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Leben in Wiesbaden

Umwelt-Tipp Februar: Augen auf beim Saatgut-Kauf

In diesem Monat beginnt die Gartensaison mit ersten Aussaaten. Die Umweltberatung informiert, worauf beim Kauf von Nutzpflanzensaatgut zu achten ist und was jede Gärtnerin und jeder Gärtner für mehr Vielfalt im Obst- und Gemüsebeet tun kann.

Gärtnern macht glücklich. Das entdecken immer mehr Menschen, die ihr Obst und Gemüse im eigenen Garten, auf dem Balkon oder mit anderen Menschen in Gemeinschaftsgärten anbauen. Weitere Vorteile: Die Nahrungsmittel können pestizidfrei angebaut werden. Sie lassen sich frisch ernten und direkt verzehren und müssen nicht aufwendig in Plastik oder andere Materialien verpackt und transportiert werden. Darüber hinaus kann jede und jeder durch eine bewusste Auswahl von samenfestem Saatgut dazu beitragen, alte schmackhafte Gemüse- und Obstsorten zu erhalten und die Vielfalt zu fördern.

Dramatischer Verlust der Sortenvielfalt

Laut der UN-Organisation Food and Agriculture (FAO) sind in den letzten 100 Jahren 75 Prozent der weltweit erfassten Nutzpflanzensorten unwiderruflich verloren gegangen. In Deutschland ist sogar 90 Prozent der genetischen Vielfalt verschwunden. Wie konnte das passieren?

Hybrid-Saatgut und die Folgen

Die Grüne Revolution der 1960er Jahre war mit ihren industriell entwickelten Hochleistungs- beziehungsweise Hochertragssorten Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite verbesserte sie die Ernährungssituation vieler Menschen weltweit. Auf der anderen Seite wurden viele kleine Pflanzenzuchtbetriebe nach und nach von großen Industrieunternehmen aufgekauft. Die Pflanzenzüchtung und Saatgut-Herstellung fiel damit in die Hände großer (Chemie-)Konzerne. Bis heute produzieren sie Saatgut, das sich nur in großen Mengen weltweit verkaufen lässt und oft nur zusammen mit der entsprechenden Agrarchemie die versprochene Leistung bringt. Das Ergebnis ist eine eingeschränkte Sortenvielfalt mit immer gleichen Früchten, den sogenannten F1-Hybriden. Mit ihrer einheitlichen Form, Farbe und Größe finden wir sie in den Gemüse- und Obstabteilungen der Supermärkte.

In Deutschland werden von mehr als 2500 Apfelsorten nur noch 30 unterschiedliche Apfelsorten gehandelt.

Für den Landwirt ergeben sich aus dem Hybrid-Saatgut Vorteile. Die Ernte ist konstant hoch und das ansprechende Aussehen bietet gute Vermarktungsmöglichkeiten. Der Nachteil: Saatgut aus F1-Hybridpflanzen ist zur Vermehrung ungeeignet und muss deshalb jährlich neu gekauft werden. Außerdem geht durch die übermäßige Verwendung von F1-Hybrid-Saatgut die Sortenvielfalt verloren. Alte Obst- und Gemüsesorten, die sich durch besonderen Geschmack, Nährstoffgehalt oder Standortangepasstheit auszeichnen, findet man kaum noch. Damit besteht auch die Gefahr, dass es immer weniger Nutzpflanzen gibt, die mit den Veränderungen des Klimawandels auf natürliche Weise zurechtkommen.

Mit samenfestem Saatgut Vielfalt bewahren und Zukunft sichern

Im Gegensatz zum industriellen F1-Hybrid-Saatgut waren die Pflanzensorten unserer Vorfahren alle "samenfest" und ließen sich beliebig vermehren. Mit traditionellen Methode wie der Bestäubung durch Insekten, wurden die Pflanzen weitergezüchtet. So entstand über Jahrhunderte eine große Anzahl unterschiedlicher Nutzpflanzensorten, die an die jeweiligen regionalen Bedingungen optimal angepasst waren. Auch heute gilt: Nur ein großer Genpool ermöglicht es, Sorten zu entwickeln, die sich an die Umweltveränderungen anpassen. Zukunftsfähig gärtnern heißt deshalb seltene, samenfeste, ökologisch gezüchtete Sorten anbauen!

Samenfestes Saatgut kaufen

Eine Kennzeichnungspflicht für Hybridsaatgut gibt es nicht. Trotzdem sind Hybrid-Saaten in der Regel mit dem Hinweis F1-Hybrid gekennzeichnet. Auch die Samenfestigkeit ist häufig auf den Packungen vermerkt. "Bio-Saatgut" ist in den meisten Fällen samenfest – dies ist aber nicht zwingend. Bio-Züchter bewahren nicht nur die genetische Vielfalt alter Sorten, sie züchten auch samenfeste neue Sorten, die gute Erträge abwerfen, lecker schmecken und robust sind gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Wer samenfestes Saatgut im Frühjahr kaufen möchte, wird häufig in Bioläden und -Supermärkten fündig. Alternativ und mit deutlich mehr Auswahl kann Bio-Saatgut auch über die unten genannten Bezugsadressen bestellt werden.

Saatgut tauschen und verschenken

Über sogenannte Tauschboxen kann samenfestes Saatgut auch getauscht und verschenkt werden. Mehr Informationen unter "Saatgut-Tausch-Boxen Wiesbaden". Damit die Tauschboxen befüllt werden, braucht es Menschen, die eigenes Saatgut ernten und verpacken. Wie das geht und was es dabei zu beachten gibt, lesen Interessierte in den Arbeitsblättern "Samenernte" und "Saatgut reinigen, trocknen und lagern".

Bezugsadressen für samenfestes Saatgut – (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

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Mit samenfestem Saatgut Vielfalt bewahren wiesbaden.de/ Foto: shutterstock Stanislav71
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