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Buchmesse: Gastland Spanien

Spanien ist dieses Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Aus diesem Anlass hat das Instituto Cervantes eine Auswahl der besten spanischen Dokumentarfilme zur Verfügung gestellt, aus der das Caligari fünf Filme zeigt.
Film Datum Uhrzeit

El ano del descubrimiento

Do, 06.10.

16.15 Uhr

Converso So, 08.10. 18.30 Uhr
Zumiriki Mo, 10.10. 17.30 Uhr
Oscuro y lucientes Fr, 14.10. 18.00 Uhr
Oleg y las raras artes D0, 26.05. 20.00 Uhr

El ano del descubrimiento

Im Jahr 1992 brannte in Spanien nicht nur das Olympische Feuer: Der Film lässt eine vergessene Vergangenheit auferstehen und spielt dabei mit den Konventionen des Dokumentarischen. 500 Jahre nach Gründung des Kolonialreichs und 15 Jahre nach den ersten freien Wahlen nach Franco wollte sich Spanien unbedingt als moderne Nation präsentieren. Luis Lopez Carrasco erinnert an ein anderes 1992: Eines, in dem in Cartagena Proteste gegeneine  Fabrikschließung mehr und mehr eskalierten. 

Einer der kühnsten Dokumentarfilme der letzten Jahre, der in Form eines kollektiven Dialogs die sozialen Auswirkungen der traumatischen industriellen Umstellung der 1990er-Jahre analysiert. In einer typischen Bar treffen sich die Zeuginnen und Zeugen der Ereignisse, um zu rauchen, zu trinken und zu diskutieren: über Klassenbewusstsein und Gewerkschaften, die aktuelle Krise und die Franco-Jahre, das Gestern und die Zukunft.

E/CH 2020, 200 Minuten, FSK ungeprüft, OmU

Converso

Ein Film über die Familie, die Harmonie und etwas noch Schwierigeres: den Glauben. Mehr oder weniger Basiskonzepte, die etwas so Tiefgründiges wie Unaussprechliches zu erklären versuchen: Die Schwestern des Regisseurs konvertieren plötzlich zum Katholizismus, und der Cineast versucht zu erraten, was hinter diesem Mechanismus der persönlichen Transformation steckt. Durch Zerlegung des klassischen Interview-Dokumentarformats (das Doppelspiel des Titels sei nicht zu vergessen; converso, deutsch: Konvertieren leitet sich auch vom Verb conversar, sich unterhalten, ab), setzt der Regisseur sich auf einen Stuhl, der sich in seinen eigenen Beichtstuhl und den der anderen verwandelt, um Fragen vor einem Spiegel aufzuwerfen, der kein anderer ist als der Spiegel des Hauses. 

Spanien 2017, 61 Minuten, FSK ungeprüft, OmU

Zumiriki

"Zumiriki" ist ein autobiografisches Filmgedicht, eine zärtliche Hommage an die untergehende Hirtenwelt der baskischen Pyrenäen: Oskar Alegria hat eine Flussbank geerbt, die in den Fluten eines Stausees verschwunden ist. Gegenüber dieser verschwundenen baut er auf eine andere Flussbank eine Holzhütte und lebt dort für vier Monate mit zwei Hühnern, einem kleinen Gemüsegarten und einer Uhr, die um 11.36 und 23 Sekunden stehen geblieben ist.

Spanien 2019, 122 Minuten, FSK ungeprüft, OmU

Oscuro y lucientes

Der berühmte spanische Maler Francisco de Goya y Lucientes starb während seines französischen Exils im Jahr 1828. Er wurde auf dem örtlichen Friedhof von Bordeaux begraben. Niemand aus Spanien, nicht einmal seine Familie, forderte seinen Leichnam. Jahrzehnte vergingen, bis der spanische Konsul in Bordeaux zufällig das verwahrloste Grab des Künstlers fand. Nach jahrelangem Schriftwechsel erhielt der Konsul schließlich die Erlaubnis, die Leiche zu exhumieren und nach Spanien zu überführen. Doch als das Grab geöffnet wurde, war die Überraschung aller Anwesenden groß: Goyas Kopf war verschwunden.

Spanien/ Frankreich 2018, 83 Minuten, FSK: ungeprüft, OmU

Oleg y las raras artes

Der ukrainische Komponist und Pianist Oleg Nikolaevich Karavaychuk - der sich mit Arbeiten für Film und Theater einen Namen gemacht hat und im Juni 2016 fast neunzigjährig verstarb - spielte, wenn er nicht gerade alles in Grund und Boden redete, alles an die Wand.

Der gebürtige Venezolaner Andres Duque gewann als erster ausländischer Regisseur das Vertrauen des eigenwilligen Künstlers, der in der Öffentlichkeit nie ohne rothaarige Frauenperücke und keck versetzte Mütze unterwegs war, und begleitete ihn auf seinen mäandernden (Gedanken-)Wegen. Unterwegs fängt er jene berauschenden Momente ein, in denen wildpoetische Musik wie aus dem Nichts und scheinbar zufällig entsteht - und alles andere unwichtig macht. Der poetische Film ist eine Ode an das Leben und an die Kunst!

Spanien 2016, 68 Minuten, FSK ungeprüft, OmU