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Stadtlexikon Wiesbaden

Schiersteiner Kantorei

Die Schiersteiner Kantorei bereichert seit über 50 Jahren das Wiesbadener Musikleben. Im Zentrum der Chorarbeit stehen Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Im Jahr 1990 erhielt der Chor den Wiesbadener Kulturpreis.

Details

Schiersteiner Kantorei heißt der Kirchenchor der evangelischen Christophorusgemeinde in Wiesbaden-Schierstein. Sie wurde 1962 von Pfarrer Lothar Adam und Kantor Johannes Krüger neu gegründet. Seit 1972 wird sie geleitet von Kantor Martin Lutz (geb. 1950, seit 2009 Professor an der Universität Mainz). Unter ihm entwickelte sich die Schiersteiner Kantorei zu einem Laienchor, der sowohl dem a-capella-Singen als auch den Werken für Chor und Orchester gerecht zu werden vermag.

Die Orchester, mit denen die Kantorei dabei meistens zusammenarbeitet, sind das Bach-Ensemble Wiesbaden und das auf historischen Instrumenten spielende Barockorchester La Corona. Zu den Gesangssolisten, die regelmäßig mit dem Chor auftreten, gehört der international bekannte Countertenor Andreas Scholl.

Seit 1975 wirkt die Schiersteiner Kantorei regelmäßig bei den Wiesbadener Bachwochen mit, seit 1994 auch bei dem im jährlichen Wechsel mit den Bachwochen stattfindenden Musikherbst Wiesbaden – beide Konzertreihen wurden von Martin Lutz begründet und werden von ihm künstlerisch geleitet, der Musikherbst zusammen mit dem Tenor Scot Weir.

Die barocke Christophoruskirche ist die Heimat des Chores, gern genutzt z.B. für Bach-Kantaten; größere Aufführungen finden aber in der geräumigeren Wiesbadener Marktkirche statt, im Sommerhalbjahr auch im Kloster Eberbach und gelegentlich im Wiesbadener Kurhaus. Die Anzahl der Sängerinnen und Sänger hat sich kontinuierlich erhöht, von 38 am Anfang über 76 im Jahr 1982 bis zu heute 130, projektweise werden kleinere Kammerchöre gebildet.

Im Zentrum der Chorarbeit stehen Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, deren wichtigste geistliche Werke regelmäßig aufgeführt werden. Außerdem gehören die großen Chorwerke von Monteverdi, Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Brahms und Britten sowie zahlreiche a-capella-Stücke des 16. bis 20. Jahrhunderts zum Repertoire der Schiersteiner Kantorei. Auch heute weniger bekannte Kompositionen führte sie auf, so die „Messe des Morts“ von Jean Gilles, Händels Oratorien „Solomon“ und „Athalia“, die Requiem-Vertonungen von Luigi Cherubini und Johann Adolf Hasse, sowie „Weltende – Gericht – Neue Welt“ von Joachim Raff, der 1856 bis 1877 in Wiesbaden lebte. Bei den Bachwochen 2009 bot der Chor als deutsche Erstaufführung ein zeitgenössisches Werk: das „Requiem à memoria do Infante Dom Henrique“ des portugiesischen Komponisten António Ferreira dos Santos. 2010 gastierte der Chor damit in Portugal.

Die musikalische Interpretation wie auch Auswahl und Zusammenstellung der Konzerte sind von der Alte-Musik-Bewegung und der historisch informierten Aufführungspraxis geprägt, die durch die Schiersteiner Kantorei in Wiesbaden früher als andernorts ihr Publikum fand. In der Christophoruskirche veranstaltet die Kantorei die monatlichen Schiersteiner Vespermusiken, bei denen junge Künstler als Gäste alte Musik präsentieren. Konzertreisen führten die Schiersteiner Kantorei in die Schweiz, nach Frankreich, Portugal, England und China. Daneben gab es Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen. Gewürdigt wurde diese vielfältige Musikpflege 1990 mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Schiersteiner Kantorei und ihren Leiter Martin Lutz.

Literatur

Verweise