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Kolumne Juni 2019

"Alles Gute für Sie und Wiesbaden! "

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

liebe Freundinnen und Freunde unserer schönen Stadt,

ich habe im Sommer 2013 meine Antrittsrede unter das Motto "Vom Ich zum Wir" gestellt, weil es gerade der gesellschaftliche Zusammenhalt ist, der unsere Stadt so lebenswert macht. Und ich glaube, man hat in den vergangenen sechs Jahren gemerkt, dass ich dieses Motto beherzigt habe. Und dazu gehören dann nicht nur politische Projekte, sondern vor allem viel Zuhören, viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen, das Kümmern und Besuchen. Es war vom ersten Tag an stets mein Ansinnen, zum Wohle der Stadt Wiesbaden zu handeln. Nun neigt sich meine Amtszeit dem Ende zu – und es war eine schöne Zeit. Die Sitzung zur Einführung des neuen Oberbürgermeisters wird am Samstag, 29. Juni, ab 11 Uhr im Rathaus im Stadtverordnetensitzungssaal sein. Mein letzter Arbeitstag ist dann am Montag, 1. Juli. Ich möchte schon jetzt allen Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern auf diesem Wege einen Abschiedsgruß senden.

Die vergangenen sechs Jahre waren eine sehr intensive Zeit. Neben vielen Erfolgen habe ich jedoch auch Fehler gemacht, Fehler die ich persönlich zu verantworten habe. Um es klar zu betonen: Egal was behauptet oder geschrieben wird und wurde: Ich war zu keinen Zeitpunkt, weder vor, noch während meiner Amtszeit korrumpierbar oder bestechlich. Ich habe mir in diesem Punkt nichts vorzuwerfen. Aber ich habe im Bereich meiner privaten Lebens- und Urlaubsgestaltung an mehreren Stellen die notwendige Sensibilität vermissen lassen. Die entsprechenden Konsequenzen habe ich gezogen.

Als direkt gewählter Oberbürgermeister habe ich mich immer vorrangig der Bürgerschaft verpflichtet gesehen – als Kümmerer, Projektmanager und Gestalter. Ich habe die Menschen in unserer Stadt mit ihren Sorgen und Nöten immer ernst genommen. Ich bin auf die Bürger zugegangen und habe Gespräche angeboten - vor Ort in den Stadtteilen und im Rathaus. Ich wollte stets wissen, was die Menschen bewegt, wie sie sich meine Arbeit vorstellen, und was sie sich von der Stadt erwarten. Mit anderen Worten: Ich habe mich als Oberbürgermeister zum Anfassen verstanden und mich für ein konstruktives Miteinander in der Stadt, in der Stadtverwaltung und dem Magistrat eingesetzt. Das "Wir-Gefühl" in unserer schönen Stadt war und ist mir wichtig, damit eine Identifikation mit der Stadt gelingt.

Für die Landeshauptstadt Wiesbaden waren, denke ich, die vergangenen sechs Jahre eine gute und erfolgreiche Zeit: Wir haben – und ich betone dieses "wir" bewusst, denn es war immer auch ein Stück Gemeinschaftsarbeit – in diesem Zeitraum gemeinsam viele wichtige Entscheidungen getroffen, Projekte auf den Weg gebracht und wichtige Weichen für die Zukunft unserer Stadt gestellt. Blickte man im Jahr 2013 noch auf Bauruinen und Brachen in der Moritzstraße und am Kureck, so konnten wir im März die Rückkehr der Hochschule Fresenius nach Wiesbaden feiern, 1.000 neue Studierende in unserer Stadt begrüßen und auch jeden Tag am Kureck neugierig durch den Bauzaun spähen. Wurden 2013 unsere Busfahrer noch in unterschiedlichen Tarifen bezahlt und führte diese Billiglohnideologie damals zu massiven Busausfällen, so gilt heute wieder der Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit und wir haben statt drei Busunternehmen nur noch eines. Und unser Busunternehmen hat sich zu einem Mobilitätsdienstleister entwickelt. In diesem Zusammenhang weise ich auf den bundesweiten Pilotcharakter der Digitalisierung des Verkehrs, den GreenCity-Masterplan und auf das Projekt emissionsfreier ÖPNV hin. Unsere Stadt hat inzwischen eine lebendige und gelebte Kultur der Bürgerbeteiligung, die für viele andere Kommunen Vorbildcharakter hat und der es als größten Erfolg gelungen ist, das jahrelange politische Ringen um die Zukunft der Wilhelmstraße 1 zu beenden. Denn dank des Engagements vieler Bürgerinnen und Bürger, und vor allem dank des Mäzenatentums des Ehepaars Ernst, dürfen wir uns an dieser Stelle auf den Neubau eines neuen Museums für Wiesbaden freuen. Stolz bin ich auch, dass es gelungen ist, den Ersatzneubau für das doch arg in die Jahre gekommene Hallenbad in der Mainzer Straße auf den Weg zu bringen und mit dem Sportpark Rheinhöhe ein modernes Sport- und Familienbad samt Eislauffläche zu planen.

An der Frage, ob es uns gelingt in Wiesbaden genügend und vor allem genügend bezahlbaren Wohnraum bereit zu stellen, wird sich meines Ermessens die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt entscheiden. Gerade deswegen bin ich froh, dass wir den Entwurf für ein Strukturkonzept für einen neuen Stadtteil im Ostfeld vorgelegt haben und anschließend mit voller Kraft in die Detailplanung starten können.

"Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich", hat Friedrich Schiller einmal gesagt. Ähnlich sah das auch US-Präsident Ronald Reagan, als er 1989 seinen Abschied vom Weißen Haus nehmen musste. "Im Abschied liegt eine süße Trauer. Der süße Teil ist das, was mich erwartet. Das Traurige ist das Auf-Wiedersehen-sagen-Müssen." Ich hatte eine sehr ereignisreiche Amtszeit, habe täglich neue Menschen, neue Bereiche der Stadt, neue Unternehmen, neue Vereine, Institutionen und Organisationen kennengelernt. Und eines hat sich jeden Tag bestätigt: Unsere Stadt ist großartig und deshalb war und ist es ein wunderbares Gefühl, Wiesbadener Oberbürgermeister zu sein – und das Abschied nehmen ist eben mehr traurig als erfreulich. Meine besten Wünsche gelten meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin im Amt des Oberbürgermeisters. Ich danke allen Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung sehr für die gemeinsame Zeit. Lassen Sie es sich gut gehen!

Herzlichst

Signatur Sven Gerich

Sven Gerich
Oberbürgermeister


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