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Kultur

Virtuelle Rekonstruktion

Unter dem Namen "memo 38" fanden sich im Frühjahr 1998 Studierende und Lehrende des Studiengangs Innenarchitektur der Hochschule RheinMain mit dem Ziel zusammen, die 1938 in der Pogromnacht zerstörte Wiesbadener Synagoge mit Hilfe von 3D-Computeranimationen virtuell zu rekonstruieren und damit einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten.

Diese Studienarbeit löste Diskussionen aus und forderte zur Beschäftigung mit der Vergangenheit heraus. Der Versuch, Verschollenes wieder sichtbar zu machen, stellt somit auch eine Form des Gedenkens dar.

Die Synagoge am Michelsberg war im maurischen Baustil vom Architekten Philipp Hoffmann entworfen und im August 1869 von der Jüdischen Gemeinde eingeweiht worden. Sie wurde am Morgen des 10. Novembers 1938 in Brand gesteckt und im Juni 1939 vollständig abgerissen. Bedingt durch die architektonische Komplexität des Gebäudes war ein enormer Arbeitsaufwand für die Visualisierung notwendig. 20 Mitwirkende haben in über 12.000 Arbeitsstunden die Außen- und Innenarchitektur bis ins Detail rekonstruiert. Da es keine Überreste der Synagoge mehr gibt und auch alle Baupläne vernichtet wurden, erfolgte die Rekonstruktion durch die Auswertung alter Fotografien, Postkarten, Originalskizzen und historischer Textdokumente. Während der gesamten Bearbeitungszeit wurde der Kontakt zu Sachverständigen, der Öffentlichkeit und Privatpersonen, vor allem zu Gemeindemitgliedern von damals und heute, gesucht und auch gefunden. Hierdurch konnten viele Erinnerungen an die Synagoge gesammelt und viele neue Erkenntnisse hinzu gewonnen werden.  

Das erste Zwischenergebnis, die Visualisierung der Außenfassade, wurde am 9. November 1998 anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der Pogromnacht am ehemaligen Standort der Synagoge in Form einer Videoprojektion vorgeführt. Ein Jahr später wurde an gleicher Stelle auch der Innenraum dieses einst prachtvollen Gotteshauses wieder sichtbar.

Um die gesammelten Informationen und Ergebnisse des Studienprojektes weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entwickelte das "memo38-Team" in Zusammenarbeit mit dem "Aktiven Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden e.V." die Ausstellung "memoAktiv". Dank der finanziellen Unterstützung durch die Landeshauptstadt Wiesbaden und der ehrenamtlichen Mitarbeit vieler Mitglieder des Vereins war es möglich, die Ausstellung ein Jahr lang in der Spiegelgasse 11 zu zeigen. Im Gedenkraum im Wiesbadener Rathaus kann die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge am Michelsberg angeschaut werden.

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