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Stadtlexikon Wiesbaden

Kolb, Oskar

Maler, Kunstpädagoge

geboren: 14. November 1923 in Ratzenried bei Wangen im Allgäu
gestorben: 24. September 1998 in Wiesbaden


Details

Nach einer Ausbildung als Maler bei O. Briegel in Wangen und der Absolvierung des Militärdienstes besuchte Kolb die Meisterschule des Malerhandwerks in Reutlingen. 1945 heiratete er in Wiesbaden die hier gebürtige Gerdi Lieglein, doch erst 1949 ließ sich das Paar endgültig in Wiesbaden nieder. Nach dem Besuch von Abendkursen an der Werkkunstschule Wiesbaden wurde Kolb zunächst Assistent von Vincent Weber, dann Leiter der Abteilung Malerei und schließlich Dozent an der Fachhochschule Wiesbaden (Hochschule RheinMain), in der die Werkkunstschule 1971 aufgegangen war. Hier lehrte er bis 1980 als Professor im Fachbereich Gestaltung. Ab 1981 leitete er an der Wiesbadener Freien Kunstschule (wfk) bis in die 1990er-Jahre hinein den Fachbereich Kunstbetrachtung.

1954 trat Kolb in die Künstlergruppe 50 ein. 1957 entstanden unter seiner Mitarbeit bei Vincent Weber die Glasfenster der Friedrich-List-Schule in Wiesbaden. 1960 schuf er ein Mosaik im Eingangsbereich der Turnhalle der Oranienschule. Er entwarf eine Fassadengestaltung für die Adalbert-Stifter-Schule, die Symbolisierung des Lehrsatzes des Pythagoras (1963), und 1969 die malerische Gestaltung einer noch erhaltenen Lern- und Spielwand in der Comeniusschule. In den folgenden Jahren wurde er Preisträger zahlreicher Wettbewerbe für Umweltgestaltung und erhielt bis in die 1980er-Jahre hinein Aufträge der öffentlichen Hand. Darüber hinaus war sein Werk regelmäßig in zahlreichen Einzel-, Gruppen- und Wanderausstellungen im In- und auch im Ausland präsent. So nahm er bereits 1957 in Paris an der „Biennale 57“ zum Thema „Jeune Peinture – Jeune Sculpture“ im Palais de Marsan, Louvre, teil. Kolb hinterließ ein umfang- und facettenreiches künstlerisches Werk. Neben der genannten Kunst am Bau sind Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Ölgemälde und Gedichte überliefert. Zu Beginn seines malerischen Schaffens standen in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre Stillleben, Landschaften und Interieurs, deren Gegenständlichkeit er bis zum Beginn der 1950er-Jahre immer mehr abstrahierte. Es folgten eine konstruktive und auf diese eine informelle, lyrisch-abstrakte Phase Ende der 1950er-Jahre. Intensiv setzte er sich vor allem mit den Kunsttheorien Adolf Hölzels und der Meister des Bauhauses, aber auch mit zeitgenössischen Kunstströmungen auseinander. Neben der Form gewann die Farbe immer mehr an Bedeutung. In der Folge entstanden großformatige Bildkompositionen mit differenzierten Farbklängen, mal dunkel-meditativen, mal intensiv-leuchtenden Charakters. (vgl. Groos)

Über Jahrzehnte prägte Kolb die Kunstszene Wiesbadens ganz wesentlich und so wurde ihm als erstem Künstler in Wiesbaden 1984 der Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen. Seine Werke befinden sich vor allem in privatem, aber auch in öffentlichem Besitz. Zum Beispiel erwarb das Kulturamt Wiesbaden zwischen 1978 und 2008 zwölf Arbeiten für die Artothek Wiesbaden. Nach Kolbs Tod fand im Dezember 1999 eine große Retrospektive im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden e. V. statt. 2008, in seinem 10. Todesjahr, präsentierte die Artothek zu seinen Ehren ebenfalls eine Werkauswahl von Bildern aus den Jahren 1947 bis 1998. Die vorerst letzte Ausstellung, „Klang des Geistes“, eine Präsentation der 50-jährigen Schaffensperiode Kolbs, widmete ihm 2013 die Wiesbadener Freie Kunstschule (wfk). Der Nachlass des Künstlers wird von den Erben verwaltet. Sein Grab befindet sich auf dem Wiesbadener Südfriedhof.

Literatur