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Kolumne Januar 2019

"Eine Städtepartnerschaft verbindet"

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

liebe Freundinnen und Freunde unserer schönen Stadt,

die Idee der Städtepartnerschaft entstand hauptsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg, um die durch zwei Weltkriege in Europa aufgerissenen Wunden zu heilen und Bürger aus unterschiedlichen Ländern einander näherzubringen. "Wo Begegnung ist, wächst Verständnis. Wo Verständnis ist, wächst Freundschaft. Wo Freundschaft ist, wächst der Frieden", dies hat einmal der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker gesagt. Wie Recht er doch hat. Eine herausragende Rolle bei der Begegnung breiter Bevölkerungsschichten spielen die Städtepartnerschaften. Sie tragen dazu bei, dass sich Bürger aus unterschiedlichen europäischen Ländern und ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten begegnen. Städtepartnerschaften dienen der Verständigung und dem Austausch freundschaftlicher Kontakte zwischen Städten. Sie bringen Kommunen europa- und weltweit näher zusammen und sorgen für eine enge Verbindung ihrer Bürgerinnen und Bürger - und aus manchen erwachsen Freundschaften. Aber es sind nicht die Rathäuser, die die partnerschaftlichen Beziehungen mit Leben erfüllen, und sie sollen es auch gar nicht sein. Städtepartnerschaften werden von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Schulen und Künstlern gelebt. Viele Ehrenamtliche engagieren sich in ihrer Freizeit und auch finanziell in Städtepartnerschaftsvereinen. Partnerschaftsvereine spielen eine herausragende Rolle als Träger der Partnerschaftsaktivitäten. Auch andere zivilgesellschaftliche Organisationen wie Sportvereine, Gesangsvereine, Schulen und Feuerwehren engagieren sich stark für Städtepartnerschaften.

Heute ist es scheinbar um einige Städtepartnerschaften ruhiger geworden – nicht weil sie nicht mehr existieren, sondern weil sie zum einen ein akzeptierter, alltäglicher Bestandteil kommunaler Aktivitäten geworden sind – zum anderen aber auch, und so ehrlich muss man sein, weil die Zeit an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen ist. Aber haben sich Städtepartnerschaften überholt, sind antiquiert und nicht mehr zeitgemäß? Nein. Ganz bestimmt nicht. Städtepartnerschaftliche Begegnungen bedeuten ein Eintauchen in die jeweils andere Gesellschaft und sind auf Kontinuität ausgelegt. Es geht nicht nur um Besichtigungen und Begegnungen wie beim Tourismus, sondern um langfristige Kontakte und Freundschaften. Und damit sind kommunale Partnerschaften auch ein Angebot in heutiger Zeit.

In diesem Jahr feiern wir das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Gent in Belgien. Mit rund 250.000 Einwohnern ist Gent nach Brüssel und Antwerpen die drittgrößte Stadt Belgiens. Mehr als 9800 kulturhistorisch wertvolle Bauwerke machen den Weg durch die Hauptstadt der Provinz Ostflandern zu einem Gang durch die Geschichte. Drei Türme – der 95 Meter hohe Belfried (übrigens UNESCO-Weltkulturerbe), der Turm der St.-Bavo-Kathedrale und der Turm der St.-Niklas-Kirche – prägen die Silhouette der Stadt. Beeindruckend sind auch Bauten wie das spätgotische Rathaus, der Graslei und der Korenlei an der Gracht des alten Hafens, die Giebel- und Gildenhäuser, das alte Postamt und der Gravensteen, die einzige in Flandern erhaltene mittelalterliche Burg im romanischen Stil.

Ein engagierter Austausch kennzeichnet die 1969 proklamierte Partnerschaft mit Gent. Die ersten Kontakte zwischen Wiesbaden und Gent gingen auf eine Begegnung der Fußballmannschaften aus den beiden Stadtverwaltungen zurück. Bald entwickelten sich daraus Freundschaften unter den Spielern, die sich immer wieder sportlich trafen und sich auch gegenseitig besuchten. Die Landeshauptstadt Wiesbaden griff den Gedanken auf, eine Städtepartnerschaft mit Gent zu gründen und so wurden offizielle Kontakte zum Genter Rathaus aufgenommen. Dort wurde die Idee der Verschwisterung sehr begrüßt und die Vertreter der Stadt herzlich empfangen. Die Städtepartnerschaft wurde schließlich am 4. September 1969 in Gent proklamiert. Die Gegenproklamation erfolgte am 21. Mai 1970 in Wiesbaden. 25 Jahre später, im September 1994, bekräftigten beide Städte erneut ihren Wunsch nach Zusammenarbeit und Partnerschaft mit einer Urkunde.

Selbstverständlich werden wir dieses schöne Jubiläum entsprechend würdigen und feiern. Ich freue mich schon darauf.

Herzlichst

Signatur Sven Gerich

Sven Gerich
Oberbürgermeister


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