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Leben in Wiesbaden

Geschichte

Das am Rhein gelegene Biebrich ist heute mit zirka 36.500 Einwohnern Wiesbadens größter Stadtteil. Erstmals schriftlich im Jahre 874 als "villa biburg" erwähnt, zeugen zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Funde davon, dass seit tausenden von Jahren hier ununterbrochen Menschen gesiedelt haben.

Im Mittelalter beeinflussten neben den Grafen von Nassau, die das Fährrecht über den Rhein innehatten, und weiteren Adelsfamilien drei Klöster das Leben der Bevölkerung: Selz im Elsaß, Eberbach im Rheingau und Klarenthal bei Wiesbaden. Die Zisterziensermönche in Eberbach hatten zusätzlich das Patronat der erstmals 1085 erwähnten Mosbacher Kirche erworben, deren spätgotischer Turm noch heute das Stadtbild von Norden her prägt. An Kloster Eberbach erinnert das aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammende Pfarrhaus, das so genannte Diltheyhaus.

Mit der Erbauung des Biebricher Schlosses zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Biebrich Residenz der Fürsten (seit 1688) und Herzöge (seit 1806) von Nassau. Diese glänzende Epoche der Biebricher Geschichte endete 1866 mit der Einverleibung des Herzogtums in das Königreich Preußen.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich dank der günstigen Verkehrslage Biebrichs am Rheinstrom sowie des frühen Anschlusses an das Eisenbahnnetz (1840) zahlreiche Unternehmen angesiedelt. So eröffnete 1831 Adam Heckel eine Fabrik für Holzblasinstrumente, 1858 gründete Heinrich Albert eine Fabrik zur Herstellung künstlichen Düngers, aus der die Chemischen Werke Albert hervorgingen. 1863 errichtete Wilhelm Kalle eine Chemische Fabrik, 1864 folge die Portland-Zementfabrik Dyckerhoff & Söhne sowie die Zementwarenfabrik Dyckerhoff & Widman. 1909 zog die weltberühmte Sektfabrik Henkell & Co. nach Biebrich. Sie alle trugen mit ihren Produkten den Namen Biebrichs in alle Herren Länder. Biebrich war am Ende des 19. Jahrhunderts neben Höchst am Main zur bedeutendsten Industriestadt im Rhein-Main-Gebiet geworden. Mit der Zunahme der Industriewerke wuchs auch die Einwohnerzahl. Von 3.500 im Jahre 1840 stieg sie bis 12.300 im Jahre 1895 an und erreichte 1910 21.200. 1893 nahm die Gemeinde Biebrich-Mosbach den Namen Stadt Biebrich am Rhein an.

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges endete diese bedeutende Epoche in der Biebricher Stadtgeschichte. Die schwierigen wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit führten letztlich dazu, dass Biebrich am 1. Oktober 1926 nach Wiesbaden eingemeindet werden musste.

Während der Diktatur im Dritten Reich hatten zahlreiche Bürger, insbesondere aus der Arbeiterschaft, unter Verfolgung zu leiden. Das aus dem Jahre 1830 stammende jüdische Gotteshaus wurde in der Reichspogromnacht geschändet, die jüdischen Mitbürger vertrieben oder deportiert und in Lagern ermordet.

Nach dem zweiten Weltkrieg galt es, die durch Bombenangriffe hervorgerufenen Zerstörungen zu beseitigen und eine Vielzahl von Flüchtlingen und Vertriebenen zu integrieren.

In den vergangenen fünfzig Jahren dehnte sich die städtische Bebauung aus. Neue Stadtteile auf dem Gräselberg, im Parkfeld und auf der Biebricher Allee entstanden. In der Zeit der Hochkonjunktur kamen zahlreiche Gastarbeiterfamilien nach Biebrich, die hier eine neue Heimat fanden. Die sich in den 80-er und 90-er Jahren verschlechternde wirtschaftliche Lage brachte einen Abbau von Arbeitsplätzen. Waren in den Jahren der Hochkonjunktur etwa 18.000 Menschen in den Unternehmen am Rhein beschäftigt, so ist diese Zahl auf zirka 6.000 zurückgegangen.

Der Zusammenhalt der Bevölkerung wird insbesondere durch den Zusammenschluss der Biebricher Vereine und Verbände, des Ortsbeirats und der Parteien, der Kirchen und Schulen in einer Arbeitsgemeinschaft gewährleistet.

Zu einer Stadt gehören auch die bedeutenden Persönlichkeiten, die hier geboren wurden. So ist an den Kulturwissenschaftler Wilhelm Heinrich von Riehl (1823-1897), den jüdischen Gelehrten Seligmann Baer (1825-1897), den Philosophen Wilhelm Dilthey (1833-1911), den Altphilologen Hermann Diels (1848-1922), den Astrophysiker Erwin Finlay-Freundlich (1895-1964), an den Widerstandskämpfer Generaloberst Ludwig Beck (1880-1944) und die jüdische Reichstagsabgeordnete Tony Sender (1888-1964) zu erinnern.

Quelle: Dr. Rolf Faber


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