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Dilthey, Wilhelm Christian Ludwig

Dilthey, Wilhelm Christian Ludwig

Philosoph

geboren: 19.11.1833 in Biebrich

gestorben: 01.10.1911 in Seis am Schlern (Tirol)


Artikel

Der Sohn des 1828 als Hofkaplan nach Biebrich gekommenen und dort seit 1837 als Pfarrer wirkenden späteren Dekans und Oberhofpredigers Maximilian Dilthey bestand 1852 am Gymnasium in Wiesbaden die Reifeprüfung und studierte in Heidelberg und Berlin evangelische Theologie. 1856 legte er in Wiesbaden das theologische und wenig später in Berlin das philologische Staatsexamen ab, konnte sich aber weder für den kirchlichen noch für den Schuldienst entscheiden.

Die durch Kuno Fischer und Friedrich Adolf Trendelenburg geweckten Neigungen zur Philosophie ließen ihn vielmehr die Universitätslaufbahn einschlagen, die ihn über Basel, Kiel und Breslau 1882 nach Berlin führte, wo er bis 1905 lehrte. Nachdem er sich anfänglich vor allem mit Schleiermacher beschäftigt hatte, wandte er sich zunehmend philosophisch-systematischen Themen zu, ohne dabei die geschichtliche Perspektive zu vernachlässigen.

Grundlegend für sein Denken ist die Abkehr von einer positivistisch-naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise und die Hinwendung zu einer Erkenntnismethode, die sich auf das menschliche Bewusstsein und das Erleben stützt. Die Philosophiegeschichte zählt ihn zu den bedeutendsten Vertretern der Lebensphilosophie und zu den Mitbegründern der Geisteswissenschaften als eigenständiger Fachdisziplin. Auch die Psychologie hat von ihm wichtige Impulse erhalten.

Von seiner umfangreichen Veröffentlichungstätigkeit zeugen die auf 26 Bände berechneten »Gesammelten Schriften«, von denen bisher 20 Bände erschienen sind.

Dilthey, nach dem sich in Wiesbaden die Diltheyschule nennt, ist auf dem Friedhof Biebrich begraben. In Biebrich erinnern eine nach ihm benannte Straße sowie eine Inschrift an seinem Geburtshaus an den Philosophen.

Literatur

Misch, Clara (Hrsg.): Der junge Dilthey. Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern 1852–1870, 2. Aufl. Stuttgart 1960.

Schüler, Winfried: Wilhelm Dilthey und sein Elternhaus. In: 150 Jahre Diltheyschule, Wiesbaden 1994 [S. 102–107].