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Kultur

Regierungs- und Verwaltungszentrale

Als nassauische Residenzstadt gewann Wiesbaden erst nach und nach an Bedeutung. 1744 wurde das Schloss Biebrich Hauptresidenz des Hauses Nassau. Im gleichen Jahr zogen die Regierungsbehörden der nassauischen Fürsten von Usingen nach Wiesbaden um. 1806 unterzeichneten die beiden nassau-walramischen Fürstentümer in Paris die Rheinbundakte. Dies bescherte den Nassauern erhebliche Landgewinne.

Mehr noch: Im Vorgriff auf das absehbare Aussterben der Usinger Linie, vereinigten die beiden nassauischen Regenten am 30. August 1806 ihre Lande zu einem vereinigten Herzogtum.
Es umfasste ein Gesamtgebiet von 103 Quadratmeilen und hatte 270.000 Einwohner. Wiesbaden wurde 1806 Hauptstadt dieses von seiner Wirtschaftskraft her erheblich gestärkten, neuen Staates.  

Im September 1814 erhielt das Herzogtum Nassau als erster deutscher Staat nach den Befreiungskriegen eine Verfassung. Sie entsprach keineswegs unserem modernen Demokratieverständnis, sondern eröffnete lediglich einem eng begrenzten Kreis aus Adel und Besitzbürgertum beschränkte Mitwirkungsmöglichen.

Das wichtigste dieser Rechte, das Budgetrecht, ließ sich im Konfliktfall vom Monarchen leicht umgehen. Dennoch hat die nassauische Verfassung gemeinsam mit der Finanzreform von 1809/12 und der neuen zentralistischen Verwaltungsorganisation von 1815/16 erheblich dazu beigetragen, den aus vielen versplitterten territorialen Einheiten zusammengesetzten Staat zu festigen, zusammenzuführen und an die Landeshauptstadt Wiesbaden zu binden.

An dem erreichten Bedeutungszuwachs der Stadt Wiesbaden änderte auch der verlorene Krieg von 1866 wenig. Zwar wurde das Herzogtum Nassau, das an der Seite Österreichs gekämpft hatte, nach der Niederlage von Preußen annektiert und der preußischen Provinz Hessen-Nassau eingegliedert. Wiesbaden wurde von einer Landeshauptstadt zum Mittelpunkt eines Regierungsbezirks herabgestuft.
Doch selbst dieser Funktionsverlust und das Verbot des Glücksspiels 1872 konnten den Aufstieg Wiesbadens zur Kurstadt von internationalem Rang nicht aufhalten. Einen Ausgleich für die versiegende Quelle des Glücksspiels verschaffte sich die Stadt vorsorglich mit der am 1. April 1870 eingeführten Kurtaxe. Zudem beseitige die Annexion Nassaus durch Preußen und die Überwindung der Kleinstaaterei durch die Begründung der Reichseinheit im Jahr 1871 letzte Handelshemmnisse und erweiterten den Gesichtskreis der heimischen Wirtschaft.

Doch der entscheidende Faktor dafür, dass Wiesbaden endgültig der provinziellen Enge entkam und wirtschaftlich weiter aufblühte, war, dass die preußischen Kaiser Wiesbaden als Kurort entdeckten. Besonders Wilhelm II. kam häufig. Wiesbaden diente nun für einige Wochen im Jahr als Residenz der Hohenzollern. Dass man hier dem Hof besonders nah sein konnte, wirkte wie ein Magnet auf das vermögende Publikum. Es kam, sah und blieb. Insbesondere bei  ehemaligen Generälen und hohen Beamten, vermögenden Fabrikanten und Geschäftsleuten war Wiesbaden als Ruhesitz beliebt.

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