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Stadtlexikon Wiesbaden

Baer, Seligmann

Lehrer, Vorbeter, Hebraist

geboren: 18. September 1825 in Biebrich-Mosbach
gestorben: 27. Februar 1897 in Biebrich


Details

Seligmann Baer wurde als Sohn des Löb Beer (1761-1858) und seiner Ehefrau Caroline (1789 -1862) geboren. Schon als Kind soll er mit der hebräischen Sprache vertraut gewesen sein. Er besuchte von 1831 bis 1839 die Elementarschule in Biebrich. Der Besuch des Pädagogiums in Wiesbaden konnte aus finanziellen Gründen nicht ermöglicht werden. Um sich auf den Beruf eines Religionslehrers vorzubereiten, besuchte er zunächst die Talmudschule des Rabbiners Salomon Igstädter und nahm anschließend Unterricht bei dem Prediger Dr. Benjamin Hochstädter. 1843 legte er die staatliche Prüfung als Religionslehrer ab.

Seine erste Anstellung fand er 1843 in den Gemeinden Niederhofheim und Soden im Amt Höchst. Neben seiner Lehrertätigkeit fungierte er auch als Vorbeter und Vorsänger. Zum 27. Januar 1850 wechselte Baer auf die Lehrerstelle in Heddernheim, mit 62 jüdischen Familien und 320 Seelen die größte jüdische Gemeinde im Herzogtum Nassau.

Trotz seiner ärmlichen Verhältnisse entschloss sich Baer im Jahre 1852, mit Johanna Mühlhaus die Ehe zu schließen, aus der sechs Kinder hervorgingen. 1856 wechselte er zur jüdischen Gemeinde von Biebrich-Mosbach. Dort war er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1894 als Lehrer und Vorbeter tätig.

Neben dieser Tätigkeit nutzte er jede freie Minute zum Studium der Schriften des Alten Testamentes und zur Erforschung der hebräischen Texte. Obwohl er keine Universität besuchen konnte, hat er so Bedeutendes geleistet, dass er als einer der größten „Schriftgelehrten" seiner Zeit galt.

Bereits 1852 legte Baer sein erstes wissenschaftliches Werk "Torath Emeth" (= Lehre der Wahrheit) vor. Diese Schrift erregte die Aufmerksamkeit des Leipziger Alttestamentlers Franz Delitzsch, der Baer zu wissenschaftlichen Forschungen und Veröffentlichungen anregte. Er sorgte dafür, dass Baers Werke in einem anerkannten wissenschaftlichen Verlag veröffentlicht wurden.

Von 1869 bis 1895 veröffentlichte er in 14 Bänden eine textkritische Bibelausgabe. Daneben legte er eine Vielzahl von wissenschaftlichen Werken, von liturgischen, synagogalen und rituellen Schriften sowie Gebetbüchern vor.

Wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste wurde Seligmann Baer von der Universität Leipzig im November 1876 zum Dr. phil. promoviert. 1877 wurde er Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Die Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. gewährten ihm jährlich 1.000 Mark Unterstützung. Anlässlich seines 50-jährigen Lehrerjubiläums 1894 erhielt er den Kronenorden 4. Klasse. Im Juni 1882 wurde ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt Biebrich am Rhein verliehen.

Sein Grab befindet sich noch heute auf dem jüdischen Teil des Biebricher Friedhofs. Am 18. September 1925, aus Anlass seines 100. Geburtstages, wurde an seinem Geburtshaus in der Straße Am Schlosspark eine Gedenktafel enthüllt.

Literatur