Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche einblenden
Leben in Wiesbaden

Umwelt-Tipp März: Umgang mit antibakteriell ausgestatteten Waren

Viele Produkte des Alltags wie Teppichböden, Staubsauger, Matratzenbezüge, Unterwäsche, aber auch Babyhausschuhe oder Kindersandalen können Biozide enthalten. Das Angebot an antibakteriell wirkenden Ausrüstungen ist dabei besonders groß. Doch was auf den ersten Blick hygienisch wirkt, entpuppt sich als möglicherweise Allergie auslösend und umweltgefährlich.

Keimfrei? Besser nicht.

Viele Mikroorganismen sind für uns Menschen lebensnotwendig. Sie schützen uns vor Krankheitskeimen, stärken unsere Immunabwehr und spielen bei der Verdauung eine zentrale Rolle. Kurz: Die verschiedensten Mikroorganismen sorgen dafür, dass wir gesund bleiben. Eine "keimfreie" Umgebung ist deshalb für den gesunden Menschen eher schädlich. Trotzdem gibt es in Deutschland über 35.000 verschiedene Biozid-Produkte.

Was sind Biozid-Produkte?

Biozid-Produkte sind Stoffe oder Gemische, die chemische oder biologische Wirkstoffe zur Abtötung, Abschreckung oder zur Bekämpfung von Schadorganismen enthalten. Hierzu zählen zum Beispiel Mittel zur Desinfektion, zur Schädlingsbekämpfung oder zum Schutz von Holz und Fassaden. Waren wie Textilien oder Kunststoffe, die mit Bioziden ausgerüstet sind, können ebenfalls unter diesen Begriff fallen. Mit Bioziden ausgerüsteten Artikel findet man immer häufiger auf dem Markt. Dabei kommen vor allem antibakteriell wirkende Stoffe zum Einsatz. Die Behandlung von Alltagsgegenständen mit diesen Stoffen ist jedoch höchst umstritten.

Auswirkungen von antibakteriell wirkenden Bioziden auf Mensch und Natur

Biozide müssen behördlich geprüft und zugelassen werden. Trotzdem können von ihnen Risiken für Mensch, Tier und Umwelt ausgehen. So können sie zum Beispiel Hautreizungen auslösen und auf das Hormon- und Nervensystem wirken. In Gewässern schädigen sie Mikroorganismen und Wassertiere. Außerdem kann durch ihren Einsatz das Risiko von Bakterienresistenzen erhöht werden. Bekannte Vertreter von antibakteriell wirkenden Stoffen sind Triclosan und Silber. Beide werden zur antibakteriellen Ausrüstung von Textilien und Kunststoffen eingesetzt. Die Stoffe waschen sich jedoch im Laufe der Zeit aus den Produkten heraus und gelangen so in die Umwelt. In der Abwasserreinigung hemmt das Silber die Bakterienaktivität und reichert sich im Klärschlamm, in Sedimenten und Böden an. Triclosan findet man in Gewässern und inzwischen auch in der Muttermilch.

Antibakteriell ausgestattete Produkte meiden

Das Umweltbundesamt rät deshalb, den Einsatz von Biozid-haltigen Waren aufgrund der möglichen Risiken für Mensch und Umwelt auf das notwendige Mindestmaß zu beschränken. Vorsicht geboten ist deshalb beim Kauf von

  • Bettwaren: Decken, Steppdecken, Kopfkissen und Matratzenbezügen.
  • Baby- und Kleinkinder-Utensilien: Matratze, Schlafsack, Wickeltasche, Windelmülleimer, Kinderwagenbezug, Spielteppich, Trinkbecher, Flaschenbürste oder Babybeißring.
  • Textilien und Kleidung: (Kinder-)Schuhe und –einlagen, Socken, Umstands-Hüft-Slip, Stilleinlagen, Sport-Shirt, Radler-Hose, Unterwäsche.
  • Schul- und Büroartikeln: Schulranzen, Schulschere, Notebook, Stempel, Kugelschreiber, Papierkorb, Drehstuhl und Smartphone-Hülle.
  • Küchenausstattungen: Geschirrspüler, Waschmaschine, Kühlschrank, Schneidebretter, Küchenmesser, Frischhaltedosen, Müllbeuteln, Lappen, Schwämme und Bürsten.
  • Badprodukten: Duschvorhang, Badetuch, Bademantel, Rasierer, WC-Sitz, WC-Frischestein, Bad-Reinigungstuch.

Die Liste ist längst nicht vollständig. Sie zeigt aber, dass antibakteriell ausgestattete Produkte in den verschiedensten Haushaltsbereichen zu finden sind. Manchmal werden die Produkte mit Aussagen beworben wie "antibakteriell", "bekämpft Bakterien" oder "hemmt Geruchsbildung". Dann sind sie leicht zu identifizieren. In diesen Fällen müssen die verwendeten Wirkstoffe sowie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen auf der Verpackung oder dem Etikett genannt sein. In anderen Fällen sind sie an speziellen Markennamen für Biozid-Behandlungen zu erkennen. Wer es genau wissen will, sollte beim Händler oder Hersteller nachfragen. Hierfür kann ein Musterbrief des Pestizid-Aktions-Netzwerkes (PAN) Germany genutzt werden. Die Anbieter sind verpflichtet innerhalb von 45 Tagen Auskunft zu erteilen.

Tipps für einen hygienischen Haushalt ohne Biozid-haltige Produkte

Die Werbung für antibakteriell behandelte Produkte erweckt den Eindruck als ob klassische Hygienemaßnahmen nicht mehr ausreichen, um sich vor bakteriellen Krankheitserregern zu schützen. Doch das ist falsch. Wer die folgenden Tipps beachtet, muss sich trotz Biozid-freier Produkte vor Keimen nicht fürchten.

  • Bettdecken schütteln und gut lüften. Bezüge regelmäßig bei 60 Grad mit einem Vollwaschmittel (Pulver) waschen.
  • Normales Waschen von Textilien reicht aus, um sie von Schmutz und Schweiß zu befreien. Eine Biozid-Ausrüstung ist auch für Sport- und Funktionsbekleidung nicht notwendig.
  • Achtung: auch Textilien, die das Siegel Öko-Tex-Standard 100 tragen, können mit Silber-Ionen antibakteriell ausgerüstet sein.
  • Geeignete Textilien hin und wieder bei "hohen" Temperaturen (60 Grad) waschen. Das beugt einem Bakterienfilm in der Waschmaschine vor, so dass auf antibakterielle Hygienespüler verzichtet werden kann.
  • Müll- und Windeleimer beizeiten leeren und mit Essigreiniger auswaschen. Das vermeidet unangenehme Gerüche und sorgt für Sauberkeit.
  • Gegen Schmutz, Körpergeruch und Schweiß hilft regelmäßiges Waschen. Schon kleine Kinder können lernen sich gründlich die Hände und Füße mit Seife zu waschen.
  • Socken täglich wechseln und Schuhe ausreichend lüften.
  • Küchenwerkzeuge sauber halten. Kunststoffbrettchen im Geschirrspüler reinigen. Holzbrettchen aus Buche, Eiche oder Bambus besitzen natürliche antibakteriell wirkende Gerbstoffe. Holzbrettchen mit tiefen Kratzern gegebenenfalls glattschmirgeln.
  • Getrennte Schneidwerkzeuge und Brettchen für die Zubereitung von rohem Fleisch oder Fisch beziehungsweise von Gemüse, Rohkost oder Brot wählen.
  • Bei Erkältung, Grippe oder anderen Infekten auf bekannte Hygienemaßnahmen achten: Gründliches Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang sowie Niesen und Husten in die Armbeuge bzw. in Papiertücher.
  • Wer auf antibakteriell behandelte Produkte verzichtet, schont die Gesundheit, die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.

Anzeigen