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Kultur

Gedenken an Wiesbadener Sinti

Vor 77 Jahren, am 8. März 1943, wurden 119 Sinti von Wiesbaden aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Anlässlich des Jahrestages fand am Sonntag, 8. März 2020 um 16 Uhr eine Gedenkstunde am Mahnmal in der Bahnhofsstraße statt.

Vor 77 Jahren, am 8. März 1943, wurden 119 Angehörige der Sinti von Wiesbaden aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Im vergangenen Jahr hat die Landeshauptstadt Wiesbaden auf den Vorschlag des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma hin beschlossen, der Deportation der Wiesbadener Sinti nunmehr jährlich zu gedenken. 

Wir gedenken am 8. März unseren Menschen, die von Wiesbaden aus von den Nazis entrechtet, verschleppt, gedemütigt, gefoltert und ermordet wurden. Dabei ist auch wichtig zu verstehen, dass die Verfolgung von Sinti und Roma bereits viele Jahrhunderte vor dem Nationalsozialismus begonnen hat. Leider endete die Ausgrenzung auch nach dem Völkermord an den Menschen nicht. Die Überlebenden der NS-Verfolgung waren weiterhin Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten ausgesetzt, sie wurden wieder an den Rand der Gesellschaft gedrängt, auch nach dem Krieg. Das hat Auswirkungen bis auf den heutigen Tag, viele sind noch immer schlechter gestellt.

Große Teile der Bevölkerung unterstellen den Angehörigen unserer Minderheit ebenfalls noch immer, kriminell oder arbeitsscheu zu sein. Das muss endlich aufhören. Das Erstarken von Rechtspopulismus und Hassverbrechen in Deutschland und ganz Europa macht uns große Sorgen. Deshalb ist heute das Engagement derjenigen, die sich gegen Vorurteile und für Demokratie und Toleranz einsetzen und streiten, wichtiger denn je. Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht den Feinden der offenen Gesellschaft überlassen. Wir gedenken den Toten, aber wir denken dabei auch an die Gegenwart und die Zukunft. Die Verfolgten mahnen uns, dass sich Auschwitz niemals wiederholen darf - Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen. 

Seit 1992 steht in der Bahnhofstraße das Mahnmal, das dauerhaft an die Deportation von 119 Wiesbadener Sinti in das Konzentrationslager Auschwitz und an den Völkermord der Nazis an Sinti und Roma erinnern soll. Dieses Mahnmal soll, heute wieder mehr denn je, ein deutliches Zeichen für Haltung und Rückgrat, Hinschauen und Einmischen, Mitgefühl und Solidarität sein. - Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.

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