OB-Kolumne

April 2013: "Frühling in Wiesbaden".
Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller: April-Kolumne 2013. | © wiesbaden.de

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

direkt vor meinem Büro – zwischen Marktkirche und Rathaus – steht ein wunderbarer Kastanienbaum. Ich mag diesen alten knorrigen Riesen. Im Frühjahr trägt er die wunderschönen Blütenkerzen, im Sommer fasziniert sein dichtes grünes Blätterdach und im Herbst färbt sich sein Laub in den schönsten Brauntönen. Im Winter zeichnen seine kahlen Äste filigrane Schattenmuster auf die Kirchenmauern.

Im zeitigen April wandert mein Blick viel öfter als sonst vom Schreibtisch zum Fenster und zum Baum. Jetzt werden die Knospen jeden Tag praller und glänzen in der Sonne – das ist das sicherste Zeichen dafür, dass das Frühjahr beginnt. Auch wenn es draußen noch ungewöhnlich kalt ist – die Kastanie lässt sich nicht beirren. Sie weiß, der Frühling kommt mit jedem Tag.

Im April und Mai ist Wiesbaden am schönsten. In den Parks blühen die ersten Primeln, Stiefmütterchen, Narzissen und Tulpen. Spätestens wenn die Temperaturen ansteigen, explodiert die Natur. Dann ist es Zeit, einen Spaziergang durch die Stadt zu machen und ihre bekannten oder auch die versteckten Schönheiten und Reize zu entdecken. Das kann man natürlich auf eigene Faust machen. Noch interessanter sind aber die Themenrundgänge, die von der Wiesbaden Tourist-Information angeboten werden.

Allein drei dieser Rundgänge beschäftigen sich mit den prächtigen Villen, die von Künstlern, Wissenschaftlern, Geschäftsleuten und Adeligen errichtet wurden. Selbst profilierte Wiesbaden-Kenner erfahren hier viel Wissenswertes und Ungewöhnliches über die Häuser, ihre Gärten und Fassaden und die Geschichten, die sich dahinter abgespielt haben.

Einen Besuch ist im Frühling auf alle Fälle auch der Neroberg mit dem denkmalgeschützten Weinberg, der Russischen Kapelle und dem angrenzenden Friedhof wert. Auch hier wissen die Gästeführer viel Interessantes zu berichten. 2013 feiert die Nerobergbahn übrigens ihren 125. Geburtstag.

Auch die Kaiser-Friedrich-Therme feiert ein Jubiläum. Sie wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt es am Samstag, 27. April, einen "Tag der offenen Tür", bei dem man auch hinter die Kulissen sehen und sich über die aufwändige Technik informieren kann. Sicherlich für Erwachsene und Kinder gleichermaßend spannend und unterhaltend: In kurzen Szenen vermitteln "Das Brunnenmädchen und der Kurgast" den Besuchern die Geschichte der Therme und versetzen die Zuhörer zurück in die längst vergangene Zeit.

Ich persönlich finde die Geschichte der ehemaligen Wiesbadener Grandhotels besonders spannend. Die kann man bei einer Führung durch das Quellenviertel aufleben lassen, wo in einst großen und prunkvollen Herbergen mit klangvollen Namen wie Bellevue, Metropol oder Savoy die Gäste abstiegen. Im Traditionshaus "Radisson Blu Schwarzer Bock Hotel", dem ältesten Hotel Wiesbadens, kann man das Kurleben der "guten alten Zeit" noch einmal nachvollziehen.

Spannend ist sicherlich auch das Thema "Typische Wiesbadener Getränke". Da geht es dann um den Apfelwein, das Heilwasser und natürlich auch um den prickelnden Sekt, der Wiesbaden weltweit bekannt gemacht hat. Dieses Thema wird dabei natürlich auch praktisch aufgearbeitet: Dem "Stöffche" wird vor dem Hessischen Landtag gehuldigt und vor der Villa Soehnlein knallen die Schampus-Korken. Probiert wird natürlich auch der heimische Riesling, der am Neroberg wächst. Zum Abschluss gibt es ein Schlückchen Kochbrunnenwasser.

Ganz besonders reizvoll ist ein Spaziergang durch die Obstwiesen in den Vororten. In Frauenstein und Kloppenheim verwandeln sich die Kirsch- und Apfelbäume in ein einziges Blütenmeer. Dann wird auch der Kastanienbaum vor meinem Fenster wieder seine vielen leuchtenden Blütenkerzen tragen und mich diesen kalten und dunklen Winter vergessen machen.

Ich wünsche Ihnen einen zauberhaften Frühling in Wiesbaden!

Ihr
Dr. Helmut Müller
Oberbürgermeister


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