Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche einblenden
Kultur
Wo bin ich?
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. Stadtgeschichte
  4. Persönlichkeiten
  5. Wilhelm Fresenius

"Wer war eigentlich...": Wilhelm Fresenius?

Sie tragen zwar große Namen, doch ein wenig Unsicherheit ist oft dabei: "Wer war eigentlich...?" Wer war der oder diejenige, nach denen Häuser, Straßen, Freizeiteinrichtungen benannt wurden? Welcher Umstand, welche Verdienste, welche Beweggründe waren es, ihre Namen weit über die Zeit hinauszuheben? Fragen, die sich in Wiesbaden und der Region auf Schritt und Tritt ergeben - wenn man sie nur stellt.

Er sah für sich mit 90 noch viele Aufgaben

Wilhelm Fresenius - den Vater der deutschen analytischen Chemie kennt ganz Europa - Fresenius-Klinik wurde nach ihm benannt

Auf Wilhelm Fresenius (1913 bis 2004) bezogen, lässt sich die Frage nach dem "Who's who?" leicht und spontan beantworten. Er, der zu den führenden Chemikern Deutschlands gerechnet wurde und einer großen Dynastie entstammte, ist als "Vater der deutschen analytischen Chemie" in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen. In Wiesbaden trägt die an der Aukammallee gelegene, zur HSK-Gruppe zählende Wilhelm-Fresenius-Klinik seinen Namen. Ein hochmodernes, medizinisches Kompetenzzentrum mit anspruchsvollem Ambiente und den Schwerpunkten Augenheilkunde, Dermatologie und Allergologie, Innere Medizin IV und Zentrum für Kurzzeit-Chirurgie. Ärzte und Patienten wissen: Klinik mit dem Namen Fresenius als Markenzeichen zu sein, das verpflichtet - etwas Besseres hätte dem Haus niemals passieren können.

Wiesbadener Ehrenbürger

Wilhelm Fresenius, der mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäufte Wissenschaftler, der Wiesbadener Ehrenbürger, Honorarprofessor der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität, Träger der Goethe-Plakette und des Großen Bundesverdienstkreuzes war, hatte einen außerordentlich erfolgreichen beruflichen Werdegang hinter sich, als er 1949 die alleinige Leitung des von seinem Urgroßvater Carl Remigius gegründete Chemische Laboratorium mit der angegliederten Chemieschule übernahm. Eine gewaltige Herausforderung, für die ihn seine vielseitige Ausbildung allein an vier Universitäten und das Staatsexamen für Lebensmittelchemiker befähigten.
 
Fortan entwickelte sich das Institut Fresenius Dank des unermüdlichen Einsatzes seines "Promoters" vom Regionallabor zum bundesweiten Marktführer im Labordienstleistungsbereich. Heute gehört die SGS Institut Fresenius in Taunusstein zu den führenden Anbietern für nichtmedizinische Laboranalytik in Europa. Mehr als 180 Zertifizierungen, Akkreditierungen und Zulassungen sowie 160 Jahre Erfahrung im Analytikbereich begründen national und international den exzellenten Ruf bei Herstellern, Handel, Dienstleistungsunternehmen und Endverbrauchern. Hinzu kommt die analytische und beratende Kompetenz in Fragen der Qualitätssicherung und  Problemlösung. Aber auch als vielgefragter Ratgeber bei der Entwicklung, Herstellung und Verarbeitung von Produkten ist Fresenius weltweit gefragt. Verbraucher wissen: Auf Produkte, die das Qualitätssigel des Hauses Fresenius tragen, ist Verlass.

Christ und Forscher

In seiner wissenschaftlichen Arbeit konzentrierte sich Wilhelm Fresenius, der gebürtiger Berliner war, vor allem auf die Verbesserung der Qualität von Trink- und Mineralwasser, Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen. Aber auch als Herausgeber, Dozent und forschender Wissenschaftler, engagierter Bürger in Politik, Wirtschaft, Kirche und Kultur machte er sich einen Namen. Professor Wilhelm Fresenius war Autor von Standardwerken und wissenschaftlichen Publikationen, Rektor der Europa-Fachhochschule Fresenius sowie Vorsitzender oder Mitglied zahlreicher Fachgremien im In- und Ausland. Die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) sah in ihm einen ihrer Gründungsväter. Fresenius, der überzeugte Pazifist, war fast vierzig Jahre lang Mitglied der evangelischen Synode und viele Jahre Vorsitzender des Diakonischen Werks. In Wiesbaden saß er zwanzig Jahre lang als CDU-Abgeordneter in der Stadtverordnetenversammlung und war Fraktionsvorsitzender.

Glaube an die Zukunft

Selbst am Tage seines 90. Geburtstags, den er in der Idsteiner Europa-Fachhochschule Fresenius gefeiert hatte, blickte der Jubilar noch tatkräftig in die Zukunft: "Es liegen zahlreiche Aufgaben vor uns. Wir müssen zusammenarbeiten, und jeder muss seinen Teil beitragen", forderte der alte Herr nicht nur von seinen wissenschaftlichen Kollegen, sondern auch von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern. An den eigenen Ruhestand zu denken, erschien ihm suspekt und "unredlich". Bis zuletzt, bis zu seinem Tod, der ihn 91jährig in Wiesbaden ereilte, stand er seinem Unternehmen beratend zur Seite, getreu der Lebensmaxime, an die sich schon der Urgroßvater Carl Remigius Fresenius gehalten hatte, und die noch heute in der Galerie des Hauses Kapellenstraße 13 nachzulesen ist: "Forsche gründlich, rede wahr, schreibe bündig, lehre klar!"

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

Anzeigen