an ihren berühmten Freund. "Ich werde ihn sehr, sehr vermissen", gestand das Mädchen einem Reporter, ehe sie ihm dann Jahre später, am 1. Mai 1967, in Las Vegas lächelnd das Ja-Wort gab. Auf den Tag genau neun Monate nach der Heirat wurde die Tochter Lisa Marie geboren, an der Elvis mit zärtlicher Liebe hing. Dass sich das Paar fünf Jahre später trennte, hat der "King" Zeit seines Lebens nicht verwunden. Nach der Scheidung zog sich Elvis Presley immer mehr in einsame Villen und Hotelsuiten zurück. Seine Live-Auftritte wurden schwächer, sein Gewicht nahm zu, Drogenmissbrauch, Depressionen und andere Krankheiten quälten ihn. Das Ende des Rock-Stars, den die junge Generation einst als neuen Messias am Musikhimmel gefeiert hatte, schien unaufhaltsam zu sein.

Am 16. August 1977 starb Elvis Presley, erst 42 Jahre alt, in Memphis/Tennessee an den Folgen einer Herzattacke, und 80 000 Fans gaben ihm das letzte Geleit. Der König war tot, doch die Legende, die den Rock'n' Roll vom Underground zum Massenphänomen gemacht hatte, lebt weiter. "Elvis Presley", sagt einer seiner Wiesbadener Fans, "hat uns das Tor zu einer neuen musikalischen Welt aufgestoßen, und wir sind gern hindurchgegangen." Das Tor steht immer noch offen.

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

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