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Stadtlexikon Wiesbaden

Judo Club Wiesbaden 1922 e.V.

Zu Beginn der 1920er-Jahre kam der Polizist Otto Schmelzeisen mit Jiu-Jitsu in Berührung und gründete anschließend einen der ersten Vereine, die sich in Deutschland dieser Sportart widmeten.

Details

Der Judo Club Wiesbaden (JCW) wurde 1922 von Otto Schmelzeisen als „Jiu-Jitsu-Club Wiesbaden“ gegründet, und 1950 in seinen heutigen Namen umgetauft. Er ist neben dem Judo-Club Frankfurt am Main und dem Berliner Jiu-Jitsu-Club einer der ältesten Judo-Vereine Deutschlands.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Gründungsvater Schmelzeisen seinen Verein ein zweites Mal auf. Die Alliierten hatten den Kampfsport zunächst verboten, erst 1948 war die Ausübung wieder erlaubt. Schmelzeisen führte den Judo-Club noch bis 1954. Seit 1975 führt der JCW den Zusatz: „Fachverein für Budosportarten“.

Budo ist der Sammelbegriff aller japanischen Kampfsportarten, Selbstverteidigungsformen und Waffenkünste. Dazu gehören auch Aikido, Karate, Kendo und Kyudo. All diese Bewegungsformen waren in ihren Ursprüngen Kriegskünste der japanischen Feudalzeit, und werden noch heute in sportlicher Form beim JCW ausgeübt. Die geistige Grundlage ist der Zen-Buddhismus. Übersetzt heißt Budo: „Der Weg des Ritters“. Man muss allerdings kein fernöstlicher Philosoph sein, um Judo oder andere Budosportarten auszuüben; schließlich sollten die „neun Gebote“ genannten Budo-Regeln auch im europäischen Alltag nicht unbekannt sein: Respekt, Höflichkeit, Wertschätzung, Selbstbeherrschung, Hilfsbereitschaft, Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Mut, Bescheidenheit.

1951 organisierte der JCW die erste Judo-Großveranstaltung nach dem Krieg. Damals kamen der Präsident der internationalen Judo-Federation, Risei Kano, Sohn des Begründers des modernen Judo, Jigoro Kano, sowie weitere weltbekannte Judomeister nach Wiesbaden. Das ausverkaufte Kurhaus (Kurhaus, neues) bildete die glanzvolle Kulisse der Veranstaltung, die ein nachhaltiges Echo in der Öffentlichkeit fand und dem Judosport in Wiesbaden seine gesellschaftliche Stellung sicherte. Ende der 1950er-Jahre beschritt der JCW bereits den „zweiten Weg“ und bot Kurse für Judo und Selbstverteidigung auch für Nichtmitglieder an.

1970 qualifizierte sich die Herren-Mannschaft des JCW für die Judo-Bundesliga, der sie heute noch angehört. Dritte Plätze in den Jahren 1973, 1981, 1982 und 1998 waren die besten Platzierungen des Teams. Aus finanziellen Gründen wurde 2005 der Rückzug der Damen-Mannschaft aus der Bundesliga beschlossen, der sie seit 1991 angehört hatte. Im Jahr 2012 hat sich das neu gebildete Team die Meisterschaft in der zweiten Liga gesichert und somit die Rückkehr in die Bundesliga geschafft.

Konkurrenz entstand zwischenzeitlich in der eigenen Stadt, denn seit 1999 wird auch bei „Kim-Chi“ Wiesbaden Judo angeboten, und das mit einigem Erfolg: die Damen sind seit 2007 in der Bundesliga angesiedelt.

Aus den Reihen des JC Wiesbaden stammen mehrere Deutsche Judo-Meister, darunter der spätere Präsident Rudi Sanner, Jürgen und Martin Grasmück sowie Patric Nebhuth, der heute das Bundesligateam trainiert. Herausragender Kämpfer ist derzeit Alexander Wieczerzak, der 2010 Junioren-Weltmeister in der Klasse bis 73 Kilogramm wurde.

Werner Ruppert errang in den 1960er-Jahren vier deutsche Meistertitel, trainierte von 1971 bis 1994 die Bundesligamannschaft und fungierte von 1978 bis 1985 auch als Damen-Bundestrainer. Mario Staller ist 2008 sogar Weltmeister im Ju-Jutsu geworden.

1973 zählte der Verein 1000 Mitglieder, darunter 70 Prozent Jugendliche. Im Jahr 2009 sind es noch 780 Mitglieder, wovon 370 der Judo-Abteilung angehören. Zweitgrößte Sparte ist Ju-Jutsu vor Karate. Auch im Seniorensport ist der Verein aktiv und weiß einige Welt- und Europameister in seinen Reihen. Seit 1989 hat der JCW sein Domizil in der Sporthalle am Konrad-Adenauer-Ring. Der große Übungsraum (Dojo) wurde 1997 nach Otto Schmelzeisen benannt.

Literatur