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"Wer war eigentlich...": Bischof Wilhelm Kempf?

Sie tragen zwar große Namen, doch ein wenig Unsicherheit ist oft dabei: "Wer war eigentlich...?" Wer war der oder diejenige, nach denen Häuser, Straßen, Freizeiteinrichtungen benannt wurden? Welcher Umstand, welche Verdienste, welche Beweggründe waren es, ihre Namen weit über die Zeit hinauszuheben? Fragen, die sich in Wiesbaden und der Region auf Schritt und Tritt ergeben - wenn man sie nur stellt.

Unter offenem Himmel den Menschen begegnen

Das Tagungs- und Bildungshaus des Bistums bei Naurod trägt den Namen des früheren Limburger Bischofs Wilhelm Kempf

Schon seine Lage ist bemerkenswert und ein Naturerlebnis für sich. Eingebettet in eine wunderbare Waldlandschaft vor den Toren Wiesbadens, empfängt das Wilhelm-Kempf-Haus bei Naurod Besucher und Gäste das ganze Jahr über. Eine moderne, komfortable, gut erreichbare Begegnungsstätte, die kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppen offen steht und in besonderer Weise hohen Tagungs- und Seminaransprüchen genügt. Das Tagungshaus mit seiner lichtdurchfluteten, großzügigen Bauweise, für die es 1985 den Architekturpreis des Landes Hessen erhalten hatte, gilt als zentraler Treff und Bildungsstätte des Bistums Limburg, die seit Juli dieses Jahres von Sonja Niedermaier-Schneider geleitet wird. Benannt ist sie nach dem früheren Limburger Bischof Dr. Wilhelm Kempf, der das Haus als Stätte geistiger Auseinandersetzung und des offenen Dialogs einst geplant hatte.

Offener Himmel

"Unter einem offenen Himmel den Menschen begegnen": Die Intention des Bischofs, der zu seiner Zeit eine der profiliertesten Erscheinungen des deutschen Nachkriegs-Episkopats war, spiegelt sich noch heute in einem durchgehenden Glasdach über der zentralen "Straße" der Tagungsstätte wieder, das die Sicht des Himmels zulässt. Um die "Straße" herum sind Räume zum Arbeiten, Orte der Meditation und des Gebets, aber auch Plätze für Entspannung und Geselligkeit gruppiert worden, so wie der Bischof dies gewollt hatte.

Wer war dieser Wilhelm Kempf, dessen Andenken nicht nur in der katholischen Kirche unverändert hoch in Ehren gehalten wird? Er war ein kommunikativer, fortschrittlicher, dabei tieffrommer Bischof, der vielen Christen als "geistlicher Hoffnungsträger" galt, wie es einer seiner evangelischen Weggefährten einmal formulierte. Ein Mann der Kirche, der zuhören, mitfühlen konnte und in seinem Verständnis für Andersdenkende weit, oft sehr weit ging und sich nicht beirren ließ. Ein Wesenszug, der typisch für ihn war und seine ganze Haltung auch gegen größten Widerstand in der Kirche selbst prägte und bestimmte.

In Wiesbaden aufgewachsen

Wilhelm Kempf (1906 bis 1982), ein gebürtiger Wiesbadener, der Zeit seines Lebens mit Stolz auf seine Vaterstadt blickte, war der älteste von vier Söhnen eines Wiesbadener Mittelschul-Rektors. Er wuchs in Wiesbaden auf, studierte später am Fuldaer Priesterseminar, an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sowie an der Frankfurter philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen der Jesuiten Philosophie und katholische Theologie.

Am 8. Dezember 1932 empfing Wilhelm Kempf um Dom zu Limburg die Priesterweihe und übernahm seine erste Seelsorgestelle als Kaplan in Hohen-Schönberg (Westerwald). Er wurde später Hauskaplan im Kloster Tiefenthal und Rektor am St. Josephshaus in Dernbach, ehe er 1936 das Amt eines Geheimsekretärs beim damaligen Limburger Bischof Dr. Antonius Hilfrich übernahm.

Es war die Zeit des Nationalsozialismus, in der sich auch die katholische Kirche Verfolgungen und Bedrängnissen ausgesetzt sah. Viele Menschen im Bistum Limburg, Geistliche und Laien, leisteten dagegen Widerstand, und Wilhelm Kempf war einer von ihnen. Bischof Antonis Hilfrich, der in seinem Geheimsekretär einen zuverlässigen, von brennender Gerechtigkeitsliebe erfüllten Mitarbeiter hatte, protestierte in aller Schärfe gegen die Ermordung geistig behinderter Menschen in der Heilanstalt Hadamar. Auch sein Nachfolger Ferdinand Dirichs, in der NS-Zeit Jugendpfarrer, galt als treibende Kraft des Klerus im Widerstand.

Mann des Aufbruchs

Wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Wilhelm Kempf als Kaplan an die Frankfurter Innenstadt-Pfarrei St. Antonius versetzt und amtierte bis 1949 als Pfarrer in Frankfurt-Heilig-Geist. Dann das Jahr 1949: Für Wilhelm Kempf eine Zeit des Neuanfangs und weitreichender Veränderungen, die sich abzuzeichnen begannen. Nachdem ihn das Frankfurter Domkapitel gewählt hatte, ernannte ihn Papst Pius XII. am 28. Mai zum Bischof von Limburg; zwei Monate später bereits empfing Kempf im Limburger Dom die Bischofsweihe.

Bischof Wilhelm Kempf trug die Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils, zu dessen fünf Subsekretären er zählte, ins Bistum, das - obwohl klein an Fläche und Katholikenzahl - schon bald eine herausragende Stellung gewann. In seiner Amtszeit wurde die Liturgiereform umgesetzt und eine neue synodale Struktur des Miteinanders von Priestern und Laien erarbeitet. Aber auch die Förderung der Kirchenmusik behielt der Bischof, der die Limburger Domsingknaben gründete und 1976 zum Wiesbadener Ehrenbürger ernannt worden war, stets im Auge. Als Wilhelm Kempf am 9. Oktober 1982 in seiner Heimatstadt Wiesbaden starb, trug das ganze Bistum Trauer. Der Bischof wurde im Limburger Dom beigesetzt. Als Vermächtnis geblieben ist seine Lebensmaxime: "testimonium veritati - der Wahrheit Zeugnis geben!"

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

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