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Brockhaus, Hans

Brockhaus, Hans

Verleger, Unternehmer

geboren: 06.10.1888 in Leipzig

gestorben: 19.12.1965 in Wiesbaden


Artikel

Brockhaus begann ab 1909 eine Lehre im Verlag seiner Familie, die langfristige Aufenthalte in den Verlagsfilialen in Bern, Paris und London umfasste. Anschließend wirkte er bei verschiedenen Editionsprojekten mit und wurde nach dem Tod von Eduard Brockhaus im Jahr 1914 Mitinhaber des Verlagshauses. Nach Kriegsende führte er den Verlag durch die politisch wie wirtschaftlichen schweren Zeiten der frühen Weimarer Republik. 1928–35 erschien unter seiner Mitarbeit die 15. Auflage des »Großen Brockhaus« in 20 Bänden.

Besondere Verdienste erwarb er sich mit der Verfassung eines Lexikon-Archivs in den Jahren 1931–33, in dem er firmeninterne Kenntnisse zur Herstellung von Lexika niederschrieb.

Nach 1933 gestaltete sich die Arbeit schwierig. Aufgrund fehlender Nachweise der sogenannten arischen Abstammung drohte der Familie Brockhaus die Zwangsenteignung, lediglich eine durch Hitler erteilte Ausnahmegenehmigung ermöglichte die Weiterführung des Verlages. Während des Zweiten Weltkrieges verhinderte Brockhaus eine kriegsbedingte Stilllegung des Betriebes.

Nach Kriegsende übersiedelte die Familie unter dem Schutz der amerikanischen Besatzungsmacht von Leipzig nach Wiesbaden, wo die 16. Auflage des »Großen Brockhaus« in 12 Bänden erscheinen konnte. Die Leipziger Stichwortliste hatte den Krieg unversehrt überstanden und war mit Brockhaus nach Wiesbaden gelangt. Zeitgleich kämpfte er gegen die Enteignung seiner Familie in der sowjetischen Besatzungszone und die Umwandlung des Leipziger Verlages in einen Volkseigenen Betrieb (VEB).

Einen Höhepunkt seines Lebens erfuhr er im Rahmen der 150-Jahrfeier des Verlages 1955, als ihm die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Mainz verliehen wurde. Bis zu seinem Tod betätigte sich Brockhaus im Verlagsgeschäft.

Literatur

Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten, 2. Aufl., Wiesbaden 1992 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 39) [S. 84].