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Literaturhaus Villa Clementine

Preis der Literaturhäuser: 2018 an Jaroslav Rudiš

Jaroslav Rudiš erhält in diesem Jahr den Preis der Literaturhäuser, dieser wird ihm am 15. März 2018 im Rahmen einer Veranstaltung im Literaturhaus Leipzig verliehen.

Das Netzwerk der Literaturhäuser, dem das Wiesbadener Literaturhaus Villa Clemntine angehört, verleiht den Preis der Literaturhäuser 2018 an den tschechischen Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor und Publizisten Jaroslav Rudiš. Da der Autor seinen aktuellen Roman "Nationalstrasse" bereits im April 2017 in der Villa Clementine vorgestellt hat, wird er nicht mehr im Rahmen der Lesereise zum Preis der Literaturhäuser in Wiesbaden zu Gast sein.

Die Programmleiterinnen und -leiter der im Netzwerk verbundenen Literaturhäuser ehren Rudiš für sein vielfältiges literarisches Werk und als Autor, der in öffentlichen Auftritten, in Lesungen und Diskussionen, als Musiker und in Crossover-Projekten das Publikum zu begeistern versteht. Er zeichnet in seinen Texten mit Ironie und feinem Gespür für die Alltagsängste der Menschen die Gesellschaft anhand von besonderen Typen, die häufig Opfer tragikomischer Ereignisse sind. Dabei begibt er sich gern in den Untergrund und an die Ränder von Orten, Zeiten und Leben, um einen umso schärferen Blick auf die Wirklichkeit zu werfen. So sind seine Bücher cool, witzig, kritisch, politisch, poetisch, widerständig, antibürgerlich, berührend und verführerisch – kurzum: literarischer Rock’n’ Roll. Jaroslav Rudiš schreibt auf Tschechisch und Deutsch und spricht mehrere Sprachen. Er lebt als freier Autor in Berlin und in Lomnice nad Popelkou.

Der 1972 im nordböhmischen Turnov geborene Autor studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik in Liberec, Zürich und Prag, bevor er mit einem journalistischen Stipendium nach Berlin an die Freie Universität kam. Dort entstand 2002 sein Erstlingsroman "Der Himmel unter Berlin" (deutsch 2004), ausgezeichnet mit dem Jiří-Orten-Preis. 2006 erschien in Prag sein zweiter Roman "Grandhotel", der wieder zwei Jahre später auf Deutsch veröffentlicht und mit Jaroslav Rudiš in einer Nebenrolle verfilmt auch auf der Berlinale gezeigt wurde. Ab da erschienen fast jährlich Romane, die Eva Profousová ins Deutsche übersetzt hat, sowie zahlreiche Theaterstücke, Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele, Opernlibretti und Essays in überregionalen deutschsprachigen Zeitungen. 2014 wurde Rudiš als "wichtige tschechische Stimme im Konzert der europäischen Gegenwartsliteratur" mit dem Usedomer Literaturpreis ausgezeichnet. Von seinem jüngsten Roman "Nationalstrasse" entstanden Theaterfassungen in Bremen und Dresden, die Filmfassung kommt 2019 in die Kinos. Zur Leipziger Buchmesse 2018 erscheint "Der Besuch von Herrn Horváth", ein Band mit Kurzprosa.

Der heute 45-jährige Schriftsteller hat die tschechische und deutschsprachige Literatur in den vergangenen Jahren aber nicht nur mit seiner Prosa bereichert, große Aufmerksamkeit erregte er vor allem durch Crossover-Arbeiten. So erschien gemeinsam mit dem Künstler Jaromír Švejdík alias Jaromír 99 – in Tschechien als Rocksänger gefeiert – die Graphic Novel "Alois Nebel". Die gleichnamige Filmversion wurde als Bester Animationsfilm mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Ausgehend vom Literaturhaus Stuttgart entstand dazu ebenfalls 2012 eine Ausstellung, die in etlichen Literaturhäusern im deutschen Sprachraum gezeigt wurde und durch Europa tourte. Ein anderer Grenzgang führt den leidenschaftlichen Bahnfahrer und Bierkenner Rudiš immer wieder zur Musik. 2013 gründete er mit Jaromír 99 die "Kafka Band". In Zusammenarbeit mit fünf der bekanntesten Rockmusiker Tschechiens wurde die CD zu Franz Kafkas Romanfragment "Das Schloss" eingespielt, es gab Konzerte in ganz Europa und 2015 eine inszenierte Fassung am Theater Bremen. 2017 folgte mit "Amerika" eine weitere Kooperation mit dem Bremer Schauspiel-Ensemble.

Bisherige Träger des Preis der Literaturhäuser waren Ulrike Draesner (2002), Bodo Hell (2003), Peter Kurzeck (2004), Michael Lentz (2005), Uwe Kolbe (2006), Sibylle Lewitscharoff (2007), Anselm Glück (2008), Ilija Trojanow (2009) , Thomas Kapielski (2010), Elke Erb (2011), Feridun Zaimoglu (2012), Hanns Zischler (2013), Judith Schalansky (2014), Nicolas Mahler (2015), Ulf Stolterfoht (2016) und Terézia Mora (2017).

Der Preis wird am 15. März 2018, 19.30 Uhr im Rahmen einer Veranstaltung im Literaturhaus Leipzig verliehen.