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Leben in Wiesbaden

Umwelt-Tipp Juli: Mini-Solar-Anlagen für den Balkon

Mit steckbaren Solargeräten können endlich auch Mieter und Bewohnerinnen von Eigentumswohnungen umweltfreundlich Strom erzeugen und sich aktiv an der Energiewende beteiligen – ganz ohne eigenes Dach.

Die Energie der Sonne zu nutzen steht jedem frei. Deshalb ist der Betrieb von Mini-Solar-Anlagen legal, soweit die erforderlichen technischen Regeln eingehalten werden.

Mit dem seit Herbst 2017 eingeführten neuen Standard für steckbare Solargeräte ist das normgerechte Anschließen von Solarmodulen für Laien und/ oder Mieter einfacher geworden. Man benötigt lediglich eine Mini-Solar-Anlage - auch plug in Solar, plug in PV Gerät oder Balkonkraftwerk genannt, das aus einem Photovoltaik-Modul (PV), einem Wechselrichter und einem Anschlusskabel mit Stecker plus Montageteilen besteht.

Die Anschlussbedingungen für die Geräte sind allerdings noch nicht einheitlich geklärt, da verschiedene Rechtsauffassungen existieren. Die Umweltberatung bezieht sich mit ihren Empfehlungen zu Mini-Solar-Anlagen auf die Anschlussbedingungen der beiden regionalen Netzbetreiber SW-Netze GmbH beziehungsweise Mainzer Netze GmbH.

Danach können ein bis zwei Photovoltaik-Module in der Regel problemlos an das häusliche Stromnetz angeschlossen werden. Ein physikalisches Prinzip sorgt dann dafür, dass Kühlschrank, Router und andere Dauerverbraucher immer zuerst mit dem im Stromkreis vorhandenen Solarstrom versorgt werden, bevor Strom aus dem öffentlichen in das haushaltseigene Netz eingespeist wird. Produziert das Mini-Kraftwerk dagegen mal mehr Strom als gebraucht wird – zum Beispiel bei Abwesenheit der Bewohner - fließt der Strom ins öffentliche Netz.

Je nach Investition, Lebensdauer und produzierter Strommenge belaufen sich die Kosten für eine Kilowattstunde „selbstgemachten“ Strom auf sechs bis zehn Cent. Stromanbieter auf dem Markt verlangen momentan rund 29 Cent pro Kilowattstunde. Eine kleine Anlage, die zwischen 350 und 800 Euro kostet, kann sich deshalb lohnen, da weniger Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen wird.

Wiesbaden fördert Mini-PV-Anlagen

Über das Förderprogramm Solarstrom unterstützt die Landeshauptstadt Wiesbaden den Anschluss einer Anlage mit bis zu 300 Euro. Voraussetzung ist, dass die Anlage von einem Elektrofachbetrieb fachgerecht montiert, angeschlossen und in Betrieb genommen wird. Außerdem müssen alle Bedingungen der Netzbetreiber erfüllt sein. Ansprechpartner für die Förderung ist die Klimaschutzagentur Wiesbaden.

Anforderungen der Wiesbadener Netzbetreiber

  • Um einen normgerechten Anschluss sicher zu stellen, müssen die Mini-Solar-Anlagen an eine "spezielle Energiesteckdose" (Wieland-Stecker) angeschlossen werden. Eine Schutzkontaktsteckdose wird als nicht ausreichend erachtet.
  • Der Einbau einer Wieland-Steckdose (z.B. Wieland RST20i3) und die Überprüfung des vorhandenen Stromkreises auf ausreichend dimensionierte Leitungen muss von einer Elektrofachkraft vorgenommen werden. Gegebenenfalls müssen die vorhandenen Sicherungen ausgetauscht werden.
  • Wer in Wiesbaden eine Mini-PV Anlage anschließen möchte, benötigt einen modernen Zwei-Richtungszähler. Falls nur ein herkömmlicher (Ferraris-)Zähler vorhanden ist, wird der Austausch von den zuständigen Netzbetreibern kostenfrei vorgenommen.
  • Die Bundesnetzagentur fordert eine Anmeldung der Mini-Anlagen im Marktstammdatenregister.
  • Ebenso müssen die Anlagen beim zuständigen Netzbetreiber selber gemeldet werden. Ansprechpartner für Wiesbaden sind die Stadtwerke Wiesbaden Netz GmbH. Telefon 0611-145 33 04, E-Mail: zaehleranmeldung-stromsw-netzde. Interessierte aus Amöneburg, Kastel und Kostheim wenden sich an Mainzer Netze GmbH. Telefon 06131-12 66 10, E-Mail: infomainzer-netzede.

Bei der Anschaffung zu berücksichtigen:

  • Um die Anlagen dauerhaft auf dem Balkon oder an der Außenfassade zu installieren, wird laut Informationen der Verbraucherzentrale NRW e.V. die Erlaubnis des Vermieters oder der Wohnungseigentümergemeinschaft benötigt. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) e.V empfiehlt lediglich den Vermieter/ die Eigentümergemeinschaft in Kenntnis zu setzen soweit im Mietvertrag oder in der Hausordnung kein ausdrückliches Verbot genannt ist.
  • Die Befestigung der Solarpaneele muss den allgemeinen anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Je nachdem, ob die Anlage am Balkongeländer oder auf einem Garagendach befestigt wird, ist das passende Montagesystem zu wählen.

Je mehr Menschen sich für eine Mini-Solar-Anlage begeistern und ihren Strom selber machen, desto besser. Jede kleine Anlage am Balkon ist auch Zeichen für mehr Klimaschutz und könnte der Solarenergie-Branche einen neuen Schub verleihen.


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