Tiefe Geothermie: Messungen im Wiesbadener Süd-Osten

Die Landeshauptstadt Wiesbaden und die ESWE Versorgungs AG entwickeln gemeinsam das regionale Projekt "Tiefe Geothermie" in Wiesbaden. Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist ein Tiefengeothermie-Kraftwerk zur Gewinnung von Strom und Fernwärme. Um dieses Ziel zu erreichen, führen Stadt und Energieversorger umfangreiche Untersuchungen durch.
Datenbearbeitung. | © wiesbaden.de

Die Suche nutzbarer Erdwärme aus der Tiefe wird seit 2012 auch durch die Rhein-Main-Deponie aus Flörsheim unterstützt. Alle drei Projektpartner haben gemeinsam Ende 2012 erfolgreich eine 3D-Seismikkampagne in den östlichen Wiesbadener Vororten und im Main-Taunus-Kreis durchführt und abgeschlossen.

Von Anfang November bis Ende Dezember 2012 waren im Wiesbadener Osten und im Main-Taunus-Kreis Seismik-Fahrzeuge mit zahlreichen Mitarbeitern unterwegs. An 4.200 Punkten wurden Schallwellen in den Untergrund gesendet und von den ausgelegten Messinstrumenten, den so genannten Geophonen erfasst.

Die gesammelten Messdaten bringen wertvolle Erkenntnisse zur Beschaffenheit des Bodens in der Region. Die Messdaten werden in den nächsten Monaten ausgewertet. Schritt für Schritt entsteht daraus eine hochauflösende, dreidimensionale Darstellung des Untergrunds. Die Ergebnisse bilden ein tragfähiges Fundament für alle weiteren Entscheidungen im Zusammenhang mit der möglichen Nutzung der Tiefengeothermie in der Region. Mit aussagekräftigen Ergebnissen ist jedoch erst im zweiten Halbjahr 2013 zu rechnen.

Trotz größter Umsicht bei der Planung kam es im Zusammenspiel von ungünstigen Witterungsbedingungen und der Vielzahl von Mess- und Kontrollfahrzeugen zu gravierenden Schäden an Feldwegen und landwirtschaftlicher Nutzfläche. Die Aufnahme der verursachten Flur- und Wegeschäden ist erfolgt.

Im Anschluss an die Schadensaufnahme werden nun leistungsfähige Unternehmen die Instandsetzung der Feldwege übernehmen. Da für den Zeitpunkt der Instandsetzung sowohl optimale Witterungsverhältnisse als auch die Nutzung der Wege entscheidend sind, werden die Wiederherstellungsarbeiten in Abstimmung mit den Ortslandwirten bis in den Herbst nach der Getreideernte andauern. Die Überwachung der Arbeiten erfolgt für die Wiesbadener Gemeinden durch das Tiefbauamt der Stadt Wiesbaden.

Geothermie als Chance für die Energiewende in der Region

Geothermie bezeichnet die Wärmeenergie im Inneren der Erde. Bei der Tiefen Geothermie wird heißes Thermalwasser aus einer Tiefe von mehr als 4.000 Metern aus dem Erdboden gefördert. An der Oberfläche wird die Wärme aus dem Erdinneren in Energie für Strom und Fernwärme umgewandelt. Das abgekühlte Thermalwasser wird in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurückgeführt.

Als umwelt- wie klimaschonende Energiequelle leistet die Geothermie einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen Energiemix in Deutschland. Die Stromerzeugung aus Geothermie ist dabei grundlastfähig, das heißt, der Strom wird im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie konstant erzeugt. Der Oberrheingraben zeichnet sich durch besonders günstige Voraussetzungen für die Tiefe Geothermie aus. Geothermie ist eine große Chance für die Energiewende in der Region Wiesbaden.


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