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Bildhauer Emil Alexander Hopfgarten

Er war der bedeutendste Bildhauer, der in Wiesbaden gelebt und gearbeitet hat. Ein Multitalent, dessen künstlerische Leuchtspuren alle Zeiten überdauert haben und noch heute sichtbar sind. Bewundernd stehen die Menschen in der Russischen Kapelle vor dem Sarkophag der frühverstorbenen Herzogin Elisabeth Michailowna, den Emil Alexander Hopfgarten einst in der Biebricher Mosburg aus carrarischem Marmor gehauen hat. Sein Atelier, in dem auch die überlebensgroßen Kollossalstatuen entstanden sind, die seit 144 Jahren den Chorraum der Marktkirche schmücken.

Die Mosburg war sein "Marmorbruch"

Als Bildhauer des Herzogs meißelte Emil Alexander Hopfgarten in Biebrich den Sarkophag der Herzogin Elisabeth

Emil Alexander Hopfgarten - wer das Grabmal des herzoglich-nassauischen Bildhauers auf dem Biebricher Friedhof sucht, muss Geduld mitbringen. Hinweise auf die Grabstätte, die sich im hinteren Friedhofsbereich an der Umfassungsmauer befindet, gibt es nicht. Sie teilt damit das Schicksal vieler prominenter Zeitgenossen, die in Biebrich ihre letzte Ruhestätte fanden. Lieblos und ungepflegt auch der Zustand des Grabes selbst, in dem Herzog Adolfs frühverstorbener, genialer Bildhauer, der nur 35 Jahre alt wurde, seit 1856 ruht. Das marmorne Grabmal mit dem Medaillon Hopfgartens und die Umfassung zeigen bereits deutliche Spuren der Verwitterung und des Verfalls. Und das ausgerechnet ihm, dem begnadeten Talent, das mit dem Meißel wie kein zweiter umzugehen verstand. Ein Friedhofsbesucher, der kopfschüttelnd vor der Grabanlage steht, bringt es auf den Punkt: "Sieht so das öffentliche Angedenken des Mannes aus, dem Wiesbaden einige seiner schönsten Kunstwerke verdankt?"
 
Von Emil Alexander Hopfgarten weiß man, das es ihn schon früh zur Bildhauerei hinzog, um die sich das ganze Sinnen und Trachten des jungen Mannes drehte. Der Vater betrieb in Berlin eine gutgehende Erz- und Bronzegießerei, stand in Verbindung zu den berühmtesten Bildhauern der Zeit und konnte sich zeitweise vor Aufträgen kaum retten. Prominentester Auftraggeber war Christian Daniel Rauch, der  bedeutende Bildhauer des deutschen Klassizismus, dem Berlin unter anderem den Marmorsarkophag der preußischen König Luise im Charlottenburger Mausolem und das Reiterdenkmal Friedrichs des Großen verdankt. Dass sein 1821 geborener Sohn das Atelier einmal übernehmen würde, erschien dem Vater folgerichtig; doch der junge Emil Alexander, gerade mal siebzehn Jahre alt, winkte ab und widmete sich fortan dem Studium an der Berliner Königlichen Akademie der Künste. "Die Bildhauerei und sonst nichts" sollte es sein.

In Berlin abgeworben

Für den jungen Studiosus bedeutete es einen Glücksfall, dass der Bruder seines Vaters in Rom lebte und dort gleichfalls eine Gießereiwerkstatt betrieb. So reiste der Sohn 1840 zum Onkel in die italienische Hauptstadt, um dort seine Ausbildung zu vervollkommnen. Er blieb mehrere Jahre, entschloss sich zu weiteren Studienaufenthalten in Neapel und Florenz und reiste erst 1843 nach Berlin zurück. Dort eingetroffen, war das Glück dem jungen Hopfgarten ein zweites Mal hold: König Friedrich Wilhelm IV. wurde auf den begabten Bildhauer aufmerksam, begann ihn nach Kräften zu fördern und ließ ihm Aufträge des preußischen Hofes für Bildnisse und Büsten zukommen. Arbeiten, deren künstlerische Qualität ihm breite öffentliche Anerkennung eintrug.
 
So kam es, dass auch Herzog Adolf von Nassau auf ihn aufmerksam wurde, als er 1848 von Biebrich an die Spree reiste, um dort den preußischen König zu besuchen. Bald darauf lernte der Herzog Emil Alexander Hopfgarten kennen und bot ihm an, im damals noch selbstständigen und von Wiesbaden unabhängigen Biebrich für ihn zu arbeiten. Da Hopfgarten sich inzwischen entschlossen hatte, die Berliner Werkstatt des Vaters nicht zu übernehmen, folgte er schon bald darauf dem Angebot  des jungen Herzogs und richtete sich mit dessen Zustimmung in der Nähe des Biebricher Schlosses, in der malerischen Mosburg, ein Atelier ein. Dort, in der Stille und Abgeschiedenheit des Schlossparks, hämmerte und meißelte der Künstler fortan an seinen Meisterwerken, die unter seinen geschickten Händen entstanden. Zunächst waren es Porträtbüsten des Herzogs und seiner frühverstorbenen jungen Frau Elisabeth Michailowna, die eine Nichte des russischen Zaren war; doch dann übertrug Adolf dem jungen Bildhauer die Aufgabe, für die aus St. Petersburg gebürtige russische Großfürstin und nachmalige Herzogin Elisabeth ein Grabmal zu schaffen.
Hopfgarten reiste dazu mehrfach nach Italien, um in den Marmorbrüchen von Carrera selbst das geeignete Material auszusuchen. Der tonnenschwere Marmorblock, für den er sich schließlich entschied, wurde zunächst nach Rotterdam geschafft und dann auf dem Rhein per Schiff bis nach Biebrich transportiert.
 
In seinem Atelier, der Mosburg, die er einmal scherzhaft "meinen Marmorbruch" nannte, ging der herzogliche Professor und Bildhauer sofort an die Arbeit. Als Vorlage diente ihm dabei das von Christian Daniel Rauch geschaffene Berliner Grabmal der Königin Luise im Charlottenburger Mausoleum, das er gut kannte. So wie Luise ruht auch die anmutige Gestalt der Elisabeth auf ihrem Sarkophag, so als ob sie schliefe. Hopfgarten hat ihr auf dem Sockel die zwölf heiligen Apostel zur Seite gestellt, während in den ausgewölbten Ecken weibliche Gestalten Glaube, Hoffnung, Liebe und Unsterblichkeit symbolisieren. Den Saum des Gewandes zieren Wappen, Krone und Namenszug.

Ein Orden des Zaren

Nachdem der Sarkophag in der 1855 fertiggestellten Russischen Kapelle auf dem Neroberg aufgestellt worden war, die Herzog Adolf als russisch-orthodoxe Grabkapelle und letzte Ruhestätte für seine jung verstorbene Frau hatte errichten lassen, standen die Menschen ergriffen vor dem künstlerisch anrührenden Meisterwerk des jungen Bildhauers Emil Alexander Hopfgarten. Der russische Zar Nikolaus I., dessen Nichte Elisabeth Michailowna war, zeigte sich so ergriffen von dem Grabmal, dass er Hopfgarten spontan mit dem kaiserlichen Stanislausorden auszeichnete.
 
Dessen Atelier in der Biebricher Mosburg wurde fortan zur ersten Adresse für ungezählte Auftraggeber, die Hopfgarten mit Arbeit eindeckten. Der herzogliche Bildhauer schuf Büsten und Statuen in großer Zahl, darunter auch solche für die Russische Kapelle. Er meißelte für den Hochaltar der katholischen Wiesbadener Bonifatiuskirche vier Figuren aus dem alten Testament, gestaltete sogar das Modell für ein Loreley-Denkmal, das später in den Besitz des kunstsinnigen William Murray aus Charlestone überging. Der hatte es zunächst im Garten seiner Villa an der Kapellenstraße aufgestellt, bevor sich später seine Spur verlor. Nur die Aufstellung der Christus- und Evangelistengruppe in der evangelischen Marktkirche - Hopfgartens zweites herausragendes Wiesbadener Hauptwerk, das in der Mosburg entstanden war - sollte der Bildhauer nicht mehr erleben. Seit Juli 1856 war er schwer erkrankt. Ein Lungenleiden hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen. Selbst Kuraufenthalte konnte seinen Zustand nicht bessern. Am 13. September 1856 starb der Bildhauer, der nur 35 Jahre alt geworden war.
 
Nach dem Tod des Künstlers waren dessen Modelle und Arbeiten noch achtzehn Jahre lang, bis 1874, im Saal der Mosburg zur Besichtigung ausgestellt. Dann wurden sie aus der Burg entfernt und in einem Nebenbau des Königlichen Regierungsgebäudes an der Wiesbadener Luisenstraße aufgestellt. Zeitzeugen sprechen von einem ergreifenden Bild, als an einem Winterabend des Jahres 1874 der gesamte Nachlass des großen Bildhauers auf sechs mit schwarzen Tüchern verhängte Wagen geladen und im Fackelschein von der Mosburg nach Wiesbaden übergeführt wurde. Die Arbeiten wurden später in alle Winde verstreut. Ihre Spur hat sich verloren. Sie sind nie wieder aufgetaucht.

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

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