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"Wer war eigentlich...": Wilhelm von Opel?

Sie tragen zwar große Namen, doch ein wenig Unsicherheit ist oft dabei: "Wer war eigentlich...?" Wer war der oder diejenige, nach denen Häuser, Straßen, Freizeiteinrichtungen benannt wurden? Welcher Umstand, welche Verdienste, welche Beweggründe waren es, ihre Namen weit über die Zeit hinauszuheben? Fragen, die sich in Wiesbaden und der Region auf Schritt und Tritt ergeben - wenn man sie nur stellt.

Er liebte Wiesbaden - Die Stadt verdankt dem Automobil-König und Mäzen nicht nur das Bad auf dem Neroberg

Seinen Namen kennt die ganze Welt, "seine" Autos auch. Die Wiesbadener kannten und erlebten Wilhelm von Opel vor allem als Alters- und Ruheständler, der seine Wahlheimat Wiesbaden über alles liebte und ihr Geschenke machte, die bis heute mit seinem Namen verbunden sind: Zum Beispiel das hoch über der Stadt gelegene Opelbad, das im nächsten Jahr bereits 75 Jahre alt wird und vielen Besuchern als eine der schönsten und charaktervollsten Freiluft- und Schwimmlandschaften gilt, die Deutschland zu bieten hat. Attraktive, ansprechende Bäder gibt es auch anderswo, doch keines, das über und eine so unvergleichliche Lage und einzigartiges Ambiente verfügt wie das Opelbad auf dem Neroberg.

Dabei waren die Voraussetzungen, ein solches Bad zu schaffen, Anfang der 30er Jahre alles andere als rosig: Die Stadtkasse leer, Wiesbaden eine Notstandsgemeinde, deren ungünstige Wirtschaftslage sich weit unter dem Reichsdurchschnitt bewegte - da war auch nicht der geringste finanzielle Spielraum, um aufwendige Badeanlagen zu schaffen.

Rettendes Darlehen

Hätte es damals nicht jenen großzügigen, verdienstvollen Mäzen in Gestalt des Fabrikbesitzers Wilhelm von Opel gegeben, der das Badeprojekt auf dem Neroberg nach Kräften förderte, Wiesbaden hätte sich den Luxus eines solchen Schwimmbadbaues angesichts der finanziellen Zwänge niemals leisten können. So aber konnte die Stadt auf die für damalige Verhältnisse gewaltige Stiftungssumme von 100 000 Mark und ein Darlehen von 150 000 Mark zurückgreifen, um ihr Vorhaben zu realisieren. Wilhelm von Opel, der Auto-Industrielle mit dem großen Herzen, der seit 1928 in Wiesbaden lebte, hatte es möglich gemacht. Sogar die beträchtliche Restschuld von rund 50 000 Mark, die auf dem Opelbad-Darlehen lag, erließ der großzügige Freund und Förderer der Stadt. So konnte das Projekt schließlich vorangetrieben werden, auch wenn es um das von Opel finanzierte Freiluft-, Schwimm-und Sonnenbad am Südhang des Nerobergs zunächst Querelen und erbitterte Diskussionen innerhalb der städtischen Körperschaften gegeben hatte. Eine Wiesbadener Eigenart, die sich wie ein roter Faden durch die Historie der Stadt zieht und noch heute ausgeprägt ist. Während die einen den Standort Neroberg als "völlig ungeeignet" ablehnten, propagierten andere das Nerotal als für ein Schwimmbad geeignet. Wieder andere, die das Aukammtal als Standort ins Gespräch brachten, bewiesen zumindest Weitsicht; denn an eben jener Stelle sprudelt heute das Thermalbad.

Stiftungen für die Stadt

Dass sich am Ende der kontrovers geführten Diskussionen schließlich der Neroberg als Bauplatz durchsetzte, erfreute vor allem seinen Stifter, denn der - inzwischen zum Wiesbadener Ehrenbürger ernannt - hatte von Anfang an auf ein "Bad am Berg" gesetzt. Das wurde am 16. Juni 1934 endgültig seiner Bestimmung übergeben und sogleich als "Jahrhundertereignis" gefeiert. Allerdings ließ es Wilhelm von Opel, der seit 1895 Mitinhaber der Opelwerke Rüsselsheim und bis 1929 deren Generaldirektor war, mit der Opelbad-Finanzierung nicht bewenden. Zahlreiche weitere Stiftungen neben der des Opelbads zeugen noch heute von der Liebe des "alten Geheimrats", wie ihn die Wiesbadener zu nennen pflegten, zu seiner Stadt, die ihm ans Herz gewachsen war. Dazu zählen die Goethewarte auf dem Geisberg, der Goethestein bei Frauenstein, die Schutzhütte auf dem Kellerskopf, die alte Stadion-Tribüne an der Frankfurter Straße, das Klubhaus des Tennis- und Hockeyclubs im Nerotal und viele andere öffentliche Einrichtungen mehr.

Verkauf wie ein Schock

Wilhelm von Opel, der am 13. März 1917 in Darmstadt vom letzten Großherzog Ernst Ludwig zum Geheimrat ernannt und gleichzeitig in den großherzoglich-hessischen Adelsstand erhoben worden war, hatte zwölf Jahre später eine weitreichende Entscheidung zu treffen, die auf viele seiner Zeitgenossen schockierend wirkte: Zusammen mit seinem Bruder Fritz verkaufte er 1929 die Adam Opel AG für insgesamt 154 Millionen Reichsmark an General Motors und überführte sie damit in amerikanische Hände, blieb dem Unternehmen als Aufsichtsrat allerdings bis 1945 verbunden. Das Wiederaufblühen der Rüsselsheimer Opelwerke, "seiner Berufsheimat", in der er als erster das Fließbandverfahren eingeführt hatte, erlebte Wilhelm von Opel nach dem Zusammenbruch nicht mehr. Als der großzügige Wiesbadener Mäzen am 5. Mai 1948 76jährig starb, waren Betroffenheit und Anteilnahme groß. Dennoch: Das Opelbad auf dem Hausberg der Wiesbadener, das nach fast siebeneinhalb Jahrzehnten noch immer den Geist seines Mitgründers und großen Mäzens atmet - es ist  Wihelm von Opels bleibendes Denkmal. Sein finanzielles Meisterstück.

Quelle:

Kurt Buchholz, Journalist und Redakteur des Wiesbadener Tagblatts (†).

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