Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche einblenden
Kultur
Wo bin ich?
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. Stadtgeschichte
  4. Persönlichkeiten
  5. Gastronom Hans-Peter Wodarz

"Wer war eigentlich...": Gastronom Hans-Peter Wodarz?

Sie tragen zwar große Namen, doch ein wenig Unsicherheit ist oft dabei: "Wer war eigentlich...?" Wer war der oder diejenige, nach denen Häuser, Straßen, Freizeiteinrichtungen benannt wurden? Welcher Umstand, welche Verdienste, welche Beweggründe waren es, ihre Namen weit über die Zeit hinauszuheben? Fragen, die sich in Wiesbaden und der Region auf Schritt und Tritt ergeben - wenn man sie nur stellt.

Der "Enten-Vater" lässt die Puppen tanzen

Edel-Gastronom Hans-Peter Wodarz mischt mit "Wein, Leib & Gesang" die Berliner Szene auf

Er ist wieder da, zurück auf der schillernden Bühne des Gastro-Entertainments, die sein Leben ist: Hans-Peter Wodarz, dem Großmeister der Erlebnis-Gastronomie mit der Ente als Markenzeichen im Knopfloch, fiel es noch nie schwer, die Karten neu zu mischen. Das tut der aus Wiesbaden stammende Fest- und Partymacher mit Leidenschaft und Hingabe zur Zeit in Berlin. Seine neue Show "Wein, Leib & Gesang", die Wodarz in Zusammenarbeit mit der Palazzo-Produktion kreiert hat, ist auf Anhieb zum kulinarischen Bestseller geworden und stellt alles in den Schatten, was der "Enten"-Vater zumindest in den letzten Jahren anpackte. Dass sein erotisches Sinnentheater "Belle et Fou" in der Berliner Spielbank mit Pleiten, Pech und Pannen behaftet war und die hochgesteckten Erwartungen letztlich nicht erfüllen konnte, hat "HPW" keineswegs entmutigt. "Es war ein schwieriges Experiment, das wir gewagt haben, ein kultureller Seitensprung auf hohem Niveau", sagt Wodarz. "So etwas aufzuziehen und durchzuhalten, fällt selbst in Berlin nicht leicht."

Wie bei "Pomp und Duck"

Jetzt also die Rückkehr ins vertraute Metier mit "Wein, Leib & Gesang". Vieles an der energiegeladenen, temporeichen Show, die der "Enten-Tainer" im Lehrter Stadtquartier zwischen Bundeskanzleramt und Berliner Hauptbahnhof kreiert hat, erinnert an die Zeit der frühen Jahre, als der quirlige Meisterarrangeur aus Wiesbaden mit seinem Restaurant-Theater "Pomp, Duck and Circumstance" noch durch die Lande tourte. Ein Potpourri aus Esskultur und Variete, aus Schlemmergenüssen und Slapsticks, das der gehobenen Gastronomie mit Pep und provokanter Ironie vier Stunden lang "auf die Sprünge " half. Abend für Abend ausverkauft damals das nostalgische Spiegelzelt "Salon Zazou", in dem der Hausherr in einer einzigartigen Liaison die Puppen tanzen ließ und das Publikum zwischen Berlin und München verzauberte. Als er nach  einem missglückten Gastspiel in den USA und fünfzehnjährigem Engegament für das Restaurant-Theater sein rotes Dinnerjackett 2006 endgültig an den Nagel hängte, in dem er die Pomp-Gäste allabendlich begrüßt hatte, war das Bedauern groß.

Dinner-Spektakel

Inzwischen allerdings ist der Erfinder und Meister der genüsslichen Kunst keineswegs untätig geblieben. Wodarz wäre nicht Wodarz, wenn ihm nicht stets Neues einfiele, sich seiner größten Passion, der komödiantisch verpackten Ess-Kultur, zu widmen. Wieder ist es das außergewöhnliche Ambiente eines Spiegelpalastes, in dem der Star-Gastronom mit seinem Chef de Cuisine Gerd Hammes alle Fäden zieht und das Berliner Publikum kulinarisch becirct. Ein von Spitzenköchen kreiertes lukullisches "Festmahl in drei Akten" das ganze, ein von Artistik, Gesang und viel Musik begleitetes Dinner-Spektakel nach bewährtem Entertainment-Muster, in dem die neue, zeitgemäße Küche ihre Chance erhält. "Wir stützen uns dabei auf traditionelle Rezepturen, lassen aber auch die mediterranen Einflüsse nicht außer Acht", verspricht der Produzent und Gastgeber.

Damit gibt es in dieser Saison erstmals ein "Palazzo" in Berlin, das Wodarz' Handschrift trägt. So wie die Spitzenköche Alfons Schuhbeck in München, Reinhard Gehrer in Wien und Harald Wohlfahrt in Stuttgart zieht nun auch Hans-Peter Wodarz in der Hauptstadt alle Küchenregister und tischt den Berlinern auf. Seine neue Gourmet-Show "Wein, Leib & Gesang" macht's möglich und soll, wie zu hören ist, bereits auch Wiesbadener in stattlicher Zahl bewogen haben, sich vorsorglich Plätze reservieren zu lassen.

Stationen einer Karrier

Denn Wiesbaden ist und bleibt die Heimatstadt des Multitalents. "Hier sind und bleiben meine Wurzeln", sagt Wodarz, der einst als Page im damaligen Wiesbadener Hotel "Rose" seine Laufbahn begann, im Münchener Bayrischen Hof drei Jahre lang erste praktische Erfahrungen sammelte und später von Starkoch Eckhart Witzigmann gastronomisch "unter die Fittiche" genommen wurde. Sein erstes eigenes Restaurant war die "Ente im Lehel", die  "HPW" 1975  in der bayerischen Hauptstadt eröffnete und einige Jahre später als "Die Ente vom Lehel" in den Nassauer Hof nach Wiesbaden transferierte.

Die "Ente" - sie wurde zur Urzelle der Erlebnis-Gastronomie und des Restaurant-Theaters, die Wodarz gesellschaftsfähig machte. "Feste feiern in der Ente" lautete das Motto vieler Events dieser bewegten Jahre in Wiesbaden, als sich Weltstars, Kunstgrößen, berühmte Mäzene, Bestseller-Autoren und Allround-Talente allmonatlich die Klinke des Wiesbadener Gourmet-Tempels in die Hand gaben und  die Gäste zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Eine Inszenierungsdichte, die in Form und Inhalt seitdem nie wieder erreicht wurde. Demnächst, wenn die "Ente" im Nassauer Hof dreißig Jahre alt wird, will auch Hans-Peter Wodarz zum Geburtstag nach Wiesbaden kommen und kräftig mitfeiern. Mit Wein, Leib und Gesang, versteht sich. Was denn sonst!

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

Anzeigen