27. Januar 2016: Erinnern an die Opfer

In Wiesbaden fanden vom 24. Januar bis zum 14. Februar 2016 Veranstaltungen aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus statt.
27. Januar 2016: Erinnern an die Opfer. | © wiesbaden.de

Mit zahlreichen Veranstaltungen wurde in Wiesbaden vom 24. Januar bis 14. Februar 2016 aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des NS-Regimes gedacht. Ein ganzes Menschenalter liegt die NS-Gewaltherrschaft nun zurück, und kaum noch weilen Menschen unter uns, die aus eigenem Erleben von den damals verübten Menschheitsverbrechen berichten können. Dies gilt für die einst aus rassistischen Gründen Verfolgten nicht anders als für jene des politisch beziehungsweise des religiös motivierten antinazistischen Widerstandes.

Wo auch immer sich heute noch eine der wenigen Möglichkeiten hierzu bietet, muss daher versucht werden, die authentischen Erinnerungen der von jenem Unrechtsregime Verfolgten für die historisch-politische Bildungsarbeit zu nutzen. So war es den Veranstaltern unter anderem gelungen die Veranstaltungsreihe zum nationalen wie internationalen Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes durch den Besuch der Überlebenden mehrerer Konzentrationslager, Trude Simonsohn, zu bereichern. Sie hat nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nazis eine Zeit lang als Gemeinderatsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main gewirkt. Sie hat zusammen mit ihrer Freundin Elisabeth Abendroth am 2. Februar 2016 im Rathaus ihr von beiden gemeinsam verfasstes, ungemein bewegendes Erinnerungsbuch noch ein Glück, vorgestellt.

Aber auch auf andere Weise, nämlich mit wissenschaftlich fundierten Biographien, mit nicht minder akribisch erstellten Dokumentar- und Spielfilmen sowie mit dem herkömmlichen historiographischen Fachvortrag lässt sich der zweifellos diffizile diesbezügliche Wissenstransfer erreichen, was durch das diesjährige Programm eindrucksvoll unter Beweis stellt. Zudem lässt sich jene fürchterliche Verfolgungszeit auf der Bühne und sogar durch das Kinderbuch nachvollziehbar machen, wovon das Programm ebenfalls überzeugen wird.

Die Gedenk- und Erinnerungskultur darf niemals zu Ritualisierungen erstarren oder gar nur rückwärtsgewandt agieren. Sie muss vielmehr stets die heutige Lebenswirklichkeit der Menschen mit ihren vielfältigen neuen Problemen im Blick behalten. Nur in Verbindung mit einer dezidierten Menschenrechts- und damit auch Antirassismus-Erziehung vermag die permanente kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wirklich deradikalisierende, gegen jedwede Form von Neonazismus, aber auch gegen neostalinistische und islam-terroristische Propagandaaktivitäten gerichtete Effekte entfalten. Ganz genauso gilt dies natürlich für das aktuelle Maßnahmenpaket zur Extremismus-Prävention und -Bekämpfung, das im vergangenen Herbst vorstellen konnte.



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