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Stadtlexikon Wiesbaden

Zais, Christian

Architekt, Stadtplaner

geboren: 4. März 1770 in Cannstadt (bei Stuttgart)
gestorben: 26. April 1820 in Wiesbaden


Details

Christian Zais, Sohn des Chirurgen Johann Wilhelm Zais, hatte unter den Baubeamten des Herzogtums Nassau ohne Zweifel die größte künstlerische Begabung. Nach Verlassen der Schule ging er zunächst bei einem Steinhauermeister in die Lehre, unter dem er am Bau des Neuen Schlosses in Stuttgart mitarbeitete, was wohl Einfluss auf seine spätere Entwicklung als Architekt hatte.

Schon im Alter von 17 Jahren begann er mit dem Studium der Architektur an der Hohen Karlsschule in Stuttgart, belegte aber zugleich bei dem späteren Major Karl August Friedrich Duttenhofer (1758 – 1838) das Fach Wasserbaukunst. In den unruhigen Zeiten der napoleonischen Ära wurde wenig gebaut, und so scheiterte Zais‘ Versuch, sich als Privatarchitekt zu betätigen. Mühsam schlug er sich mit kartographischen Arbeiten durch. Zu seinem Glück hatte er während des Studiums den späteren nassauischen Minister Ernst Freiherr Marschall von Bieberstein (1770 – 1834) kennen gelernt, durch dessen Fürsprache er 1805 in die Dienste des damaligen Fürstentums Nassau-Usingen nach Wiesbaden berufen wurde. Jedoch nicht den Architekten, sondern den Kenner der Wasserbaukunst benötigte man für die Betreuung der Uferbefestigungen an Rhein und Main.

Mit der wachsenden Bedeutung des Kurwesens und der Bestimmung von Wiesbaden zur Hauptstadt kamen auch bald bedeutende Aufträge für Hochbauten. Der erste betraf den Bau eines Kurhauses (Kurhaus, altes) auf dem neu geschaffenen Platz vor dem Sonnenberger Tor nahe des Wiesenbrunnens, eines Süßwasserbrunnens und nicht etwa einer Thermalquelle. Der erste Entwurf zeigte bezüglich der Baumassengestaltung noch spätbarocke Stiltendenzen, so in den viertelkreisförmigen Kolonnaden, wie auch der ausgeführte Bau einen Hauptbau und zwei Seitenpavillons aufwies, die durch Kolonnaden miteinander verbunden waren. Während Zais sich eigentlich um die ihm aufgetragene Inspektionstätigkeit in den Landämtern kümmern sollte, verwandte er sehr viel mehr Energie auf seine eigenen Projekte am heutigen Kaiser-Friedrich-Platz. Auch hier orientierte er sich in ersten Entwürfen noch stark am barocken Schlossbau, und selbst als er den monumentalen Baublock in drei Gebäude auflöste, verband er sie doch alle durch niedrige Flügel oder Kolonnaden.

Erst beim zweiten großen Auftrag des Herzogtums, dem Erbprinzenpalais in der Wilhelmstraße, entwarf Zais mit dem freistehenden, scharfkantigen Kubus ein überzeugendes Bauwerk des Klassizismus. Heute ist das der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden dienende Gebäude zusammen mit dem Schenck’schen Haus und der Pfarrkirche in Kelkheim-Münster der einzige Rest seines Lebenswerkes. Das alte Kurhaus musste dem neuen weichen, das alte Hotel „Nassauer Hof“, sein eigenes Wohnhaus sowie das luxuriöse Badhotel „Vier Jahreszeiten“ (Hotel Vier Jahreszeiten) existieren nicht mehr. Neben der maßgeblichen Mitwirkung von Zais an dem stadtplanerischen Konzept des Historischen Fünfecks, an dessen Durchführung und Vollendung, bleibt seine bedeutendste Hinterlassenschaft die weiträumige Anlage zwischen Kurhaus und Kaiser-Friedrich-Platz, die selbst heute noch für Großstadt-Events aller Art ausreichend ist. Mit den eigenen Bauprojekten am Kaiser-Friedrich-Platz hatte er sich finanziell übernommen, sich zudem großen Ärger mit den Betreibern der Badhotels am Kochbrunnen und Rügen der herzoglichen Bauverwaltung wegen der Vernachlässigung seiner öffentlichen Aufgaben eingehandelt. Das waren wohl die Ursachen für seinen plötzlichen Tod im Alter von nur 50 Jahren.

Literatur