Tiefe Geothermie: Messungen im Wiesbadener Süd-Osten
Als nächsten Schritt planen die Stadt Wiesbaden und ESWE eine bildgebende seismische Messung in der Region, die so genannte 3D-Seismik. Mit Hilfe von Messfahrzeugen erstellen Experten eine hochauflösende Darstellung der Strukturen des Untergrundes im Wiesbadener Osten.
Ursprünglich waren diese Messungen für Januar und Februar 2012 vorgesehen. Jedoch besteht derzeit in Deutschland und weltweit ein großes Interesse an seismischen Messungen zu Tiefer Geothermie. Aufgrund der starken Auslastung der Spezialunternehmen sind die Arbeiten auf Oktober 2012 verlegt.
Die Messfahrzeuge kamen bereits bei der 2D-Seismik Anfang 2010 zum Einsatz. Die 2D-Seismik erbrachte Daten entlang einer Schnittebene. Bei den erweiterten Messungen erhalten die Experten nun eine Volumendarstellung, um der Beschaffenheit des Bodens weiter auf den Grund zu gehen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden und ESWE führen gemeinsam seit 2009 grundlegende Untersuchungen zur möglichen Nutzung der Tiefen Geothermie im „Erlaubnisfeld Wiesbaden“ durch. Die Messregion erstreckt sich im Wiesbadener Süd- Osten vom Rhein bis an die Grenzen der Gemeinden Diedenbergen und Weilbach.
Geothermie als Chance für die Energiewende in der Region
Geothermie bezeichnet die Wärmeenergie im Inneren der Erde. Bei der Tiefen Geothermie wird heißes Thermalwasser aus einer Tiefe von mehr als 4000 Metern aus dem Erdboden gefördert. An der Oberfläche wird die Wärme aus dem Erdinneren in Energie für Strom und Fernwärme umgewandelt. Das abgekühlte Thermalwasser wird in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurückgeführt.
Als umwelt- wie klimaschonende Energiequelle leistet die Geothermie einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen Energiemix in Deutschland. Die Stromerzeugung aus Geothermie ist dabei grundlastfähig, das heißt, der Strom wird im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie konstant erzeugt. Der Oberrheingraben zeichnet sich durch besonders günstige Voraussetzungen für die Tiefe Geothermie aus. Geothermie ist eine große Chance für die Energiewende in der Region Wiesbaden.
Tiefe Geothermie in Wiesbaden – Was ist zu tun?
Um geeignete Standorte für die Nutzung der Erdwärme zu finden, muss man den Untergrund genau kennen. Dies erreicht man mit seismischen Untersuchungsmethoden, die mit Schallwellen von der Erdoberfläche aus arbeiten und ohne Eingriff in den Boden auskommen
Bislang wurden im ersten Schritt bereits vorhandene Daten und Informationen ausgewertet. Geologen konnten daraus im östlichen Bereich des Erlaubnisfeldes Wiesbadens ein Feld mit günstigen Voraussetzungen zur Gewinnung von Erdwärme eingrenzen. Eine so genannte 2D-Seismikkampagne im März 2010 und weitere geophysikalische Messmethoden bestätigen dies und gab weitere wichtige Informationen für den Untergrund.
Um die Aussagekraft der bisherigen Messungen zu verbessern, erfolgen nun weitere seismische Untersuchungen. Dazu wird Anfang 2012 eine großräumige 3D-Seismikuntersuchung durchgeführt. Durch die hohe Zahl und die Anordnung der Messpunkte erhält man ein dreidimensionales Abbild des Untergrundes.
3D-Seismik – Was ist das?
Ähnlich wie ein Echolot funktioniert die 3D-Seismik: Spezialfahrzeuge senden Schallwellen in den Untergrund. Diese werden an den Grenzen der verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert. Das so entstandene „Echo“ zeichnen dann Geophone auf. Aus den ermittelten Daten können Geologen die Strukturen der Gesteinsschichten ablesen.
Mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?
Behörden und Grundstückseigentümer eine Information und werden um ihre Zustimmung gebeten. Aus den erteilten Genehmigungen und den geologischen Erfordernissen bestimmt sich der genaue Weg, den der Messtrupp und seine Messfahrzeuge nehmen werden.
Bei den Geländearbeiten wird weder gebohrt noch aufgegraben. Die Messfahrzeuge bewegen sich langsam – und nach Möglichkeit auf asphaltierten Straßen und Wegen. Die erzeugten Schallwellen sind als Vibrationen – vergleichbar mit einer Rüttelplatte aus dem Straßenbau - nur in unmittelbarer Nähe der Fahrzeuge wahrzunehmen.
Das Umweltamt, die ESWE Versorgungs AG und ihre Partner folgen bei den seismischen Untersuchungen hohen Standards. An erster Stelle stehen der Schutz des Eigentums, der Umwelt und der Natur. Die Messungen werden zügig durchgeführt, um eine Beeinträchtigung und Verkehrsbehinderungen so klein wie möglich zu halten.
Was passiert danach?
Nach den Feldarbeiten erfolgt die geologische Auswertung der erhobenen Daten. Mit den gewonnenen Ergebnissen können die Ziele und Vorgehensweise weiterer Maßnahmen zur Erschließung von Erdwärme festgelegt werden.
Dokumente
Weitere Informationen
- Wiesbadens Klimaschutzziele
- Tiefe Geothermie in Wiesbaden - Informationsveranstaltung am 25.10.2011
- ESWE Versorgungs AG






