Kammerspiele Wiesbaden
Fast schon etwas versteckt befinden sich die Kammerspiele Wiesbaden, die am 17.Oktober 2009 Premiere feierten, im Gemeindehaus hinter der evangelischen Bergkirche in Wiesbaden. Recht ungewöhnlich mutet diese Stätte einerseits für eine öffentliche, kulturelle Einrichtung an, gibt doch nur ein großes, rotes Banner am Zaun außerhalb des neogotischen Gotteshauses Auskunft darüber, was sich hier unscheinbar verbirgt. Andererseits jedoch ein durchaus passender Ort: mitten im kreativen Bergkirchenviertel gelegen und damit nahe der Innenstadt, scheinen die Räumlichkeiten auf den zweiten Blick wie gemacht für dieses freie Theater. Klein, persönlich und vor allem erfrischend anders sind sie. Eine gewisse Nähe vermittelnd und dadurch auf besondere Art und Weise berührend. Die im ersten Stockwerk gelegenen Zimmer, die ehemals als Kindertagesstätte genutzt wurden, beherbergen nun die Kammerspiele Wiesbaden.
Diverse Aha-Momente und ein verwundertes Innehalten stellen sich hier schon beim Betreten ein. Samtene Vorhänge, goldene Spiegel, prächtige Fauteuils und Türen, deren weiße, zum Teil abgeblätterte Farbe, für einen gewissen nostalgischen Chic sorgt, vermitteln eine skurrile Festlichkeit. Fast kommt sich der Zuschauer vor, als ob er versehentlich in die Wohnräume eines exzentrischen Unbekannten gestolpert wäre.
Der kleine, in schwarz gehaltene Zuschauerraum, in dem 60 Personen Platz finden, erscheint im Vergleich beinahe schlicht. Die Aufmerksamkeit wird so verstärkt auf die Bühne gelenkt. Dadurch wird eine Intimität aufgebaut, die das Publikum die gezeigten Stücke noch näher erleben lässt.
Auf dem Programm stehen bei den Kammerspielen hauptsächlich entlarvende, gesellschaftskritische Stücke. Aber auch Klassiker sind durchaus nicht ausgeschlossen. Festlegen kann und muss man sich zum Glück ja nicht,
Für Abwechslung im Programm werden neben den Aufführungen auch Lesungen, Stücke junger Autoren und Theater für Kinder und Jugendliche sorgen.



