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Stadtlexikon Wiesbaden

May, Ernst

Architekt, Stadtplaner

geboren: 27. Juli 1886 in Frankfurt am Main
gestorben: 11. September 1970 in Hamburg


Details

Der Sohn eines Lederfabrikanten studierte von 1907 bis 1913 Architektur am University College London, an der Technischen Hochschule Darmstadt sowie bei Friedrich von Thiersch und Theodor Fischer an der Technischen Hochschule München. Seit 1914 war er selbstständiger Architekt in Frankfurt. 1919 wurde er technischer Leiter der Schlesischen Landgesellschaft in Breslau, wo er für den Aufbau bäuerlicher Siedlungen zuständig war. 1925 wurde er als Stadtbaurat und Leiter des Hochbau- und Siedlungsamtes nach Frankfurt berufen. Er ließ ein Zehn-Jahres-Programm zur Behebung der Wohnungsnot erstellen und setzte es bis zur Weltwirtschaftskrise um: Trabantensiedlungen und Mischbebauungen mit typisierten Kleinwohnungen und ein rationalisierter Bauprozess ermöglichten niedrige Mieten, angemessenen Komfort, Freiraumbezug und Durchgrünung. „Das Neue Frankfurt“ – so der Titel einer von May gegründeten Zeitschrift – galt als Verwirklichung des sozialen Anspruchs im Neuen Bauen der Weimarer Republik.

1930 wurde May als Stadtplaner für neue Industriestädte in der UdSSR berufen; seine Entwürfe wurden aber kritisiert. Von 1934 bis 1953 lebte er als Farmer und Architekt in Kenia. Von 1954 bis 1956 war er Leiter der Planungsabteilung der Neuen Heimat in Hamburg. Seit 1957 wirkte er als selbstständiger Architekt, Städteplaner und Berater der Neuen Heimat u.a. in Bremen und Mainz.

1961 wurde er Planungsbeauftragter für Wiesbaden und erstellte für die Stadt einen Generalbebauungsplan, den er am 5. Juli 1962 der Stadtverordnetenversammlung vorstellte. Als neue Wohnsiedlungen (Großsiedlungen) plante May Klarenthal, Schelmengraben, Am Parkfeld in Biebrich und Wolfsfeld in Bierstadt, die schrittweise realisiert wurden. Der Plan zeigte Mays Prägung durch das Bauen in den 1920er-Jahren, das sich bewusst von der Architektur der wilhelminischen Zeit abgesetzt hatte. Aus dieser Zeit war in Wiesbaden viel Bausubstanz erhalten, mit der May radikal verfahren wollte. Das Bergkirchenviertel sollte – bis auf die Bergkirche – abgerissen und durch moderne Wohnbauten in aufgelockerter Bauweise mit einzelnen Hochhäusern ersetzt werden. Anstelle des Villengebietes östlich der Paulinenstraße und Mainzer Straße sollten Verwaltungshochhäuser entstehen: eine neue Bürostadt namens „City Ost“. Zu deren Erschließung sollte südlich des Warmen Damms die S-Bahn-Verbindung zur Frankfurter Hauptwache beginnen. Der Baublock zwischen Wagemannstraße und Grabenstraße (Schiffchen) sollte zugunsten von Parkflächen niedergelegt werden.

Diese Pläne wurden nicht umgesetzt. Vor allem in Klarenthal zeigten sich die sozialen Probleme einer neuen Trabanten-Siedlung sehr bald, deshalb blieb das Bergkirchenviertel mit seinem gewachsenen Wohnumfeld erhalten und wurde saniert. Gegen die „City Ost“-Pläne entstand eine Bürgerinitiative, die die Erhaltung als Wohn- bzw. Mischgebiet durchsetzen konnte.

Unter den zahlreichen Ehrungen, die Ernst May erfuhr, waren 1954 das Große Bundesverdienstkreuz und 1966 die Ehrenplakette der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Literatur