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Rathaus

Kolumne Februar 2020

"Wichtige Entscheidungen für unsere Stadt stehen an"

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

liebe Freundinnen und Freunde unserer schönen Stadt,

den Jahresrückblick auf 2019 habe ich in meiner Kolumne im Dezember gerade erst gegeben - da begrüße ich Sie auch schon in meiner Februar-Kolumne mit einem Ausblick auf dieses erst wenige Wochen alte neue Jahr. Beim IHK-Neujahrsempfang vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, darüber zu sprechen, was uns in den kommenden Wochen und Monaten erwartet.

Ein Jahr intensiver Herausforderungen liegt hinter uns, eines mit nicht minder interessanten vor uns: der demographische Wandel, der damit einhergehende Fachkräftemangel, die Lenkung der Verkehrsströme, die Bereitstellung neuer Wohnbau- und Gewerbeflächen sowie die Gestaltung der Innenstadt sind nur einige davon. Wir als Stadt wollen die Zukunft aktiv gestalten. Dies können wir jedoch nicht alleine, sondern nur mit der Unterstützung durch die Bürger, die Gesellschaft und die Unternehmen unserer Stadt. Für uns als Stadt ist zudem der Meinungs- und Gedankenaustausch mit den Unternehmen, wie auch mit den Kammern und den Interessenvertretungen ausgesprochen wichtig. Diese Gespräche sind ein Indikator, um ein Gefühl für die Lage der Unternehmen und damit letztlich auch der Gesellschaft zu bekommen und vor allem: um zu sehen, wo und wie die Stadtverwaltung Unterstützung leisten kann. Insgesamt können wir aber mit der Entwicklung in vielen Bereichen sehr zufrieden sein. Wiesbaden ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität, einem ausgewogenen Branchenmix, einer lebendigen Gründerszene und vor allem ein gesuchter Unternehmensstandort. Nicht umsonst haben sich Weltmarktführer und internationale Unternehmen mit ihrem Hauptsitz hier angesiedelt.

Wiesbaden ist darüber hinaus auch eine wachsende Stadt. Die hessische Landeshauptstadt erfreut sich steigender Einwohnerzahlen. Derzeit leben mehr als 290.000 Menschen hier. 110.101 Wiesbadenerinnen und Wiesbadener sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit 1859 oder 1,7 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die momentane Geschäftslage wird von den Unternehmen nach der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK zwar zurückhaltender, aber immer noch als "sehr gut" beurteilt. Schön, wenn sich dieser Trend so fortsetzen würde!

Damit einhergehend sehen wir aber auch, dass es für die Betriebe immer schwieriger wird, Arbeitskräfte und vor allem Fachkräfte zu finden. Dieser Trend wurde auch in einigen Branchengesprächen bestätigt. Vor allem das Handwerk kann "ein Lied davon singen." Umso wichtiger ist es, Nachwuchskräfte zu finden und die eigenen Fachkräfte zu halten. So unterstützt der "Jobnavi" des Referats für Wirtschaft und Beschäftigung die Wiesbadener Betriebe bei der Suche nach Nachwuchskräften. Gleichzeitig wird mit verschiedenen Arbeitsmarktprojekten wie den Alltagsengeln, den Wohnbetreuern oder den Helfern an Schulen versucht, langzeitarbeitslose Menschen wieder in den Ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit Aktionstagen wie "Job in Echt" erleben Jugendliche die Unternehmen hautnah und gewinnen Interesse an einer Ausbildung. In Kooperation mit der Hochschule RheinMain wird versucht, Studenten als Nachwuchs-Fachkräfte für unsere Stadt zu gewinnen. Sie sehen, wir setzen intensiv an vielen Punkten an, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen.

Innenstädte sind auch Zentren wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Aktivitäten. Der Handel spielt dabei eine besondere Rolle, er trägt als ein Impulsgeber entscheidend zu deren Lebendigkeit bei. Die Attraktivität der Wiesbadener Fußgängerzone und somit auch die des Einzelhandels stehen ganz klar im Fokus der Wirtschaftsförderung. In der Wiesbadener 1A-Lage wird an vielen Stellen saniert, neu gebaut und somit in die Zukunft investiert. Nach den von der IHK im Oktober 2019 vorgestellten Kaufkraftkennziffern ist die Kaufkraft der Einwohner in der Wirtschaftsregion Wiesbaden bundesweit überdurchschnittlich und sogar weitergestiegen. Sie wird für das Jahr 2019 auf 13 Milliarden Euro geschätzt - ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit kann jeder Einwohner im Bezirk der IHK (Wiesbaden, Rheingau-Taunus-Kreis und Hochheim) durchschnittlich 26.744 Euro für den Konsum ausgeben. Die Menschen in unserer Wirtschaftsregion haben 11,4 Prozent mehr im Geldbeutel als der Bundesdurchschnitt und 6,7 Prozent mehr als der Durchschnitt in Hessen. Nach dem regionalen Konjunkturbericht der IHK vom Herbst 2019 steht Wiesbaden bundesweit an der Spitze: Unter den vergleichbaren 26 Großstädten mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern belegt die hessische Landeshauptstadt beim Kaufkraftindex nach Bonn den zweiten Platz. Die überdurchschnittlich hohen verfügbaren Einkommen in unserer Region kommen auch dem Handel zugute. Ein Hauptziel unseres Stadtentwicklungskonzeptes "Wiesbaden 2030+" ist es, Wiesbaden als attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu erhalten und für Unternehmen entsprechende Rahmenbedingungen hinsichtlich Flächenverfügbarkeiten und Infrastruktur zu schaffen. Denn wer wächst und sich entwickelt, benötigt auch den Raum, der die Möglichkeiten dafür bietet.

In Wiesbaden fehlt es jedoch an bezahlbarem Wohnraum für Normalverdiener. Ich möchte, dass sich Familien das Leben in der Stadt wieder leisten können. Längerfristig soll der neu entstehende Stadtteil "Ostfeld/Kalkofen" zur Schaffung von Gewerbe- und Büroflächen sowie bezahlbarem Wohnraum beitragen. Ich bin überzeugt, dass dieses Projekt gemeinsam mit anderen Maßnahmen wie der Vernetzung von Arbeiten und Wohnen eine gute Lösung für den Mangel an Raum bieten wird. Auch die bereits bestehenden Gewerbegebiete wie die Flächen entlang der A66 oder der Abraham-Lincoln-Straße sollen durch maßvolle Arrondierungen neue Potenziale bieten. Weitere Möglichkeiten bieten sich durch eine planvolle Nachverdichtung bereits vorhandener Gewerbegebiete. Neben einem ausreichenden Flächenangebot sind aber auch andere Themen wie Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel, Mobilität/Verkehrslenkung große Herausforderungen, die es für uns alle gemeinsam zu meistern gilt. In diesem Zusammenhang werden zusätzlich auch Aspekte wie Bildung, Sicherheit und Nachhaltigkeit immer bedeutender. Unsere Stadt muss sich dabei gezielt auf ihre Stärken als attraktiver Gewerbe- und Gesundheitsstandortstandort wie auch als kulturträchtige Landeshauptstadt konzentrieren und diese gezielt profilieren.

Im diesem Jahr stehen wichtige Entscheidungen für unsere Stadt an. Eine  bedeutsame Frage ist sicherlich, wie in Zukunft die Mobilität in Wiesbaden gewährleistet werden kann – die CityBahn ist da ein Stichwort. Ein Bürgerentscheid zur CityBahn kommt. So oder so: Die Bürgerinnen und Bürger werden also selbst über das Projekt entscheiden. Andere Stichworte sind in dem Zusammenhang Klimaschutz und Verkehr. Hier besteht zweifellos ein großer Handlungsbedarf.

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener, wir als Stadt haben in diesem Jahr einiges vor.

Herzlichst

Signatur Gert-Uwe Mende

Gert-Uwe Mende
Oberbürgermeister


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