Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche einblenden
Stadtlexikon Wiesbaden

Dyckerhoff GmbH

Im Jahr 1864 gründete Wilhelm Gustav Dyckerhoff mit seinen Söhnen eine Zementfabrik in Amöneburg. Den für die Zementherstellung notwendigen Kalk gewannen die Arbeiter im Biebricher Steinbruch. Schnell vergrößerte sich die Firma und lieferte 1886 den Zement für die Freiheitsstaue in New York. Heute gehört das international arbeitende Unternehmen zu den führenden Herstellern von Zement und Transportbeton.

Details

Die Geschichte des Dyckerhoff Konzerns begann in der Phase der verstärkten deutschen Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am 4. Juni 1864 gründete Wilhelm Gustav Dyckerhoff gemeinsam mit seinen Söhnen Rudolf Dyckerhoff und Gustav Dyckerhoff die „Portland-Cement-Fabrik Dyckerhoff & Söhne“ in Amöneburg. Mit zunächst einem Ringofen wurde der für die Zementproduktion benötigte Klinker gebrannt. Die Gewinnung der dafür notwendigen Rohstoffe war in diesen Anfangszeiten der deutschen Zementindustrie ein mühsames Geschäft: In Steinbrüchen mussten die Arbeiter in Handarbeit mit Brechstangen das Gestein losschlagen, das dann mit Schubkarren oder Pferdewagen zum Werk gefahren wurde. Die Familie Dyckerhoff erwarb zum Ausbau der eigenen Rohstoffbasis im Jahr 1871 den Steinbruch Biebrich (Dyckerhoff-Steinbruch). Hier hatte Gustav Dyckerhoff ein Kalkmergelvorkommen entdeckt, das sich für die Zementproduktion eignete.

Im Jahr 1883 waren schon rund 500 Mitarbeiter im Wiesbadener Zementwerk beschäftigt. Der Klinker wurde mittlerweile in vier Ringöfen gebrannt. Drei Jahre später konnte das Unternehmen einen der größten Aufträge jener Zeit aus den USA für sich verbuchen: Dyckerhoff lieferte 8.000 Holzfässer Zement für das Fundament der Freiheitsstatue in New York. Zur Jahreswende 1899/1900 wurden bereits 1.200 Arbeiter beschäftigt. Im Jahr 1908 wurde mit dem Aufbau der heutigen Fabrikanlage begonnen. Die Ringöfen zum Brennen des Klinkers wurden nach und nach durch modernere Drehöfen ersetzt. In das Jahr 1931 fällt die Fusion mit der Wicking AG und Dyckerhoff hieß vorübergehend „Portland-Zementwerke Dyckerhoff-Wicking AG“. Im gleichen Jahr wurde eine bis heute wichtige Produktinnovation auf den Markt gebracht: der weiße Portlandzement „Dyckerhoff Weiss“. Als erster Baustoffhersteller transportierte Dyckerhoff ab 1949 den Zement in speziellen Silowagen auf die Baustellen und lagerte ihn dort in Silos. 1959 setzte das Unternehmen, nun unter dem Namen „Dyckerhoff Zementwerke AG“, das nächste innovative Verfahren als erstes ein: Trockenöfen mit Wärmetauscher. Gleichzeitig begann Dyckerhoff mit der Produktion von Transportbeton. Um die Transportbetonaktivitäten noch weiter auszubauen, wurde 1979 die „Dyckerhoff Transportbeton GmbH“ gegründet.

Ab Ende der 1980er-Jahre wurde die Internationalisierung verstärkt vorangetrieben. Meilensteine waren der Markteintritt in den USA 1988 sowie nach dem Fall der Grenze zur ehemaligen DDR die Expansion nach Ostdeutschland und nach Osteuropa. Schon bei der Firmengründung lag Wilhelm Gustav Dyckerhoff und seinen Söhnen die Fürsorge für die Arbeiterschaft sehr am Herzen. Sie gründeten eine „Arbeiter-Kranken-Casse“, in die die Belegschaft von jedem Gulden Verdienst einen Kreuzer einzahlen musste. Dafür wurden den Mitgliedern im Krankheitsfall ärztliche Hilfe und Arzneimittel und bei Arbeitsunfähigkeit eine Geldunterstützung gewährt. Die Frauen der Firmengründer kümmerten sich um das Wohl der Familien der Beschäftigten. So wurde eine Haushaltsschule für die Töchter der Werksangehörigen (Haushaltungsschule Amöneburg) sowie ein „Knabenhort“ gegründet. Viele der Arbeiter wohnten mit ihren Familien in einer der zahlreichen Werkswohnungen, die rund um das Werk in Amöneburg errichtet wurden. Heute ist Dyckerhoff einer der führenden Hersteller von Zement und Transportbeton in Deutschland. Die Hauptverwaltung befindet sich noch immer neben dem Stammwerk, direkt am Rhein im Wiesbadener Stadtteil Amöneburg. Der Konzern gehört seit 2004 zur italienischen Buzzi Unicem Gruppe. Er besteht aus der in Deutschland operativ tätigen Dyckerhoff GmbH und ihren Konzerngesellschaften in Luxemburg, den Niederlanden, Polen, der Tschechischen und der Slowakischen Republik, der Ukraine, Russland und den USA. Weltweit sind circa 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 1.800 in Deutschland. Die 150-jährige Firmengeschichte spiegelt sich in vielen Bauwerken wider, die weltweit mit Dyckerhoff Zement errichtet wurden.

Literatur