Sprungmarken

Dreyer, Ludwig

Dreyer, Ludwig

Kaufmann, Naturforscher

geboren: 14.05.1841 in Edenkoben (Pfalz)

gestorben: 15.01.1924 in Wiesbaden


Artikel

Dreyer, der Sohn eines Arztes, hieß ursprünglich Louis Dreyfus. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in Mannheim, Berlin und Paris ging er 1860 nach Südafrika. Dort gründete er in Port Elizabeth 1865 ein Import- und Exportgeschäft, das er schon 1873 in andere Hände übergab.

Er übersiedelte nach London und widmete sich dort naturwissenschaftlichen Studien. Dreyer begann, mikroskopische Präparate zu sammeln. 1876 heiratete er Ida Jordan. Das Ehepaar trat vom jüdischen zum evangelischen Glauben über und ließ seine fünf Kinder taufen. 1882 zog die Familie nach Wiesbaden.

Wie viele der Rentiers, die früh vermögend geworden waren und sich hier niederließen, engagierte sich Dreyer vielfältig im kulturellen und politischen Leben der Stadt. Er wurde Mitglied des Nassauischen Vereins für Naturkunde und befreundete sich mit dem Arzt und Entomologen Arnold Pagenstecher. Am Chemischen Laboratorium Fresenius bildete er sich in der Bakteriologie weiter. 1887 gestaltete er eine Ausstellung anlässlich der Tagung der Naturforscherversammlung in Wiesbaden. Er promovierte mit einer zoologischen Arbeit über die Reblaus an der Universität Leipzig und wurde Vorstandsmitglied im Naturkundeverein.

1889–91 gehörte er dem Bürgerausschuss an, 1891–1919 der Stadtverordnetenversammlung; dort wurde er Fraktionsvorsitzender der Nationalliberalen. Als Stadtverordneter war er Mitglied der Museumsdeputation sowie Vorsitzender des Finanzausschusses und brachte seine kaufmännischen Erfahrungen ein. Bekannt war Dreyer mit dem Schriftsteller Gustav Freytag.

1894 ließ er seinen Namen in »Dreyer« ändern – vermutlich vor dem Hintergrund der Dreyfus-Affäre in Frankreich.

In der Schubertstraße 1 baute er 1897 eine aufwendige Villa, die englischen Landhausstil mit historistischem Villenstil verband. Hier finden sich noch heute Steinmetzarbeiten von Tieren wie Straußen und Elefanten, die an Dreyers Zeit in Afrika erinnern sollen.

Er wurde auf dem Südfriedhof begraben. Sein Sohn Wilhelm starb 1938 im KZ Buchenwald, sein Sohn Friedrich und seine Witwe Ida nahmen sich 1938 bzw. 1940 das Leben.

Literatur

Erinnerungsblätter an Ida Dreyer, geb. Jordan, an Dr. Wilhelm Dreyer. Aktives Museum Spiegelgasse, Wiesbaden 2010.

Ey, Hildegard: Ludwig Dreyer. In: Das Erbe der Mattiaca [S. 53].

Sigrid Russ, Bearb., Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wiesbaden II – Die Villengebiete. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1996 [S. 204].

Weichel, Thomas: Die Bürger von Wiesbaden. Von der Landstadt zur »Weltkurstadt« 1780–1914, München 1997 [S. 307].