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Leben in Wiesbaden

Geschichte

Nach dem Zusammenbruch der rechtsrheinischen Römerherrschaft und dem Sieg des fränkischen Merowingerkönigs Chlodwig über die Alemannen erfolgte die planmäßige fränkische Besiedlung unserer Region, vor allem unter König Dagobert I. (623 bis 638). Einzelhöfe oder Weiler aus mehreren Gehöften entstanden. Damals dürfte sich ein Gefolgsmann des Königs im Tal des Belzbachs angesiedelt und dem Platz seinen Namen - Tuzzo, Tuozo - gegeben haben: Aus Tuozesheim wurde in späterer Zeit Tozesheim und schließlich Dotzheim. Tuzzo und seine Familie waren allerdings nicht die ersten Siedler im Belzbachtal.

Die ältesten Siedlungsbelege im Dotzheimer Ortskern lassen sich der "Latène-Zeit" (jüngere Eisenzeit) zuordnen, die etwa 400 vor Christus begann und die Blütezeit des keltischen Kulturkreises - bis zum Eindringen der Römer - umfasst. Im Bereich der Hohlstraße 3 wurden auf engstem Raum mindestens fünf Steinkistengräber aus unbehauenen Quarzitplatten entdeckt.

Auch die Römer haben Spuren hinterlassen: Im ersten Regierungsjahr des Kaisers Severus Alexander, also im Jahr 222, stifteten Fortunatus und Sejus einen Altar, der als Fragment sichergestellt werden konnte. Kaiser Severus Alexander wurde Mitte März 235 beim heutigen Bretzenheim von meuternden Legionären erschlagen.

Die schriftliche Überlieferung setzt mit dem 12. Jahrhundert recht spät ein: 1128 überließ der Mainzer Erzbischof Adalbert von Saarbrücken dem Mainzer Domkapitel Einkünfte aus den Dotzheimer Besitzungen des Erzstifts. Am 21. November 1184 bestätigte Papst Lucius III. (1181 bis 1185) in Verona dem Mainzer Benediktinerkloster St. Alban den Besitz von 25 Kirchen, darunter die zu Dotzheim. Zur Ausübung der klösterlichen Gewalt in Dotzheim setzte das Kloster Vögte ein, zu denen so bekannte Familien wie die der Kämmerer von Worms, der Brömser von Rüdesheim und der Ritter von Sickingen gehörten.

Neben der Mainzer Geistlichkeit (Domkapitel, St. Alban, Klara-Kloster, St. Johannis-Stift, Karthäuserkloster) hatten die Klöster Eberbach und Klarenthal Güter in Dotzheim, wobei wir einer Eberbacher Urkunde vom 24. Juni 1275 die erste Erwähnung des Dotzheimer Weins verdanken: Ritter Philipp von Frauenstein schenkte diesem Kloster seinen Grundbesitz in Dotzheim, zu dem eine Mühle und zwölf Morgen Weingärten gehörten.

Im 13. und 14. Jahrhundert sind Adelsgeschlechter nachweisbar, die sich "von Dotzheim" nannten. Der Eberbacher Klosterkirche stiftete der Ritter Siegfried von Dotzheim (gestorben 1316) die erste ihrer neun gotischen Seitenkapellen. Siegfried wurde dort beigesetzt. Sein Grabstein mit dem Wappen, drei schreitenden Dohlen im oberen Feld, ist noch vorhanden. Die Adeligen Sibodo (gestorben 1331) und Katharina von Dotzheim fanden im Kloster Klarenthal ihre letzte Ruhestätte.

Die Anfänge der nassauischen Rechte in und über Dotzheim liegen im Dunkeln. Für 1310 ist bezeugt, dass ihnen in Dotzheim Abgaben und Dienste zustanden. Auch die Hochgerichtsbarkeit, die im 13. Jahrhundert noch den Herren von Eppstein zugestanden hatte, fiel an das Haus Nassau.

Als Anfang der lokalen Selbstverwaltung kann das Dorfgericht, das 1386 erstmals erwähnt wird, betrachtet werden. Aus dem Jahr 1430 ist belegt, dass das Dorf Dotzheim durch Zäune und Falltore geschützt war.

1569 wurde mit Johann Lonicerus der erste evangelische Pfarrer eingeführt.

1610 ging durch Brandstiftung etwa 50 Prozent der Bausubstanz verloren. Gravierender allerdings waren die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges: 1644 war Dotzheim praktisch unbewohnt. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Kriegsfolgen überwunden waren.

1695 ließ die Gemeinde das stattliche Pfarrhaus gegenüber der Kirche errichten, 1698 folgte ein Schulhaus. Der Neubau der Pfarrkirche datiert aus den Jahren 1716 bis 1718. Das 18. Jahrhundert führte zu einer Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Dotzheim zu einer Wohnsitzgemeinde, in der zahlreiche Bauarbeiter lebten, die in der benachbarten "Weltkurstadt" ihren Lebensunterhalt verdienten.

Weiteren Aufschwung brachte 1889 der Anschluss an die "Langenschwalbacher Bahn": Rund um den Bahnhof entstand ein florierendes Industrie- und Gewerbegebiet. Heute verkehrt auf der von der Deutschen Bundesbahn 1983 stillgelegten Bahnstrecke die "Nassauische Touristik-Bahn".

Unter dem tatkräftigen Regiment der letzten drei Bürgermeister, nämlich Georg Heil (1881 bis 1901), August Rossel (1901 bis 1913) und Eduard Sporkhorst (1913 bis 1928), erhielt die Gemeinde ein neues Rathaus, drei Schulen, den schön gelegenen Waldfriedhof und einen vorbildlichen Fluchtlinien-Bebauungsplan, der schon damals landwirtschaftlich wertvolle Gemarkungsteile unter Schutz stellte. Auch die örtliche Infrastruktur wurde durch Schaffung der zentralen Wasserversorgung (1906), Einführung von Gas und Strom (1902 beziehungsweise 1906) sowie Errichtung einer Straßenbahnverbindung Wiesbaden-Dotzheim (1906) entscheidend verbessert. Das Postamt an der oberen Wiesbadener Straße entstand 1901 (es wurde 1997 geschlossen).

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte Dotzheim zirka 6.200 Einwohner. Stolz bezeichnete man sich als "größtes Dorf des Nassauer Landes".

Einen historischen Einschnitt bildete die Eingemeindung Dotzheims nach Wiesbaden im Jahre 1928, genau 800 Jahre nach der Ersterwähnung.

Die Wiederaufrüstungsbestrebungen des Nazi-Regimes brachten umfangreiche Kasernenbauten auf dem Kohlheck und dem Freudenberg. Den anschließenden Zweiten Weltkrieg überstand Dotzheim in der Bausubstanz relativ unbeschädigt.

Die Notwendigkeit, zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene anzusiedeln sowie die Anziehungskraft Wiesbadens als Landeshauptstadt, führte in der Nachkriegszeit dazu, dass nach und nach weite Flächen der Dotzheimer Feldgemarkung zu Bauland wurden.

Mit der Besiedlung von Freudenberg und Märchenland hatte man schon in den 30-er Jahren begonnen. Es folgte die flächendeckende Bebauung des Bereichs Kohlheck. Schließlich entstand nach der Konzeption des Städteplaners Professor May für 2.500 Wohnungen und 7.000 Menschen Dotzheims imposantester "Trabant", die Großsiedlung Schelmengraben. Nicht ganz so groß fiel demgegenüber das Sauerland (für 4.000 Einwohner) aus. Nicht unerwähnt soll das interessante Bauvorhaben bleiben, das nach Abzug der Amerikaner und Umwandlung des Kasernengeländes gegenüber von Schloss Freudenberg als Siedlungsgebiet "Auf der Heide" entstanden ist.

Klaus Kopp


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