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Kultur

Podcast: Olivia Wenzel und Lydia Lierke über postmigrantische Perspektiven auf die Wendezeit

Die Wiedervereinigung zwischen der DDR und der BRD ist 30 Jahre her, dennoch dauert die Aufarbeitung bis heute an. Vor allem, da die Geschichte der "friedlichen Revolution" doch eine sehr einseitige ist: Sie beinhaltet nämlich eine überwiegend westdeutsche, weiße Perspektive. Olivia Wenzel und Lydia Lierke zeigen in ihren Werken eine andere Realität und beleuchten postmigrantische Sichtweisen. Neben Lesungen aus ihren Büchern erzählen die beiden Autorinnen vom Aufwachsen zur Wendezeit, Leerstellen innerhalb der Familien und warum es so wichtig ist, über rassistische Erfahrungen zu sprechen.

Der Roman "1000 Serpentinen Angst" von Olivia Wenzel folgt einer jungen schwarzen Frau in verschiedenen Episoden. Von Erinnerungen an die DDR oder die Zeit nach der Wende bis hin zur Gegenwart wiederholen sich bestimmte Muster in ihrem alltäglichen Leben. Nicht nur auf offener Straße hat sie mit rassistischen Anfeindungen zu kämpfen, sondern auch innerhalb ihrer überwiegend weißen Familie wird sie stets als Außenseiterin wahrgenommen. "Schokokrümel" ist der Kosename, den die Großmutter ihr gibt, auch wenn diese kurz davor ist, eine rechtsradikale Partei zu wählen. Mit der Wende sind sich dann plötzlich alle irgendwie fremd, aber die Anfeindungen gehen weiter und werden noch einmal deutlich schlimmer. Es sind diese doppelten Marginalisierungen, die das Leben der Protagonistin erschweren und ihr ohnehin schon mangelndes Heimatgefühl auf den Kopf stellen. Ebensolche Perspektiven versammelt Lydia Lierke gemeinsam mit Massimo Perinelli in ihrem Essayband "Erinnern stören. Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive". Es steht das titelgebende Stören der Erinnerungen an die Wendezeit im Vordergrund – Erinnerungen in der öffentlichen Wahrnehmung, die überwiegend weiß und westdeutsch sind.

Im Gespräch mit Jana Hensel (unter anderem Die ZEIT) berichten Olivia Wenzel und Lydia Lierke von ihren eigenen Erinnerungen und der Arbeit an ihren Büchern. Darüber hinaus geht es um den aktuellen Politisierungsschub der jungen Bevölkerung und warum gerade jetzt postmigrantische Perspektiven auf die Wendezeit so wichtig sind.

Die Lesungsauszüge wurden mit freundlicher Genehmigung der Verlage S. Fischer ("1000 Serpentinen Angst") und Verbrecher ("Erinnern stören") freigegeben.

Über Olivia Wenzel

Olivia Wenzel wurde 1985 in Weimar geboren und ist Autorin, Dramaturgin und Musikerin. Ihre Stücke wurden unter anderem an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater und am Deutschen Theater in Berlin aufgeführt. „1000 Serpentinen Angst“ ist ihr erster Roman. 2020 stand er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises sowie auf der Shortlist des aspekte-Literaturpreises. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet.

Über Lydia Lierke

Lydia Lierke, geboren 1990 in Hoyerswerda, ist Politikwissenschaftlerin, Autorin und Herausgeberin. Sie beschäftigt sich mit der Aufarbeitung deutsch-deutscher Erinnerungspolitik und ist für die Rosa-Luxemburg-Stiftung als Projektmanagerin tätig.

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