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Stadtlexikon Wiesbaden
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Kögler, Kaspar

(auch Kegeler bzw. Kegler; Pseudonym Karl Kurzum u.a.) Maler, Illustrator, Schriftsteller

geboren: 12. Februar 1838 in Molsberg (Westerwald)
gestorben: 1. April 1923 in Wiesbaden


Details

Kaspar Kögler entstammte einer Bauernfamilie und erhielt seine erste Ausbildung bei dem Maler Leonhard Diefenbach (1814 – 1875) auf der Gewerbeschule von Hadamar, nachdem sein Zeichentalent bereits auf der Elementarschule aufgefallen war. Gefördert durch die Grafen Wilderich (1799 – 1862) und Eduard von Walderdorff (1801 – 1873) studierte er ab 1857 an der Münchner Akademie bei Moritz von Schwind (1804 – 1871) und dem Porträtmaler Josef Bernhardt (1805 – 1885). 1861 verließ er München und ging als Kirchenmaler auf Wanderschaft. 1867 ließ er sich schließlich in Wiesbaden nieder und richtete im 1869 erbauten Haus Schützenhofstraße 3 sein Atelier und eine Mal- und Zeichenschule ein. Bauherr des Hauses war der Wiesbadener Architekt Wilhelm Bogler

1876 heiratete Kögler Ida (1853 – 1931, geb. Bogler), die Cousine Wilhelm Boglers, wie der Heiratsurkunde im Stadtarchiv Wiesbaden zu entnehmen ist. Aus einem Nachtrag zur Heiratsurkunde geht ebenfalls hervor, dass dem Künstler erst im November 1900 genehmigt wurde, den Familiennamen „Kögler“ zu führen.

Neben seiner Tätigkeit als Lehrer lieferte Kögler Illustrationen zu literarischen Werken sowie zahlreiche Bild- und Textbeiträge für populäre Zeitschriften wie die „Fliegenden Blätter“ oder „Die Gartenlaube“. Auch schuf er Gebrauchsgrafik wie Weinetiketten und Briefköpfe. Vermittelt durch Bogler erhielt er den Auftrag, den großen Festsaal des 1872 – 1874 errichteten Gebäudes der Wiesbadener Casino-Gesellschaft auszumalen und die Wohn- und Gesellschaftsräume der von Bogler um 1869 erbauten Villa des Industriellen Julius (von) Knoop (1822 – 1893) am Bierstadter Hang zu gestalten. Während die Villa Knoop nicht mehr existiert, sind von der Ausmalung des Casino-Saales noch Teile unter der „wilhelminischen“ Neufassung von 1898 erhalten.

Köglers erfolgreichste Zeit waren die beiden Jahrzehnte um die Jahrhundertwende. 1890 erhielt er von der Stadt den Auftrag, die Wände des Weinkellers (1890) und des Ratsstübchens (1891) im neuen Rathaus künstlerisch zu gestalten. Die witzigen, auf Wiesbaden und seine Bürger bezogenen Szenen mit begleitenden, humorvollen Texten machten Kögler außerordentlich populär, sind vor Ort aber nicht mehr erhalten. 1894 übertrug man ihm die Ausführung der Deckengemälde im Zuschauerraum des „Königlichen Theaters“ (Hessisches Staatstheater Wiesbaden) nach eigenen Ideen. Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört, wurden sie 1977/78 von Wolfgang Lenz (*1925) nach alten Vorlagen neu geschaffen. Erhalten hingegen blieb das 1902 von Kögler in Öl auf Leinwand gemalte Deckengemälde des Theaterfoyers, das die „Beglückung und Erhebung der Menschheit durch die vom Himmel zur Erde hinabsteigende Kunst“ zeigt. Von diesem Werk beeindruckt, verlieh Kaiser Wilhelm II. ihm den Roten-Adler-Orden 4. Klasse. Im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Kurhauses 1907 erhielt Kögler den Auftrag, für den nicht mehr erhaltenen „Biersaal“ im Nordflügel zwei Supraporten anzufertigen.

Kögler, ein der Tradition verpflichteter Maler, dessen Porträts aufgrund der realistischen Darstellungsweise sehr geschätzt wurden, erhielt auch zahlreiche Aufträge von Privatpersonen. So war er im so genannten „Biebricher Kreis“, dem auch Mitglieder der Industriellenfamilien Kalle, Albert und Dyckerhoff angehörten, als Freund und Künstler hoch angesehen. Man traf sich in der Dyckerhoffschen Kegelbahn im Garten des Hauses von Gustav Wilhelm Dyckerhoff (Am Schlosspark 35), die Kögler mit mehreren Bildern ausstattete.

In zahlreichen Gremien engagiert, war Kögler auch vierzig Jahre (1876 - 1916) Mitglied des Nassauischen Kunstvereins e.V., dessen Vorstand er ab 1876 angehörte. 1913, zu seinem 75. Geburtstag, ehrte ihn der Verein mit der Jahresmappe „Kaspar Kögler in Wort und Bild“. Seit 1891 im Haus Adolfsallee 7 wohnhaft, an dessen Fassade seit 1938 eine Gedenktafel an ihn erinnert, litt Kögler im Alter sehr unter der Not der Nachkriegszeit. Er starb im April 1923 und wurde auf dem Nordfriedhof beigesetzt. Im August desselben Jahres veranstaltete der Nassauische Kunstverein eine Gedächtnisausstellung seiner Werke.

Heute ist das umfangreiche, zu einem großen Teil in Privatbesitz befindliche Oeuvre (Porträts, Genrebilder, Stillleben, Landschaften u.a.) nur begrenzt zugänglich. Köglers schriftlicher Nachlass liegt im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, und im Stadtarchiv Wiesbaden befinden sich ein Skizzenbuch und eine Mappe mit Zeichnungen. Das Museum Wiesbaden besitzt 16 Gemälde Köglers, darunter drei Selbstporträts und Bilder der Familie des Künstlers, und auch das Stadtmuseum ist im Besitz von Gemälden und darüber hinaus der Originalentwürfe für den Ratskeller. Nach dem Künstler benannt sind seit 1908 der „Köglerweg“, ein Waldweg zwischen Idsteiner Straße und Rabengrund, und seit 2004 der „Kaspar-Kögler-Platz“ in der Adolfsallee.

Literatur