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Leben in Wiesbaden

Umwelt-Tipp Januar: Star ist Vogel des Jahres

Der Star ist allen als Allerweltsvogel bekannt, der in beeindruckenden Schwarmwolken fliegt. Doch auch ihm setzt der Mangel an Lebensräumen zu.

Der Star - Vogel des Jahres 2018

Der Star ist, wie der Spatz, den Menschen als "Allerweltsvogel" bekannt und vertraut. Tatsächlich kommt der Star fast überall vor, in Dörfern genauso wie in Städten. In Gärten, Parkanlagen und offenen Wiesenflächen ist er mit seinem schönen, metallisch schillernden Gefieder im Frühjahr oft zu sehen, wenn er im lockeren Boden Regenwürmer, Spinnen, Tausendfüßer, Schnecken, Käfer und Insekten als Nahrung sucht. Im Laufe des Sommers bereichert er seinen Speiseplan immer mehr mit Früchten, Beeren und Samen und fällt, zum Leidwesen von Gartenbesitzern, Obstbauern und Winzern, manchmal in Scharen über die zu erwartende Ernte her. Im Herbst sammelt sich ein Teil der Stare um gemeinsam den Flug in ihre Winterquartiere bis in den südlichen Mittelmeerraum oder nach Nordafrika anzutreten, dann kann man sie in imposanten Schwarmwolken am Himmel beobachten. Wieso hat es dieser Allerweltsvogel nun in den Rang einer gefährdeten Art und damit zum Vogel des Jahres geschafft?

Schleichender Rückgang

Seine Präsenz in unserem Alltag täusche, sagen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV), die den Star für 2018 zum Vogel des Jahres kürten. Nach einer Schätzung brüten derzeit zwischen drei und 4,5 Millionen Staren- Paare in Deutschland, etwa zehn Prozent des europäischen Staren-Bestandes. Trotzdem sind dies etwa zwei Million Paare weniger als noch vor zwanzig Jahren. In der deutschlandweiten Roten Liste hat man daher den Star von "ungefährdet" (2007) auf "gefährdet" (2015) hochgestuft.

Die Ursachen für seinen Rückgang sehen die Vogelschützer in der intensiven Nutzung von Weiden, Wiesen und Feldern: Der Einsatz von Bioziden und Agrochemikalien vernichtet Würmer, Insekten und andere Nahrungstiere, beerentragende Hecken zwischen den Feldern sind Mangelware geworden und geeignete Nistplätze fehlen, weil alte Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden. Der Star hat zunehmend Probleme einen Lebensraum in der Agrarlandschaft zu finden. Sturnus vulgaris, wie der Star wissenschaftlich heißt, ist ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang unserer "Allerweltsvögel".
Stare in der Stadt

Trotz des deutlichen Gesamtrückganges, scheint der Bestand an Staren in städtischen Bereichen momentan recht stabil zu sein. In Kleingärten, Friedhöfen, Parkanlagen und Friedhöfen finden sie einen geeigneten Lebensraum. In bebauten Gebieten brüten sie in Hohlräumen unter Dächern, auf Laternen, machen sich Lücken in Fassaden zu Eigen und nehmen auch Nistkästen gerne an. Wenn Insekten, Früchte und Beere knapp werden, sind sie auch mit Brotkrümeln oder Essbarem, das der Menschen fallen lässt zufrieden. Überwinternde Stare sind auch immer öfter an Futterstellen zu finden.

In den letzten Jahren hat sich der Vogelzug der Stare infolge der milden Winter deutlich verändert, denn immer mehr Stare überwintern bei uns, seit einigen Jahren sogar in der Wiesbadener Innenstadt. Sie sammeln sich in der Abenddämmerung meist in einzeln stehenden, hohen Bäumen und fliegen dann in mehreren Teilschwärmen in ihre Schlafplätze ein. Beliebt sind dabei die geschützten, innerstädtischen Hinterhöfe oder aufgeastete Einzelbäume. Dort verweilen sie bis in die frühen Morgenstunden und verlassen im Schwarmverband ihre Schlafplätze um in den stadtnahen Außenbereichen Nahrung zu suchen. Der in den Sammel- und Schlafplätzen entstehende kakophonische Geräuschpegel und die Hinterlassenschaften der Vögel werden allerdings mancherorts zum Problem. In Wiesbaden, wie auch in anderen Städten, sind die zuständigen Behörden bemüht, durch Einzelmaßnahmen und die Schaffung von Ausweichquartieren in städtischen Grünanlagen, die Belästigung für Anwohner zu reduzieren. Dabei ist eine besonders behutsame Vorgehensweise erforderlich, denn Stare und damit auch ihre Ruhestätten, sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.

Naturschutz und Artenvielfalt

Nicht nur der Star ist vom Vogelsterben bedroht. Viele Vogelarten finden in der modernen Agrarkultur weder ausreichend Nahrung noch Nistplätze um ihren Bestand zu sichern. Dabei ist der Rückgang der Vogelpopulationen nur Teil des Artensterbens, das weltweit zu beobachten ist. Eine größtmögliche Artenvielfalt ist jedoch erforderlich, um unsere lebenswichtigen Ökosysteme nachhaltig zu sichern.

Mit der Vermeidung von Düngemitteln und Pestiziden sowie der Schaffung und Erhaltung von naturnahen Lebensräumen kann die Artenvielfalt und damit auch die Vogelvielfalt gefördert werden. Das betrifft sowohl die Agrarlandschaft, als auch die vielen kleinen Naturräume vor unserer Haustür: unsere Gärten! Vogelfreundliche Pflanzen, Plätze zum Nisten und Verstecken sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel bieten unseren gefiederten Freunden eine sichere Bleibe.

Stunde der Wintervögel

Zählen Sie mit! Vom 5. bis 7. Januar 2018 rufen NABU und LBV zum achten Mal zur bundesweiten "Stunde der Wintervögel" auf. Eine Stunde lang gilt es Vögel zu beobachten, zu erfassen, zu zählen und zu melden. Die Beobachtungen liefern wichtige Daten über Wintervögel, die Auswirkungen des Klimawandels und über den Zustand der Umwelt.


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