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Stadtlexikon Wiesbaden

Oertel, Curt

Kameramann, Regisseur, Produzent, Funktionär

geboren: 10. Mai 1890 in Osterfeld (Thüringen)
gestorben: 1. Januar 1960 in Limburg


Details

Der Sohn eines Kunstverlegers und Fotografen begann als Dreizehnjähriger eine Fotografie-Ausbildung in München, arbeitete von 1907-1910 in Berliner Fotoateliers und gründete danach eine eigene fotografische Kunstwerkstätte. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Luftbeobachter eingesetzt und studierte anschließend in Berlin Kunstgeschichte. Zum Film kam er 1925 als zweiter Kameramann von G.W. Papsts “Die freudlose Gasse“. Es folgten weitere Arbeiten als Kameramann u.a. für Papst (u.a. in “Geheimnisse einer Seele“), Erwin Piscator (für dessen Theaterproduktion “Hoppla, wir leben!“ er 1927 die filmischen Sequenzen drehte) und Georg Asagaroff (“Revolte im Erziehungshaus“).

1932 drehte er gemeinsam mit Rudolf Bamberger einen Kurzfilm über die Skulpturen des Naumburger Doms: “Die steinernen Wunder von Naumburg“. Im Jahr darauf inszenierte er gemeinsam mit Hans Deppe die Theodor-Storm-Verfilmung “Der Schimmelreiter“, gefolgt von “Pole Poppenstäler“ (1935), in dem er erstmals allein Regie führte.

Sein bevorzugtes Genre wurde in den darauf folgenden Jahren der so genannte Kulturfilm. Als sein in dieser Hinsicht bedeutendstes Werk gilt “Michelangelo (1938-40), das in einer gekürzten und überarbeiteten Fassung 1951 (unter dem Titel “The Titan“) einen Oscar erhielt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam er auf Einladung des damaligen Oberbürgermeisters Hans Heinrich Redlhammer nach Wiesbaden, um hier, in Abstimmung mit den US-Besatzungsbehörden, die Neuorganisation deutscher Filminstitutionen zu koordinieren. Unter seiner Federführung entstand die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie (FSK), die die staatliche Zensur bzw. die alliierten Kontrollkommissionen ablöste, und die im Oktober 1949 unter seinem Vorsitz in Schloss Biebrich ihre Arbeit aufnahm. Im gleichen Jahr zog auch das Archiv für Filmwissenschaft, das mit der Unterstützung Curt Oertels seit 1948 seinen Sitz in Wiesbaden hatte, ins Schloss Biebrich ein. Das Archiv für Filmwissenschaft wurde 1949 in das Deutsche Institut für Filmkunde (DIF) umbenannt (heute Deutsches Filminstitut), an dessen Gründung er ebenfalls beteiligt war. Das Filmarchiv des Deutschen Filminstituts befindet sich auch heute noch in Wiesbaden.

Nachdem Produzenten, Verleiher und Theaterbesitzer den Sitz ihrer Verbände nach Wiesbaden verlegt hatten, wurde er am 4. Oktober 1950 zum Präsidenten ihrer Dachorganisation, der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) gewählt, trat aber drei Tage später von allen Ämtern zurück, nachdem missverständliche Interviewäußerungen von ihm über angeblich nationalistische Tendenzen in der deutschen Filmindustrie zu einer Kontroverse über seine Person geführt hatten.

Er unterstützte die Übersiedlung der Aktiengesellschaft für Filmfabrikation (AFIFA) von Berlin nach Wiesbaden und trug damit wesentlich zum Aufschwung Wiesbadens als Filmstadt während der 1950er-Jahre bei. Schließlich unterstützte er die sich etablierende bundesdeutsche Filmclub-Bewegung und realisierte mit seiner in Wiesbaden ansässigen “Curt Oertel Filmstudiengesellschaft mbH“ eigene Kulturfilm-Projekte.