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Hammermühle

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1690 erbaute der Betreiber der benachbarten Armenruhmühle, Fritz Späth, mit Genehmigung von Georg August Samuel Fürst zu Nassau-Idstein eine Mahlmühle auf landesherrlichem Gelände am Salzbach. Bis 1689 stand hier das von den Franzosen bei Raubzügen zerstörte Eisenhammerwerk, dem dieser Mühlenplatz seinem Namen verdankt. Nach mehrfachem Besitzerwechsel übernahm Bernhard May 1807 die Hammermühle Bei der Übernahme fand er vernachlässigte und zum Teil verfallene Gebäude mit einer veralteten Einrichtung zum Mahlen vor. Mit erheblichen Investitionen sanierte und erweiterte er die Bauwerke, erneuerte und verbesserte die Mühlentechnik. Die während seiner Lehrzeit gewonnenen Erfahrungen bei der Herstellung von Weißmehl sowie die Verarbeitung seines Roggenmehles in der eigenen Bäckerei verschafften ihm einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Müllerkollegen. Mit dem erworbenen Vermögen aus dem Brotverkauf, dem Mehlhandel und den Erzeugnissen seiner Landwirtschaft erwarb er für seinen Sohn die weiter oberhalb am Salzbach gelegene Kupfermühle, die er nach dessen frühem Tod mit einem Gewinn von 10.000 fl. an den Müller Adam Werner verkaufte.

Zeitweise besaß May auch die Herrenmühle (Schlossmühle) in Wiesbaden. Er reihte sich damit ein in die Gruppe der Großmüller und ehemaligen Hammermüller Späth (Armenruh-, Hammer- und Salzmühle) und Johann Adam Kretsch (Kupfer-, Hammer-, Salz-, Kurfürsten-, Neu- und Walkmühle). Zwei Jahre vor seinem Tod (1856) gehörte er zu den sechs reichsten Gewerbetreibenden im ganzen Herzogtum Nassau. Zum Bekanntheitsgrad des Hammermüllers trug seine mit den modernsten Ackergeräten betriebene große Landwirtschaft bei. Alles, was zur Hammermühle gehörte, erbten seine Tochter und deren Mann Christian Scholz. Mühle und Bäckerei wurden im Sinne Mays weiter betrieben, wobei die Geschäfte prosperierten. Doch die Verunreinigung des Salzbachs minderte die Lebensqualität der zahlreichen Mühlenbewohner. Eine gerichtliche Klage gegen die Stadt führte 1887 zur Beendigung von Müllerei und Bäckerei, nachdem die Erben der Eheleute Scholz 1882 die Mühle mit vielen Grundstücken an Gustav Dyckerhoff und Rudolf Dyckerhoff verkauft hatten. Danach diente der Gebäudekomplex landwirtschaftlichen Zwecken. Seit 1924 befinden sich in der umfangreichen ehemaligen Mühlenanlage Wohnungen. Die Hammermühle lebt in der Wiesbadener Stadttopografie durch die Straßennamen »An der Hammermühle« und »Bernhard-May-Straße« fort.

Literatur

Hammermühle, 2002 wiesbaden.de/ Stadtarchiv Wiesbaden, F000-11904, Urheber: Saskia Steltner
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