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"Wer war eigentlich...": Horst Schmidt?

Sie tragen zwar große Namen, doch ein wenig Unsicherheit ist oft dabei: "Wer war eigentlich...?" Wer war der oder diejenige, nach denen Häuser, Straßen, Freizeiteinrichtungen benannt wurden? Welcher Umstand, welche Verdienste, welche Beweggründe waren es, ihre Namen weit über die Zeit hinauszuheben? Fragen, die sich in Wiesbaden und der Region auf Schritt und Tritt ergeben - wenn man sie nur stellt.

Der frühere hessische Gesundheitsminister wurde zum Namensgeber der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken

Die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken auf dem Freudenberg, kurz HSK genannt, kennt jeder in Wiesbaden. Das Krankenhaus der Zentralversorgung mit seinen medizinischen Fachbereichen und Instituten genießt einen ausgezeichneten Ruf nicht nur in der Fachwelt, ist führend in fast allen Disziplinen und obendrein akademisches Lehrkrankenhaus der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Was weniger bekannt sein dürfte: Nach wem die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken benannt sind, wer ihr Namensgeber war. "Dr. Horst Schmidt? Nie gehört" - eine Antwort, die oft zu hören ist, wenn nachgefragt wird. Dass besagter Horst Schmidt einst hessischer Sozialminister war, der sich vehement für den Bau der Kliniken einsetzte und dafür später mit seinem Namen in Erscheinung treten durfte, wissen die meisten der Befragten nicht oder nicht mehr.

Arzt und Politiker

Dr. Horst Schmidt (1925 bis 1976) - wer war dieser Mann, dem die hessische Landeshauptstadt das Entstehen ihres führenden Klinikums mitverdankt? Der gebürtige Sprendlinger, ein deutscher Sozialdemokrat, hatte nach dem Abitur in Frankfurt und Berlin Humanmedizin studiert und 1950 mit der Arbeit "Die Bedeutung des Blutersatzes durch Reinfusion bei Tubargravidität" seine Promotion zum Dr. med. erlangt. Erste berufliche Erfahrungen sammelte der junge Schmidt zunächst als Assistenzarzt in Langen und Offenbach, später als Facharzt für Lungenheilkunde in Winterkasten und Offenbach. Seit 1955 leitete der damals 30-Jährige die Tuberkulose-Fürsorge im Offenbacher Gesundheitsamt. Er wurde zwei Jahre später zum Medizinalrat ernannt und bald darauf Mitglied im Präsidium des hessischen Landesgesundheitsrates, wie sich das Gremium damals nannte.

Früh schon trat Dr. Horst Schmidt der SPD bei. Er übernahm den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Ärzte in Hessen, zog 1961 erstmals in den Deutschen Bundestag ein und vertrat dort drei Wahlperioden lang den Wahlkreis Offenbach. Als ihn der damalige hessische Ministerpräsident Albert Osswald am 3. November 1969 in die von ihm geführte hessische Landesregierung berief, sagte Horst Schmidt sofort zu. Er übernahm im Kabinett das Ressort für Arbeit, Soziales und Gesundheitswesen und damit eine Aufgabe, die er "als für mich geradezu maßgeschneidert" empfand, wie er einmal scherzhaft bemerkte.

In der hessischen Ministerrunde saßen damals auch Johannes Strelitz als Innenminister, Rudi Arndt, der das Ministerium für Wirtschaft und Technik führte, sowie Tassilo Tröscher, der dem Bereich Landwirtschaft und Forsten vorstand. Finanzminister damals war Erwin Lang, Justizminister Karl Hemfler, Kultusminister Ludwig von Friedeburg.

Hessenkliniken als Ziel

Dr. Horst Schmidt, dem hessischen Gesundheitsminister, war während seiner Amtszeit vor allem eines wichtig: Die Entwicklung und den Aufbau der so genannten "Hessenkliniken", die ihm besonders am Herzen lagen, voranzubringen. Mit gleicher Intensität förderte er die Wiesbadener Bemühungen, ein neues Klinikum zu errichten. Auf der Suche nach einem geeigneten Bauplatz hatte sich der Freudenberg als geeignet erwiesen. Das Grundstück, damals noch in Bundesbesitz, wurde von der Stadt erworben. Dr. Horst Schmidt, der Minister, half dabei.

Am 2. Dezember 1976 wurde auf dem Freudenberg der erste Spatenstich für das neue Schwerpunkt-Klinikum der Maximalversorgung mit annähernd tausend Betten getan. Sechs Jahre später, am 18. Oktober 1982, konnte die Fertigstellung gefeiert und das Haus eingeweiht werden. Es war der mit Abstand größte planerische Kraftakt der Landeshauptstadt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dr. Horst Schmidt allerdings, der sich für den Bau der Klinik so tatkräftig eingesetzt hatte, war es nicht mehr vergönnt, den Tag der Einweihung mitzuerleben. Der Minister wurde am 4. Oktober 1976 zum Entsetzen seiner Freunde und politischen Weggefährten Opfer eines schweren Verkehrsunfalls auf der Autobahn Darmstadt-Offenbach. Die besondere Tragik dabei: Er hatte zuvor noch bei einem anderen Unfall zu helfen versucht und bezahlte dafür mit seinem Leben. Die Erinnerung an ihn ist seitdem nie verblasst: Schon der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken wegen, die noch heute seinen Namen tragen.

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

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