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Stadtlexikon Wiesbaden

Caligari FilmBühne

In der Caligari FilmBühne, dem kommunalen Kino Wiesbadens, stehen heute rund 18 bis 20 Vorstellungen pro Woche auf dem Programm. Regelmäßig finden in seinen Räumen überregionale Filmfestivals statt. Ihren Anfang nahm die Geschichte des Kinos im Jahr 1980, als im „Archivkino Caligari“ einmal wöchentlich filmhistorische Raritäten gezeigt wurden. Seitdem erhielt das Kino zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1989 den Wiesbadener Kulturpreis.

Details

Die Caligari FilmBühne ist das kommunale Kino in Wiesbaden und wird vom Kulturamt der Landeshauptstadt betrieben. Der Name Caligari stammt aus dem Meisterwerk des expressionistischen Stummfilms "Das Kabinett des Dr. Caligari" (D 1919) von Robert Wiene aus dem Jahr 1919.

Das Lichtspieltheater ist bekannt für sein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm. Das europäische Kino, der deutsche Film und die Filmgeschichte werden ebenso gepflegt wie internationale Arthouse-Produktionen, der Dokumentarfilm, der Kinderfilm und der Kurzfilm. In der Regel werden die Filme in Reihen präsentiert, z.B. “Geschichten aus dem Orient”, “Mensch & Maschine“ und “Ciné en vogue - Aktuelles französisches Kino”. In Werkschauen wird das Oeuvre ausgewählter Regisseure und Darsteller vorgestellt. Nach Möglichkeit werden die Filme in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt. Die Reihe “Filmstadt Wiesbaden” lenkt den Blick auf die Werke der Filmschaffenden in Wiesbaden. Stummfilme mit Live-Musik werden einmal im Monat vom Deutschen Filminstitut - DIF e.V. präsentiert. Mit dem „Traumkino für Kinder“ und mit Schulveranstaltungen wird der Nachwuchs an die Filmkunst herangeführt. Internationale Filmfestivals (Filmfeste) und Veranstaltungen mit Gästen aus der Filmwelt sind die Highlights im Repertoire des Caligari.

Das ehemalige "Ufa im Park" wurde 1926 als Stummfilmtheater in neogotischem Stil erbaut. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus von den Amerikanern genutzt. Eine grundlegende Umgestaltung nach Plänen des Architekten Ludwig Goertz erfolgte 1955. Aus dieser Zeit stammt die bis heute erhaltene einmalige und denkmalgeschützte Innenarchitektur. Durch eine Erbschaft kam das Haus in den 1970er-Jahren in die Hände der Stadt Wiesbaden und diente während des Umbaus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden als Ausweichquartier für das Schauspiel.

Am 16. April 1980 eröffnete das Deutsche Institut für Filmkunde - DIF e.V. unter der Leitung von Dorothea Gebauer das "Archivkino Caligari". Einmal wöchentlich standen filmhistorische Raritäten, nicht nur aus dem eigenen Archiv, auf dem Programm. 1989 wurde Dorothea Gebauer für das Archivkino Caligari mit Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Bis in die 1990er-Jahre teilte sich das Caligari die Spielstätte mit den Boulevard-Theatern “Rheingauer Volkstheater” und “Komödie am Park”, wodurch der Kinobetrieb nur eingeschränkt möglich war.

Im September 1990 startete das Kulturamt der Stadt Wiesbaden unter der Leitung von Jutta Beyrich sein kommunales Filmprogramm und das “Traumkino für Kinder”, zunächst mit einem Spieltag pro Woche. Der Kinobetrieb konnte seitdem kontinuierlich ausgebaut werden. Das Filmfestival “exground on screen” (heute: exground filmfest) fand 1991 erstmals im Caligari statt. In einem internen Wettbewerb “Corporate Design für die Caligari FilmBühne” in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wiesbaden (Hochschule RheinMain), Fachbereich Gestaltung, entstanden 1995 das Logo und das Programmheft-Konzept. Das Jubiläum “100 Jahre Kino” (1995) wurde unter dem Motto “Rote Rosen & weißer Flieder - Die Blütezeit der Filmstadt Wiesbaden” mit in Wiesbaden produzierten Filmen aus den 1950er-Jahren gefeiert. In der “Filmreihe Volker Schlöndorff” wurden 1996 nahezu alle Filme des in Wiesbaden geborenen Oscar-Preisträgers präsentiert. Zum Eröffnungsfilm “Die Blechtrommel” war Schlöndorff persönlich zu Gast im Caligari. In einem Brief an die Stadt schrieb er damals: “Das alte Ufa-Haus ist ein Juwel und eine absolute Seltenheit unter den deutschen Lichtspielhäusern. Ich möchte mich gerne mit Ihnen dafür einsetzen, dass die Stadt die Substanz dieses einmaligen Bauwerkes rettet, restaurieren lässt und mit der entsprechenden Technik ausrüstet.”

Dem Lob aus so kompetenter Feder folgten schließlich Taten. Zum Jahrtausendwechsel 1999/2000 hat die Stadt Wiesbaden das Caligari für rund 3,5 Millionen D-Mark renoviert. Seitdem präsentiert sich das kommunale Kino in seinem prachtvollen Gewand. Der in Schwarz gehaltene Kinosaal mit seinen goldenen Dekors und der geschwungenen Wellendecke bietet Kinogenuss mit viel Atmosphäre. Im Parkett und auf dem Rang gibt es insgesamt 427 komfortable rote Kinosessel. Die Kinotechnik wurde modernisiert und das Foyer erhielt einen neuen Look. Für die besonders gelungene Umsetzung des Umbaus im Sinne des Denkmalschutzes wurde das Architekten-Team – Brigitte Böke und Hardmuth Sonntag - 2001 mit dem Preis der Hessischen Denkmalschutzbehörde ausgezeichnet.

Am 3. November 2000 fand die feierliche Wiedereröffnung der Caligari FilmBühne mit einem Kurzfilmprogramm vor ausverkauftem Haus statt. Seitdem ist das Caligari ein täglich spielendes kommunales Kino mit rund 18 bis 20 Vorstellungen pro Woche. Das kommunale Kino ist auch Forum für eine Reihe von Filminitiativen und Kooperationspartnern, darunter das Deutsches Filminstitut - DIF e.V., Wiesbadener Kinofestival e.V., Nueva Nicaragua e.V., Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Medienzentrum Wiesbaden e.V. und die Deutsch-Französische Gesellschaft. 2005 begann die Ära des digitalen Kinos im Caligari im Rahmen des Pilotprojekts “Delicatessen - Kinokultur digital”. Jedes Jahr finden überregionale Filmfestivals in der Caligari FilmBühne statt, darunter das exground filmfest und das goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films. Seit 1998 wurde das Caligari jährlich für die herausragende Programmgestaltung mit dem Hessischen Filmkunstpreis ausgezeichnet. Weiterhin erhielt es den Kinopreis des Kinematheksverbundes in den Jahren 2001, 2005, 2007, 2009, 2010 und 2011.

Verweise