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Kultur

Wiesbadener Spielbank

Nutzung des Glücksspiels als Motor der Stadterneuerung

Ohne ihre Spielbank wäre die Stadt Wiesbaden nicht, was sie heute ist. Aus zwei Gründen kam dem Glücksspiel bei der Aufwertung des Kur- und Badeorts im späten 18. und 19. Jahrhundert ein besonderer Stellenwert zu - zum einen zog es viele Kurgäste mindestens ebenso magisch an wie das heiße Quellwasser, zum anderen ermöglichte es überhaupt erst die Finanzierung eines exklusiven Ambientes aus Prachtbauten mit beschaulichen Grünanlagen.

Was das Glücksspiel als fast unerschöpfliche Geldquelle so kräftig sprudeln ließ, war die Erteilung von exklusiven Spielkonzessionen an einige, wenige Badeorte und das flankierendem Verbot für das gesamte Umland und alle übrigen Gemeinden. Diese - gerne auch moralisch begründete - Konzentration des Glücksspiel-Angebots zahlte sich für die begünstigten Unternehmen und Gemeinden in höchstem Maße aus.

Die Geschichte des Glückspiels beginnt in Wiesbaden bereits 1771 mit der erstmaligen Erteilung einer Konzession durch den Fürst von Nassau-Usingen für die damals üblichen und beliebten Kartenspiele. Gespielt wurde zunächst noch in Wirtshäusern. Schon elf Jahre später begann sich das Roulette zu drehen. Darüber hinaus konnte man sein Glück beim Zahlenlotto versuchen. 90 Nummern, jede in einer besonderen Kapsel, wurden in das Glücksrad gelegt und fünf davon als Gewinnzahlen gezogen.
1810 erhielt die Spielbank Wiesbaden mit dem Alten Kurhaus einen ersten zentralen Veranstaltungsort.

Was sich im Fürstentum Nassau-Usingen bewährt hatte, führte das neu gebildete Herzogtum Nassau mit dem Edikt von 1814 fort  - das Glücksspiel blieb bis auf einige wenige, einträgliche Ausnahmen für Bade- und Brunnenorte streng verboten. Dieses Privileg zahlte sich für Wiesbaden aus - auch wenn nur ortsfremde Personen an den genehmigten Glücksspielen teilnehmen durften. Alle einheimischen Untertanen, die gesamte herzoglich-nassauische Dienerschaft sowie das Militär blieben ausgeschlossen.

Als 1830 in Frankreich die Spielbanken verboten wurden, suchten deren Pächter neue Wirkungsstätten - so auch Anton Chabert, der 1835 Pächter der Wiesbadener Spielbank wurde. Unter seiner Leitung stieg die Spielbank im Kursaal zu einem regelrechten Großbetrieb auf, dessen Erträge den Gesamtetat der Stadt bei weitem übertrafen und freigiebig genutzt wurden, um die Stadterneuerung voranzutreiben. Die Investitionen in Kurgebäude und -anlagen tätigte Anton Chabert in dem Wissen, dass das elegante Publikum nur durch Luxus zu beeindrucken und zu halten war. Diese vorausschauende Geschäftspolitik zahlte sich für ihn in jeder Hinsicht aus. Als sich Anton Chabert 1847 vorzeitig von seinem Vertrag entbinden ließ, konnte er sich mit einem Vermögen von sieben Millionen Goldmark ins Privatleben zurückziehen. (Die Kaufkraft einer Goldmark der Jahre 1873 bis 1899 entspricht laut Hamburger Staatsarchiv und Statistischem Bundesamt 9,11 Euro)

Mit einer kurzen Unterbrechung im Jahre 1849 - dem kurzlebigen Verbot aller Casinos durch die ebenso kurzlebige deutsche Nationalversammlung - ging der Spielbetrieb bis Silvester 1872 in Wiesbaden munter weiter und mehrte die Möglichkeiten der Stadterneuerung.

Die Dauerhaftigkeit ihres Glücksspiel-Privilegs verdankte die Stadt der Großzügigkeit der preußischen Regierung, die nach der Annexion Nassaus im Jahr 1866 mit sofortiger Wirkung ein Generalverbot erlassen hatte, Wiesbaden aber eine sechsjährige Übergangsfrist und Duldung einräumte. Während der verbleibenden Zeit bis zu ihrer Schließung sollte die Spielbank Rücklagen bilden, aus deren Verzinsung die entfallenden Zuschüsse zum Kurbetrieb wenigstens teilweise ersetzt werden konnten.

Als Finanzier der Stadterneuerung hatte die Spielbank nach 1872 ausgedient - auch wenn sie 1949 ihren Betrieb erneut aufnehmen konnte und bis heute einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt.

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