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Stadtlexikon Wiesbaden

Leichtweißhöhle

Der Unterschlupf des wegen Wilderei gesuchten Heinrich Anton Leichtweiß entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem attraktiven Ausflugsziel im Nerotal.

Details

Die im hinteren Nerotal gelegene Leichtweißhöhle entstand im mittleren Erdaltertum vor Millionen Jahren durch die variskische Gebirgsfaltung und die ausspülende Kraft des Schwarzbaches. Erstmals Erwähnung fand sie 1791. Damals sichteten Waldarbeiter aufsteigenden Rauch und entdeckten die kleine Höhle, in der sich der Wilderer Heinrich Anton Leichtweiß verborgen hatte. Danach geriet der Unterschlupf wieder in Vergessenheit. Mit dem Aufstieg Wiesbadens zum mondänen Kurbad rückte die Höhle erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit und wurde bereits 1825 in der Literatur als Ausflugsziel empfohlen.

Auf der Suche nach immer neuen Attraktionen für die stetig wachsende Zahl der auswärtigen Besucher Wiesbadens kam man schließlich auch auf die Höhle im Nerotal. Räubergeschichten waren zu dieser Zeit in aller Munde und der „linksrheinische Schinderhannes“ war weit über die Region hinaus bekannt. Flugs wurde aus dem Wilddieb Leichtweiß der „Räuberhauptmann“ Leichtweiß geschaffen und sein kurzzeitiger Unterschlupf seit 1856 vom Verschönerungsverein Wiesbaden zu einer ca. 30 m langen und ca. 2 m hohen wildromantischen Räuberhöhle ausgebaut. Außer einem zweiten Zugang im Norden und einer über eine Holzleiter erreichbaren und mit Moos ausgepolsterten Nische als Schlafstatt entstand ein seitlich gelegener runder Raum mit einem Steintisch (mit hohlem Tischfuß für die „Beute“) in der Mitte und Bänken an den Wänden. Zur weiteren Ausstattung zählten alte Schusswaffen, Säbel und Bilder vom „Räuber“ und seiner „Geliebten“. Der Eingang zur Höhle und die nähere Umgebung wurden dem Zeitgeschmack entsprechend romantisch mit künstlichem Wasserfall, Holzbrücke, Geländern aus Astwerk, einem Aussichtstempel und einer Schutzhütte für den Wärter gestaltet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mit der Leichtweißhöhle zunehmend bergab. Infolge von Vernachlässigung und Vandalismus verschwanden nach und nach die Außenanlagen, der Wärter wurde mehrfach zusammengeschlagen und die Höhle als Unterschlupf missbraucht. Die Konsequenz war die Schließung. 1983 bereitete die Stadt dem Dornröschenschlaf der Höhle ein Ende und erneuerte den immer wieder aufgebrochenen Eingang massiv mit Beton und einer Stahltür; seitdem ist sie wieder regelmäßig geöffnet.

Literatur


Verweise