Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche einblenden
Rathaus
Wo bin ich?
  1. Startseite
  2. Rathaus
  3. Stadtpolitik
  4. Oberbürgermeister
  5. Aktuelle Kolumne

Kolumne Januar 2020

"Städtepartnerschaften verbinden"

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

liebe Freundinnen und Freunde unserer schönen Stadt,

die Landeshauptstadt Wiesbaden pflegt seit vielen Jahren partnerschaftliche Beziehungen zu insgesamt 18 Städten in Europa, im Nahen Osten und in Lateinamerika. Städtepartnerschaften bieten die Chance, mehr über die Menschen, ihre Kultur und Gepflogenheiten sowie ihr Alltagsleben zu erfahren. Sie erleichtern es den Bürgerinnen und Bürgern, Kontakte zu knüpfen und ermöglichen es Vereinen und Institutionen, an Projekten von gemeinsamem Interesse zu arbeiten.

Die Idee der Städtepartnerschaft entstand hauptsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg, um die durch zwei Weltkriege in Europa aufgerissenen Wunden zu heilen und Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Ländern einander näherzubringen. Es war das erklärte Ziel der deutschen und vieler europäischer Regierungen, sich wieder miteinander zu versöhnen. Städtepartnerschaften galten dafür bald als ein ideales Mittel – sie bringen Kommunen europa- und weltweit näher zusammen und sorgen für eine enge Verbindung ihrer Bürgerinnen und Bürger. Aber es sind nicht die Rathäuser, die die partnerschaftlichen Beziehungen mit Leben erfüllen. Städtepartnerschaften werden von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Schulen, Künstlerinnen und Künstlern gelebt. Viele Ehrenamtliche engagieren sich in ihrer Freizeit und auch finanziell in Städtepartnerschaftsvereinen. Partnerschaftsvereine spielen eine herausragende Rolle als Träger der verschiedensten Aktivitäten. Auch andere zivilgesellschaftliche Organisationen wie Sportvereine, Gesangsvereine, Schulen und Feuerwehren engagieren sich stark. Städtepartnerschaftliche Begegnungen bedeuten ein Kennenlernen der jeweils anderen Gesellschaft und sind auf Kontinuität ausgelegt. Es geht nicht nur um Besichtigungen und Begegnungen wie beim Tourismus, sondern um langfristige Kontakte und Freundschaften.

In diesem Jahr besteht unter anderem die Partnerschaft mit dem österreichischen Klagenfurt 90 Jahre. Diese Verbindung gilt als eine der ältesten Städtepartnerschaften der Welt. Im Mai 1930 besuchte der Klagenfurter Bürgermeister Dr. Heinrich Bercht seinen Wiesbadener Amtskollegen, Oberbürgermeister Georg Krücke, und sprach die Einladung zur Teilnahme an der Jahrestagung des Österreichisch-Deutschen Volksbundes in Klagenfurt aus. Bei der Feier wurde erstmals der Begriff "Patenstadt" verwendet. Die besiegelte Partnerschaft entwickelte sich zu einer intensiven und bürgernahen Beziehung. Die engen und freundschaftlichen Kontakte zeigen sich heute noch in zahlreichen Austauschprojekten zwischen Schulen und Vereinen.

Seit 50 Jahren besteht die Partnerschaft mit Tunbridge Wells. Die Versöhnungsbereitschaft und gegenseitige Besuche englischer und deutscher Kriegsteilnehmer in den 1960-er Jahren bildeten den Ursprung der Städtepartnerschaft. Die schnell sehr engen Verbindungen beider Städte führten dazu, dass Wiesbaden und Tunbridge Wells am 25. November 1970 einen Vertrag über eine Städtefreundschaft abschlossen. Diese Verbindung erhielt im April 1989 den Status einer Städtepartnerschaft. Von Beginn an waren die Beziehungen und der Austausch beider Städte sehr lebendig. Das hat sich in den vergangenen Jahren noch intensiviert – nicht zuletzt dank der in Tunbridge Wells und Wiesbaden aktiven Partnerschaftsvereine, die zahlreiche Aktivitäten durchführen und Austauschreisen organisieren.

Die Städtepartnerschaft zwischen Wiesbaden und Ocotal ist mittlerweile 30 Jahre alt und wurde am 16. Mai 1990 mit dem Ziel ratifiziert, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern. Seit Inkrafttreten des Partnerschaftsvertrags hat die Landeshauptstadt Wiesbaden ihre Partnerstadt bei vielen sozialen und humanitären Projekten mit Geld und Know-how unterstützt. Hervorzuheben sind die Soforthilfe nach den Zerstörungen durch den Hurrikan "Mitch" im Jahr 1998 sowie ein Abwasserprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem Werkhof Darmstadt und mit Fördermitteln der EU von 1995 bis 2003 durchgeführt wurde.

Mit einer Partnerschaft zwischen zwei innerdeutschen Städten zu einer friedlichen und freiheitlichen Entwicklung in Europa beizutragen, war das Ziel der im Jahr 1990 besiegelten Städtepartnerschaft zwischen Wiesbaden und Görlitz. Ende der 1980-er Jahre kam in Wiesbaden der Wunsch auf für eine Städtepartnerschaft zweier deutscher Städte auf. Zunächst fruchteten die Bemühungen Wiesbadens nicht. Das änderte sich, als die damalige SED-Stadtverordnete Doris Watzke die hessische Landeshauptstadt besuchte und sich herausstellte, dass das Anliegen einer Städtepartnerschaft in Görlitz nicht bekannt war. In einem Schreiben an den 1. Oberbürgermeister von Görlitz, Gert Eichberg, wurde der Wunsch nach einer Städtepartnerstadt erneuert und mit dem offiziellen Besuch einer Wiesbadener Delegation unter der Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Achim Exner in Görlitz noch im selben Jahr 1989 bekräftigt.

Selbstverständlich werden wir diese Jubiläen entsprechend würdigen. Ich freue mich schon darauf.

Herzlichst

Signatur Gert-Uwe Mende

Gert-Uwe Mende
Oberbürgermeister


Anzeigen