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Stadtlexikon Wiesbaden

Adamantoff, Paul

Adamantoff, Paul (Pawel)

geboren: 25. Juni 1871 in Njewerewo
gestorben: 1. September 1960 in Wiesbaden


Details

Pawel Adamantoff wurde in Njewerewo, einem kleinen Ort in der Nähe von Nischni-Nowgorod geboren. Nach dem Studium an der geistlichen Akademie in Kasan und an der Theologischen Akademie in St. Petersburg wurde er 1896 an die russische Gesandtschaftskirche in Dresden versetzt. Hier heiratete er 1905 die 1879 geborene Marie von Waldenburg aus schlesischem Adel.

Im Juni 1908 kamen Adamantoff und seine Frau nach Wiesbaden, wo er zum Diakon geweiht und dem damaligen Propst Sergius Protopopoff zur Seite gestellt wurde. Zugleich hielt er Vorlesungen an der Universität Frankfurt und erteilte russischen Kindern in Wiesbaden Unterricht. Den Ersten Weltkrieg verlebte Pawel Adamantoff in England wohl bei Verwandten seiner Frau und entging so der Ausweisung aus dem Deutschen Reich. Um 1920 kehrte er nach Wiesbaden zurück.

Als sich Propst Protopopoff 1921 zur Ruhe setzte, erhielt Adamantoff die zweite Priesterweihe und trat seine Nachfolge an. In der Zwischenkriegszeit spielte er eine gewisse Rolle im deutsch-russischen Hochadel. So traute er im November 1927 in Bonn Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe, Schwester des letzten deutschen Kaisers, mit Alexander Zoubkoff und im April 1938 in Schloss Cäcilienhof in Potsdam Prinz Louis Ferdinand von Preußen mit Großfürstin Kyra von Rußland. Bis 1940 war Pawel Adamantoff zuständig für alle orthodoxen Gläubigen im Bereich der damaligen Rheinprovinz sowie Frankfurts.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschränkte sich Adamantoffs Zuständigkeit auf Wiesbaden. Die russische Gemeinde hatte sich erheblich vergrößert und war mit rund 3.000 Gläubigen, überwiegend Flüchtlingen - so genannte Displaced Persons - die größte der sieben russischen Gemeinden in Hessen. Als am 30. Juni 1946 Erzbischof Philotheus zum Oberhirten bestellt wurde, wurde Adamantoff sein Stellvertreter.

Die finanziellen Verhältnisse der Wiesbadener Gemeinde waren nach Kriegsende sehr schwierig geworden. Kirchensteuern standen ihr nicht zu, Einnahmen aus der Besichtigung der Russischen Kapelle, in früheren Zeiten eine wichtige Einnahmequelle, entfielen fast völlig. In zähen Verhandlungen mit dem hessischen Kultusministerium setzte sich Pawel Adamantoff für die zum Teil völlig verarmten Mitglieder ein und erwarb sich dadurch die Verehrung der russischen Gläubigen. 1953 starb Adamantoffs Frau, fortan war ihm seine 1920 geborene Tochter Anastasia eine wichtige Stütze.

Er starb nach 52-jähriger Tätigkeit und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Wiesbaden auf dem Russisch-Orthodoxen Friedhof zu Grabe getragen. Oberbürgermeister Georg Buch legte am Grab einen Kranz nieder, ebenso ein Vertreter des hessischen Kultusministers Ernst Schütte und zahlreiche Geistliche aller Konfessionen.

Literatur